Channing Tatum

Channing Tatum





Das Strippen nach Glück

Es gibt wohl keinen anderen Schauspieler, der nur sieben Jahre nach seinem Debüt vor der Kamera einen autobiografischen Film drehte - zudem von der eigenen Produktionsfirma verwirklicht und unter Regie von Steven Soderbergh. Channing Tatum, derzeit mit "Foxcatcher" und "Jupiter Ascending" gleich doppelt im Kino zu sehen, machte genau das: 2011 spielte der heute 34-Jährige in "Magic Mike" sein junges Alter Ego. Mit seinem außergewöhnlichen Lebensweg konnte er die Regielegende für sich gewinnen: Vom Football-Talent mit Nebenjobs als Bauarbeiter und Makler, über eine Karriere als Stripper, Tänzer und Model hin zu einem der momentan beliebtesten Darsteller Hollywoods. Channing Tatum, der kantige Südstaatler aus Alabama, ist so etwas wie ein Role-Model des amerikanischen "Strebens nach Glück".

"Ich hatte verrückt viel Glück. Manchmal ist es, als hätte ich im Lotto gewonnen", verriet Tatum dem GQ-Magazin schon 2009 über seine damals steil startende Karriere. Nur fünf Jahre zuvor hatte der muskelbepackte Frauenschwarm seinen ersten Auftritt als Schauspieler absolviert - in einer Episode der Serie "CSI: Miami". Doch seine Karriere musste sich der Sohn aus einer Arbeiterfamilie hart erkämpfen. Das wertvollste Kapital des einstigen Kleinstadtjungen, dessen Mutter bei einer Fluggesellschaft und dessen Vater im Baugewerbe arbeitete, war immer das gewesen, was es auch heute noch ist: sein Körper. Diesen nutzte er in jungen Jahren als Sportler ausgiebig, spielte Football und Baseball, übte sich in Kung Fu und anderen Kampfsportarten. Als bester Athlet seiner High School war der energische Kraftprotz so erfolgreich, dass er ein Stipendium für ein Football-Studium erhielt.

Die Profi-Karriere lockte - doch anstatt zu studieren, jobbte Tatum lieber umher, unter anderem als Verkäufer. Seinen trainierten Körper setzte er anderweitig ein: Unter dem Künstlernamen "Chan Crawford" strippte der Absolvent einer katholischen Schule für acht Monate in einem entsprechenden Lokal in Tampa. Dass dieser Job unter der Prämisse "Ich bin jung und brauche das Geld" einige Jahre später als Vorlage für ein Soderbergh-Werk dienen sollte, hätte der damals 18-Jährige sicher nicht zu träumen gewagt.

Die gelernten Weisheiten kamen ihm für die filmische Biografie zugute: "Männer gehen aus einfachen Gründen in Stripclubs, es ist eine visuelle, körperliche Sache", erzählte er im Interview mit der Website "Jam", "Wenn Männer strippen, geht es eher darum, Frauen auf die Bühne zu holen und bloßzustellen, damit ihre Freundinnen ihnen zujubeln. Frauen geht es um die roten Gesichter ihrer Freundinnen." Probleme hat er damit heute nicht: "Ich schäme mich nicht, bereue nichts. Ich bin keine Person, die Zeug hinterm Berg hält." Dazu gehört auch, dass er seine Bildschirmpremiere in einem Ricky-Martin-Video hatte.

Vom zwielichtigen Schuppen kam schließlich der große Sprung in die edlen Modelagenturen: Tatum wurde in Miami auf der Straße von einem Model-Scout entdeckt, gab fortan Shows für Abercrombie & Fitch, Dolce & Gabbana und Co. und verdingte sich in Werbefilmchen für Pepsi. Schnell wurde dem humorvollen Prince Charming bewusst, dass er mehr zu bieten hatte als Lächeln und Muskeln. Der CSI-Episode folgte eine beispiellose Karriere, die ihn in die erste Schauspielriege aufsteigen und mit Legenden wie Michael Mann ("Public Enemies") zusammenarbeiten ließ. Bemerkenswert in einem Filmgeschäft, dem es an Bodybuilding-Typen eigentlich nie mangelte.

Von der Muskel-Masse hebt sich Tatum erfreulich ab: Mit frischem, unprätentiösem Auftreten und unnachahmlicher Selbstironie, die der ambitionierte Aufsteiger erst kürzlich in Jimmy Kimmels Talkshow wieder bewies, als er seinen imaginären Freund namens Boy vorstellte, der ihn seit der Kindheit begleite und Erdnussbutter-Sandwiches liebe. Diese Attitüde ist es, die den 2012 vom "People Magazine" zum "Sexiest Man Alive" gewählten Tatum in den vergangenen Jahren zum heiß umworbenen Darling geraten ließ. Dabei ist Tatum seit über vier Jahren mit der Tänzerin und Schauspielerin Jenna Dewan verheiratet und glücklicher Vater einer zweieinhalbjährigen Tochter namens Everly.

Sicher, so vielfältig seine Filmprojekte von "G.I. Joe" (2009) über "Für immer Liebe" (2012) bis "21 Jump Street" (2012) auch sind: Zumeist beschränkt sich der überaus talentierte Tatum bislang noch immer auf körperbetonte Action- oder Sportlerrollen - in "Foxcatcher" ist es diesmal ein Ringer, in "Jupiter Ascending" ein genmanipulierter Ex-Söldner. "Niemand bietet mir Anwalts-Rollen an, ich muss mich noch beweisen", sagte Tatum 2011 in "GQ". Auch in seinem nächsten Filmprojekt, Tarantinos Western "The Hateful Eight", wird er wohl kaum den Anzugträger geben. Vielleicht ist er für solche Figuren aber auch nicht langweilig genug.

Quelle: teleschau - der mediendienst