Manolo und das Buch des Lebens

Manolo und das Buch des Lebens





Folkloristisches Feuerwerk

Der Mexikaner Guillermo del Toro kann so ziemlich alles: Bücher schreiben, Filme inszenieren und damit einen grenzenlos kreativen Kosmos erschaffen, der detailverliebt und facettenreich seinesgleichen sucht. Der Bilderstürmer verfügt über eine unbändige Fantasie: Sein Debüt, der Horrorfilm "Cronos" (1993), wurde mehrfach preisgekürt, das Fantasy-Drama "Pan's Labyrinth" (2006) mit drei Oscars gekrönt. Bei "Manolo und das Buch des Lebens" fungiert er lediglich als Produzent, doch seine Handschrift ist auch bei diesem Animationsfilm erkennbar. Das ist gewollt: Regisseur Jorge G. Gutierrez selbst hatte seinen Landsmann del Toro ins Boot geholt.

Der Film beginnt in einem Museum, wo eine mysteriöse Frau namens Mary Beth einer Gruppe lustloser Kids eine Geschichte erzählt, die im mexikanischen San Angel spielt. Es geht darin um die Liebe zweier Freunde, Manolo und Joaquin, die beide dasselbe Mädchen namens Maria verehren. Doch die Angebetete muss fort, ins ferne Europa, wo sie Disziplin und Ordnung lernen soll. Erst als junge Frau kehrt sie in ihre Heimat zurück.

Der feinfühlige Manolo ist inzwischen auf Wunsch seines Vaters Stierkämpfer geworden, dabei macht er viel lieber Musik. Sein Freund Joaquin, der ein hochdekorierter General ist und den Ort vor Banden schützt, geriert sich hingegen als Lokalmatador. Beide buhlen wieder um die Gunst von Maria, die überaus selbstbewusst und mit feministischen Zügen dem Hahnenkampf beiwohnt. Doch keiner weiß, dass bei dem Kampf um die große Liebe zwei exaltierte Götter-Geister aus dem Totenreich ihre Finger im Spiel haben und für allerlei Unruhe sorgen werden ...

"Manolo und das Buch des Lebens" ist wahrlich ein schrilles Vergnügen: Die Filmemacher inszenieren lustvoll ein mexikanisches Märchen, in dem es farbenprächtig und actionreich zur Sache geht. Die Liebesgeschichte ist dabei nur ein Aspekt, denn zugleich greift Regisseur Gutierrez Traditionen seiner Heimat auf und erzählt vom Tag der Toten, an dem man der Verstorbenen gedenkt, die hier im filmischen Jenseits ein fantastisches Leben führen. Bei all seiner Begeisterung für Folklore, Volkskunst und große Emotionen schießt Gutierrez zwar etwas über das Ziel hinaus. Und doch besticht sein überladener Film mit einer unbändigen Fantasie hinsichtlich Design und Ästhetik, besonders ungewöhnlich ist der originelle Holzpuppen-Look der Filmfiguren.

Eigenwillig ist auch der Soundtrack, für den Pophits wie "Creep" von Radiohead oder Rod Stewarts "Do You Think I'm Sexy" als Mariachi-Versionen euphorisch neu interpretiert wurden. Angesichts eines solchen audiovisuellen Feuerwerks weiß man im Kino gar nicht recht, wie einem geschieht: So eindrucksvoll und überdreht ist dieser sympathische Animationsfilm, dessen Look ähnlich unvergesslich sein dürfte wie die Verstorbenen Mexikos, derer man am Tag der Toten gedenkt. Kinder am Rande des Freigabealters (ab sechs Jahren) dürften bei diesem Kinostück jedoch etwas überfordert sein.

Quelle: teleschau - der mediendienst