Blackhat

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Digitale Schurken, analog gejagt

Eine unscheinbare Abweichung im Programmier-Code - und das katastrophale Verbrechen ist perfekt. Regie-Veteran Michael Mann ("Der letzte Mohikaner", "Heat", "Collateral") hat sich auf seine alten Tage noch einmal in die perfiden Spielarten des Cyber-Terrorismus eingearbeitet. In seinem neuen, wie für den Filmemacher (71) üblich überlangen Actionthriller "Blackhat" schleust ein Verbrecher das titelgebende teuflische Schad-Programm zunächst ins Kontrollsystem eines Atom-Reaktors ein, dann manipuliert er die Lebensmittelbörse in Chicago. Stoppen kann den skrupellosen Hacker, für den Menschenleben nichts zählen, offenbar nur ein Meister-Programmierer: Doch Nicolas Hathaway (Chris Hemsworth) sitzt sicher hinter Gittern. Widerwillig lässt ihn das FBI in den Kampf ziehen. Herauskommt eine wilde Hatz, die immer nur dann überzeugt, wenn echte Knarren und keine Computer-Mäuse zum Einsatz kommen.

Es ist ein Szenario, das wirklich Angst machen kann - vor allem vor dem Hintergrund eines Cyber-War-Wettrüstens zwischen den USA und Nordkorea. Das Scharmützel um die digitalen Hacks und sehr realen Drohungen rund um den Kinostart der umstrittenen Satire "The Interview" haben dem "Blackhat"-Projekt eine brisante Aktualität gegeben. Dennoch wissen Kenner, wie schwer es ist, bisweilen ziemlich nerdige und hochkomplexe Computer-Zusammenhänge für die große Kinoleinwand ansprechend zu gestalten. Was man aus der Welt der berühmten "Einsen und Nullen" nicht wirklich zeigen kann, wird häufig symbolhaft durch rauschende Zahlen-Kolonnen oder futuristisch wirkende Fantasiewelten wiedergegeben.

Auch Michael Mann wählt für die Eingangszene, in der es zum Super-GAU kommt, das beliebte Bild von flackernden Schaltreihen und einzelnen Blinklichtern im Inneren eines Rechners. Zum Glück hält sich der Film nicht allzu lange im staubfreien Gehäuse von Computern auf. Immerhin gilt es, die Welt zu retten. Und das gelingt ja meistens doch am Effektivsten auf die altmodische Knochenbrecher-Methode im Kugelhagel.

Physiognomisch spiegelt allein schon der wuchtig-muskulöse Körper des Filmhelden Hathaway die zwei Seiten dieses ambitionierten, aber letztlich doch enttäuschenden Thrillers: Das inhaftierte Computer-Genie sieht aus wie ein derber Schläger - und er kann auch ordentlich hinlangen. Trotzdem gelingt es ihm, seine Finger mit filigraner Eleganz und der Hacker-üblichen Hochgeschwindigkeit über die Tasten tanzen zu lassen. So bohrt er sich eben mal ins NSA-Rechnerherz, verschafft sich digitale Schutz-Identitäten, narrt seine FBI-Bewacher - und überweist sich Vermögenswerte. Die allerdings für den guten Zweck - den Kampf gegen den lange unsichtbaren Über-Schurken.

Noch kurioser als das prügelnde Genie ist das Team, in dem der Hacker-Saulus, der nun ein Cyberpolizei-Paulus ist, arbeiten soll: Angefordert wurde Hathaway von einem ehemaligen Elite-Uni-Kollegen. Nur dass der mittlerweile hoher Offizier der Chinesen ist. Bekanntlich ist das keine der Nationen, mit denen die US-Offiziellen gerne Staatsgeheimnisse austauschen. Doch Not ist am Mann: Also reist Hathaway, unterstützt unter anderem durch die liebenswerte China-Hackerin Chen Lien (Wei Tang), der Schwester seines offiziellen Fürsprechers Chen Dawai (Lee-Hom Wang), nach Hongkong. Dort hoffen sie, den Großgangster modernster Prägung stellen zu können.

Wer bis dahin unruhig auf dem Kinosessel herumrutschte, darf sich in den engen Hochhausschluchten der Millionenmetropole endlich auf klassisches Michael-Mann-Adrenalin-Handwerk freuen: In Hongkong fliegen die Kugeln in einer furiosen Action-Choreografie, wie man sie bei Asien-Stars wie Regisseur John Woo lieben gelernt hat. Geradezu atemberaubend, wenn auch grotesk überzeichnet ist ein Showdown, den Mann mitten in eine pulsierende Menschenmenge in Jakarta verlegt hat. Blutspritzer bewegen eben doch mehr als Bits und Bytes. Und mit lauten Krach-Effekten kann man gelegentlich übertönen, dass es aus den oft weit aufklaffenden Drehbuch-Löchern doch sehr dumpf hallt.

Quelle: teleschau - der mediendienst