The Interview

The Interview





Attentäter ohne Sprengkraft

Alles nur ein Missverständnis? Nach einer Reihe von Drohungen versprach Nordkorea zuletzt eine "gnadenlose Bestrafung" der Berlinale, sollte "The Interview" im Rahmen des Filmfestivals gezeigt werden - obwohl die Komödie dort gar nicht auf dem Programm steht. Dieser Irrtum konnte zwar friedlich aus der Welt geschafft werden, der diplomatische Vorfall machte die Fronten jedoch erneut deutlich: Nordkorea betrachtet den Film, in dem Talkshow-Moderator Dave Skylark (James Franco) und sein Produzent Aaron Rapaport (Seth Rogen) im Rahmen eines Interviewtermins den herrschenden Machthaber Kim Jong-Un (Randall Park) umbringen sollen, als "feindliche Aktion" und "Verletzung seiner Souveränität". Die westliche Welt hingegen feiert den (zwischenzeitlich abgesagten) Kinostart der Komödie als Sieg der künstlerischen Freiheit. Beide Seiten schenken dem Film damit eine Aufmerksamkeit, die "The Interview" nicht unbedingt verdient hat.

Natürlich steht außer Frage, dass die Reaktionen Nordkoreas in keinster Weise zu tolerieren sind. Auch wenn bis heute kein echter Beweis dafür vorliegt, dass das Land, das "die Produktion und den Vertrieb" des Films als "Förderung des Terrorismus" und "Kriegsakt" bezeichnete, tatsächlich hinter den - glücklicherweise leeren - Ankündigungen steckte: Durch den Angriff der vermeintlich nordkoreanischen Hackergruppe "Guardians Of Peace" auf die Rechner von Sony Pictures, durch ihre unverhohlene Drohung mit Terroranschlägen auf Kinobetreiber, die "The Interview" zeigen wollten, erlangte der Film ungeahnte politische Sprengkraft. Sogar US-Präsident Barack Obama meldete sich zu Wort. Als der Film zunächst von Filmstudio zurückgezogen wurde, sprach er von einem Fehler. Er empfahl, sich nicht einschüchtern zu lassen, den Film zu zeigen und outete sich sogar als Fan der beiden Hauptdarsteller Franco und Rogen.

Doch das Präsidenten-Machtwort, die prominente Fürsprache, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Komödie weder als politischer Aufreger noch als satirisches Meisterwerk taugt. Dazu ist "The Interview" zu harmlos in seinen vermeintlich bissigen Pointen, zu ausgewogen in seiner Kritik - und teilweise schlichtweg zu platt. Sicher: Die Entscheidung von Seth Rogen und Evan Goldberg ("This Is The End"), die für Regie und Story verantwortlich zeichneten, mit Kim Jong-un keinen fiktiven, sondern den real existierenden Machthaber Nordkoreas zum Ziel eines geplanten Attentats zu machen, kann man kontrovers diskutieren. Wirklich ernst nehmen muss man diese "Bedrohung" jedoch nicht.

Denn noch bevor die beiden Fernsehmacher sich auf Einladung von Kim Jong-un, der sich als Fan ihrer Promiklatsch-Talkshow outet, für ein Exklusiv-Interview auf die Reise nach Nordkorea begeben und im Zuge dessen von CIA-Agentin Lacey (Lizzy Caplan) rekrutiert werden, dürfen sie sich selbst diskreditieren. Moderator Dave tritt als selbstverliebter und ignoranter Schnösel auf, sein Produzent Aaron als verhinderter seriöser Journalist - und beide zusammen als beste Kumpel, die keinen noch so albernen Pennäler-Scherz auslassen. Ihr potenzielles Opfer hingegen wird nicht als Witzfigur gezeichnet. Kim Jong-un offenbart sich als charismatischer, intelligenter und zuvorkommender Gastgeber, aber auch als kühler und unberechenbarer Führer mit Vaterkomplex.

Wirklich weh tut "The Interview" damit niemand. Schmerzhaft vorhersehbar sind höchstens einige Gags. Nachdem das Gift-Pflaster, mit dem die beiden Möchtegern-Attentäter den Machthaber töten sollen, in die falschen Hände geraten ist, schickt die CIA per Minirakete Ersatz in einer etwa gurkengroßen Kapsel. Wo an, oder genauer, in seinem Körper Aaron jene angesichts der nahenden nordkoreanischen Wachen versteckt, dürfte klar sein. Auf diese - nicht immer so platte - Art und Weise kalauern sich Rogen und Franco durch einen Film, die in keiner Lesart wirklich überzeugt.

In seiner Medienkritik ist er amüsant, aber harmlos. Als politische Satire, in der mal dezent amerikanische Interventionspolitik kritisiert, dann wieder angesichts eines barbarischen Herrschers gerechtfertigt wird, nicht konsequent. Nur überdrehte Agenten-wider-Willen-Klamotte will die Komödie aber eben auch nicht sein. So ist "The Interview" vor allem eines: ein einigermaßen unterhaltsames, aber auch unbeabsichtigtes Missverständnis.

Quelle: teleschau - der mediendienst