Mark Ronson

Mark Ronson





Groove und Geschichten

Man kennt Mark Ronson vor allem als Produzent: Er veredelte den Amy-Winehouse-Klassiker "Back To Black" (2006), stand bereits Größen wie Robbie Williams, Adele und Paul McCartney zur Seite. In den 90er-Jahren machte sich der gebürtige Brite in New York als Promi-DJ einen Namen, er besitzt ein breites Musikwissen und gilt als Sample-Spezialist. Nicht zuletzt ist er ein Fachmann für groovigen Pop: Mit seiner Single "Uptown Funk", einer Kollaboration mit Bruno Mars, erreichte er kürzlich erstmals gleichzeitig die Spitze der amerikanischen und britischen Charts. Für Ronson kein Grund zum Abheben, wie er im Gespräch deutlich macht. Denn seine Ambitionen sind größer: Sein neues Album überrascht mit seiner Mischung aus Funk und Soul nicht in erster Linie musikalisch, sondern durch einen prominenten Helfer: Den Großteil der Texte zu "Uptown Special" schrieb der US-Schriftsteller und Pulitzer-Preisträger Michael Chabon.

Irgendwann kam er, der Tag, an dem Mark Ronson zwangsläufig die letzte Seite von Michael Chabons Roman "Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier und Clay" aufschlug. "Damals, zu Beginn dieses Jahrtausends, legte ich fünf Nächte die Woche in HipHop-Clubs auf, ich hatte seit dem College kein Buch mehr gelesen", erinnert sich der britische Produzent und Musiker. "In dieser Geschichte allerdings verlor ich mich sofort. Zum ersten Mal in meinem Leben weinte ich, während ich ein Buch las. Die Sprache, die Charaktere - es stimmte einfach alles. Als ich schließlich die letzte Seite aufschlug, war ich todtraurig. Ich wollte diese Welt und die Charaktere einfach nicht verlassen." Mehr als ein Dutzend Mal hat Ronson den Roman seitdem gekauft und an gute Freunde verschenkt. Mit jenem Wissen im Hinterkopf macht es nur Sinn, dass er Michael Chabon bat, die Texte zu seinem neuen Album "Uptown Special" zu schreiben. Doch der Reihe nach.

Ronson, der 1975 in London geboren wurde und durch seinen Stiefvater Mick Jones - seines Zeichens Gitarrist der Band Foreigner - schon früh in Kontakt mit der Musikwelt kam, ist einer der erfolgreichsten Produzenten seiner Generation: Robbie Williams, Adele, Bruno Mars und Paul McCartney verhalf er schon zum richtigen Sound. Für die Arbeit an "Back To Black", dem Durchbruchsalbum von Amy Winehouse, bekam er einen Grammy als bester Produzent. "Alle paar Jahre bekomme ich allerdings dieses Kribbeln in den Fingern und weiß, dass es an der Zeit ist, wieder ein eigenes Album aufzunehmen", grinst Ronson. "Uptown Special" ist sein mittlerweile viertes Album - und sein bisher ambitioniertestes.

Mark Ronson hatte sich fest vorgenommen, dass die Songs inhaltlich einen gewissen Anspruch haben sollten. "Gerade was die Texte betrifft, ist Popmusik in den letzten Jahren etwas faul geworden", sagt er. "Das war früher anders. Ich denke da an Bands wie Earth, Wind & Fire oder die Pointer Sisters. Fast alle Songs hatten damals besondere Texte oder eine zweite Ebene. Ich wollte herausfinden, ob es mir gelingt, Songs mit Groove und Rhythmus zu schreiben, die gleichzeitig auch eine Geschichte erzählen."

Nachdem Ronson vor zwei Jahren bei einer Signierstunde von Michael Chabon schon kurz mit dem US-amerikanischen Schriftsteller ins Gespräch gekommen war, beschloss er kurzerhand ihm einen Brief zu schreiben und ihn zu fragen, ob er sich eine Zusammenarbeit vorstellen könnte. "Michael ist selbst großer Musikliebhaber und war deshalb sofort begeistert von der Idee", verrät Ronson. Die meisten der Texte auf "Uptown Special" stammen nun also von ihm. "Manche Texte hatte Michael schon fertig, in anderen Fällen gab ich ihm eine Melodie oder Gesangslinie, an der er sich orientierte", so Ronson weiter. "Die Songs sind alle unterschiedlich und erzählen jeweils eine Geschichte für sich."

Doch nicht nur textlich, sondern auch musikalisch hatte Ronson dieses Mal eine klare Vorstellung im Kopf. So ist "Uptown Special" hörbar von klassischem HipHop, Funk, Soul und R'n'B beeinflusst - also von genau der Musik, mit der in den Neunzigern als DJ seine Karriere begonnen hat. "Als ich mit der Arbeit an diesem Album begonnen habe, hatte ich eine Art musikalische Identitätskrise", erklärt er. "Ich wusste zunächst nicht, was für eine Platte ich machen wollte. Doch während ich auf die Alben, die ich in den letzten 15 Jahren produziert hatte, zurückblickte, wurde mir klar, dass ich immer dann am besten bin, wenn ich Musik mache, die von Black Music aus den Siebzigern, Achtzigern und Neunzigern beeinflusst ist."

All das ist nun auf "Uptown Special" zu hören. Und nicht nur für seine Texte, auch für die Musik ging Ronson teilweise ungewöhnliche Wege. Etwa um eine Stimme für den Song "I Can't Lose" zu finden, die er schließlich in Keyone Starr beim Besuch eines Gospelchors in Jackson, Mississippi, entdeckte. "Mein Songwriting-Partner Jeff Bhasker und ich hatten für diesen Song eine divenhafte Frauenstimme im Kopf", erinnert sich Ronson. "Wir zerbrachen uns den Kopf, wo wir sie finden könnten, bis Jeff eines Nachts nach ein paar Bier meinte, wir müssten einfach ins Auto steigen und in den tiefsten Süden fahren, weil es dort so viele junge Talente gebe. Wir buchten also einen Flug nach New Orleans, mieteten uns einen Van und fuhren nach Mississippi. In dem Moment, in dem wir Keyone das erste Mal hörten, wussten wir, dass sie die Richtige ist."

Richtig hat Ronson überhaupt vieles gemacht. "Uptown Special" ist nicht nur sein bisher ambitioniertestes, sondern verspricht dank der Hitsingle auch sein erfolgreichstes Album zu werden. Eigentlich ein Grund zum Feiern? "Ich finde es ja gefährlich, wenn man zu viel Wert auf so etwas legt", sagt er ganz bescheiden. "Natürlich genieße ich den Erfolg, aber das ändert auch nichts am Leben. Als mein Manager anrief, um mir zu sagen, dass die Single auf Platz eins gegangen ist, musste ich nach dem Auflegen trotzdem mein Abendessen weiter kochen. Denn nur weil man die Billboard-Charts anführt, kocht sich der Fisch nicht plötzlich von alleine!"

Quelle: teleschau - der mediendienst