Fifty Shades of Grey

Fifty Shades of Grey





Unterwirf Dich, Baby!

Was soll man davon halten? Hauptdarstellerin Dakota Johnson will nicht, dass ihre Familie "Fifty Shades of Grey" ansieht: wegen der 20 Filmminuten mit Sexszenen. Dass nackte Haut und SM-Rollenspiele Bestandteil der Bestsellerverfilmung sein würden, ist aber keine Überraschung: Auch Dakota Johnson dürfte bekannt gewesen sein, dass die Romanvorlage von E. L. James im Kern ein Softporno ist. Und nun sollen ihre Eltern den Film nicht sehen? Wegen ein paar Nacktszenen? Allerdings müssen sich Don Johnson und Melanie Griffith keine Sorgen machen: Die sogenannte Erotik ist in "Fifty Shades of Grey" äußerst züchtig inszeniert. Und ein bisschen schwülstig. Und ein bisschen langweilig. Womit auch schon der gesamte Film beschrieben ist.

Den Titel der am sehnlichsten erwarteten Romanverfilmung 2015 hat "Fifty Shades of Grey" schon lange sicher. Der Trailer brach im Internet alle Klickrekorde, der Film darf sogar auf der Berlinale Premiere feiern. Das Festival steht in diesem Jahr ganz im Zeichen von starken Frauen. Die sucht man in "50 Shades" allerdings vergeblich.

Hier steht die schüchterne Studentin Anastasia Steele (Dakota Johnson) im Mittelpunkt. Millionen Leser in aller Welt verfolgten in der Romantrilogie von E. L. James, wie sie sich auf eine Affäre mit dem jungen Millionär Christian Grey (Jamie Dornan) einlässt. Bondage, SM, Dominanz: Der erotische Teil ihrer Beziehung wird von den besonderen Vorlieben des Unternehmers geprägt, dem die unterwürfige Bewunderung Anas sehr zupass kommt. Die in jeder Hinsicht hingebungsvolle Frau bekommt in seiner Gegenwart nicht nur weiche Knie, sondern verliert auch die Kontrolle über andere Körperteile.

Regie führte Sam Taylor-Johnson, die als Regisseurin des John-Lennon-Biopics "Nowhere Boy" einen guten Ruf genießt und vom Studio beauftragt war, die Beziehung von Christian und Anastasia anmutig zu inszenieren und mit Leben zu füllen. Über die Anmut der Inszenierung lässt sich streiten. Die Bilder sind ohne Frage schick und von nötigem Glanz, die Panoramen Seattles, die Blicke aus Hubschrauber und Segelflugzeug von Postkarten-Eleganz. Die Kamera liebt die hübschen und gut gebauten Hauptdarsteller, erkundet (züchtig!) ihre geschmeidigen Körper und ihre leider etwas ausdrucksarmen Gesichter.

Dakota Johnson schaut gerne wie ein Reh ins Schweinwerferlicht, nicht ohne sich öfter mal auf die Lippen zu beißen. Das soll Mr. Grey heiß machen, was man Jamie Dorman aber nicht ansieht. Der blickt einfach nur ernst oder traurig drein und runzelt dabei die Stirn. Es knistert einfach nicht zwischen den beiden, wodurch ihre Beziehung auch recht leblos bleibt. Nicht nur in dieser Hinsicht ist Sam Taylor-Johnson gescheitert, sie schafft es zudem nicht, eigene Akzente zu setzen.

Der Film ergibt sich der trivialen Vorlage, diesem kitschiger Arztroman mit SM-Lehrstunde. Es entstehen keine Konflikte, keine dramatischen Zuspitzungen. Selbst die Erotikszenen sind brav. Gestöhnt wird nur leise, Gefühlsausbrüche gibt es nicht. Jeder scheint mit sich selbst im Reinen zu sein. Anastasia lässt sich mit Geschenken überhäufen und fällt willfährig wie ein Backfisch in die muskulösen Arme des starken Mannes. Warum sich das kluge Mädchen selbst aufgibt, erfährt man nicht. Sie unterwirft sich ganz einfach.

Zwei Stunden lang versucht Christian sie zu überreden, einen Vertrag über sexuelle Abhängigkeit zu unterschreiben. Zwei Stunden lang staunt Anastasia über Christians Auto, über Christians Penthouse, über Christians Hubschrauber. Anastasia hofft auf die große romantische Liebe. Christian Grey hingegen will nicht lieben, mit niemandem schlafen, sondern nur ficken. Zwei Stunden lang reden die beiden in Dialogen, die aus 50-Cent-Romanen aus dem Bahnhofskiosk stammen könnten, über die unterschiedlichen Vorstellungen ihrer Beziehung, bleiben dabei oberflächlich und wiederholen sich.

Was am Ende von "50 Shades of Grey - Geheimes Verlangen" bleibt, sind schöne Menschen, schicke Autos aus Ingolstadt und eine Menge MacBooks. Den gerade angekündigten weiteren beiden Teilen der "Shades of Grey"-Trilogie ist dringend mehr Tiefgang, mehr Drama, mehr Konfliktbereitschaft zu wünschen.

Quelle: teleschau - der mediendienst