Guten Tag, Ramón

Guten Tag, Ramón





In einer besseren Welt

Die Welt ist aus dem Lot geraten, Bürgerkriege und Terror allerorten machen Menschen zu Flüchtlingen, die ihre Heimat verlassen müssen, um zu überleben. Die Wege dieser Menschen sind vielfältig, nicht selten enden sie tragisch. Die Hoffnung auf ein besseres Leben in der Fremde, von der sie keine Vorstellung haben, erstickt oft in dem Moment, in dem sie das Land erreichen, das ihnen Zuhause sein soll und die Heimat doch nur schwer ersetzen kann. Der Filmemacher Jorge Ramírez-Suárez widmet sich in seinem neuen Film "Guten Tag, Ramón" dieser Problematik und erzählt, basierend auf eigenen Erfahrungen, vom Schicksal eines mexikanischen Teenagers, der nach Deutschland auswandern will.

Ramón (Kristyan Ferrer aus dem großartigen Drama "Sin Nombre", 2009) ist ein Junge aus einfachen Verhältnissen, mit seiner alleinerziehenden Mutter (Arcelia Ramírez) und der kranken Großmutter (Adriana Barraza) lebt er in einem kleinen Dorf. In seiner von Korruption geplagten Heimat hat Ramón, abgesehen von einer kriminellen Karriere, keine Perspektiven, weshalb er schon mehrmals versucht hat, illegal über die Grenze in die USA zu gelangen. Doch jedes Mal ist er bisher gescheitert. Bei seinem letzten Versuch war er der einzige Überlebende, den man aus dem Lkw holte. Als ihm sein Freund Güero (Héctor Kotsifakis) von einer Tante erzählt, die in Deutschland zu Wohlstand gekommen ist, bricht Ramon wild entschlossen auf, im segensreichen Ausland sein Glück zu finden - im Gepäck die naive Hoffnung auf ein besseres Leben.

Doch als er mitten im deutschen Winter am Frankfurter Flughafen ankommt, ohne Unterkunft und gültige Papiere, ist er schnell um einige Illusionen ärmer. Dennoch gelingt es ihm, sich nach Wiesbaden durchzuschlagen, wo Güeros Tante leben soll. Doch die ist schon lange nicht mehr da. Allein und auf sich gestellt, ohne Habe und Bleibe und das nötige Geld, um zurück nach Mexiko zu fliegen, steht Ramón vor der bisher größten Herausforderung seines Lebens. Erst durch die Begegnung mit der rührenden Ruth (Ingeborg Schöner), einer 80-jährigen empathischen Dame, die ihn als Botenjungen engagiert, verbessert sich seine Situation. Erst recht, als er auch noch Ruths Freunden zur Hand gehen kann, die ihm das fremde Land allmählich näher bringen.

So ist "Guten Tag, Ramón" eine sympathische, feinfühlige Tragikomödie, eine ernste und doch hoffnungsfrohe Geschichte über den Wert von Freundschaft und Nächstenliebe. Es gehört zu den schönsten Szenen im Film, wenn Ramón seinen pensionierten Freunden Tanzunterricht gibt oder in seinem bescheidenen Kellerdomizil gutgelaunt Tacos macht. In diesen Momenten entfaltet der Film eine Leichtigkeit, wie das Kino sie liebt. Schön ist auch die dargestellte Utopie einer sich über Generationen und Kulturen hinweg setzenden gegenseitigen Verständigung und Toleranz.

Kristyan Ferrer spielt in dieser internationalen Koproduktion seine erste Hauptrolle, nicht ganz überzeugend vielleicht, was aber auch der Tatsache geschuldet ist, dass er ja als Mexikaner ohne Deutschkenntnisse schnell an die Grenzen der Verständigung gerät und oft nur ein irritierter Gesichtsausdruck reichen muss. Auffällig ist auch der inflationäre Einsatz von Musik. Gefühle, gerade die großen, vermitteln sich auch ohne plakative Untermalung.

Quelle: teleschau - der mediendienst