Emma Stone

Emma Stone





Frei wie ein Vogel

Emma Stone setzt sich an den Tisch. Als der Hotelpage ihre Getränkeorder bringt, ruft sie erfreut: "Oh, da kommt mein Scotch!" Im Whiskeyglas befindet sich zwar nur Eistee, aber eigentlich würde der rauchige Drink gut zu Emma Stone passen. Irgendwie muss sie sich ihre dunkle Stimme und die herrlich dreckige Lache ja erarbeitet haben. Auch in ihrem neuen Film "Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)" (Start: 29.1.) sieht Emma Stone zuweilen grinsend dem irren Treiben ihrer Gefährten zu. Als Sam, Tochter und Assistentin von Theaterregisseur Riggan Thomson (Michael Keaton), navigiert sie durch einen Mikrokosmos von Exzentrikern, Möchtegernkünstlern und anderweitig Durchgeknallten, zu denen auch der eigene Vater gehört. Das macht sie derart überzeugend, dass die 26-Jährige für einen Oscar als beste Nebendarstellerin nominiert wurde.

teleschau: Die Ironie, mit der Regisseur Alejandro González Iñárritu die New Yorker Theaterwelt in "Birdman" porträtiert, ist bitterböse ...

Emma Stone: Echt jetzt? Sie behaupten, das sei alles gar nicht ernst gemeint?! Warum sagt mir das keiner vor dem Dreh! Im Ernst: Wir haben das Skript nicht großartig diskutiert, wir haben einfach nur Tränen gelacht. Es war genial bissig. Und Alejandro hat für diesen Film interessante Leute zusammen gebracht. Ich meine Edward Norton, Naomi Watts, Andrea Riseborough, Amy Wyatt: Es ist einfach eine Wahnsinnsbesetzung.

teleschau: Allen voran Michael Keaton. Waren Sie als Kind Fan seines "Batman"?

Stone: Ich kann mir niemand anderen als Michael Keaton in dieser Rolle vorstellen - weder als "Batman" noch als "Birdman" (lacht). Ich bin mit Michael Keaton als Batman aufgewachsen. Na, ja, vielleicht war ich persönlich mehr der "Beetlejuice" als der "Batman"-Typ.

teleschau: Erst Woody Allen, jetzt Alejandro González Iñárritu. Wollen Sie weg vom Popcornkino der großen Studios oder ist das eine vorübergehende Phase?

Stone: Fragen Sie mich etwas Leichteres! Man weiß nie, wo man in seinem Leben landet. Mein erster Film war 2007 "Superbad" für Sony. Dann habe ich für dieses Studio einen Haufen Filme gedreht. Und jetzt bin ich auf wundersame Weise in den Independent-Film-Bereich geraten, und diese Filme sind zugegebenermaßen anders.

teleschau: Inwiefern?

Stone: Man teilt ein gemeinsames Ziel, nämlich eine Geschichte gemeinsam bestmöglich zu erzählen. Bei einer Großproduktion gibt es zwar auch Leute, die idealistische, künstlerische Ziele verfolgen. Aber es gibt eben auch andere, die bei einem Großprojekt hauptsächlich deshalb dabei sind, weil sie eine bestimmte Menge Geld verdienen, ihren Familien den Lebensstandard sichern wollen, oder sonst etwas.

teleschau: Ihre Filmfigur Sam zweifelt zuweilen an sich, glaubt, wenig Bedeutsames zustande zu bringen. Ist sie ein typisches Exemplar der US-Jugend?

Stone: Ich finde eher, dass sich ziemlich viele Jugendliche heutzutage für "etwas Bedeutsames bestimmt" halten. Wobei die Bestimmung darin liegt, dass es ihnen doch bitte in den Schoß fallen möge. Und alles, was man darüber vielleicht wissen müsste, kann man ja googeln und seine Erkenntnisse dann auf Facebook teilen und meint dann, das sei der Stein der Weisen. Ich kenne zwar auch Jugendliche, die hart arbeiten. Aber eben auch solche, die glauben, es müsste ihnen alles zufliegen. Die wollen sich nicht hocharbeiten, als Praktikant anfangen und dann durch Leistung aufsteigen. Die wollen gleich als Manager eingestellt werden.

teleschau: Warum nicht, wenn man schon so viele "Likes" von Facebook-Freunden hat, dann muss man doch ganz toll sein, oder nicht?

Stone: Man wird auf jeden Fall süchtig nach ihrer Bestätigung. Wenn man sein Smartphone in der Hand hält und damit mal eben "Hi" zu 50 Leuten sagt, dann suggeriert das Gesellschaft. Und daran gewöhnt man sich sehr schnell und muss dann andauernd neu stimuliert werden.

teleschau: Wenn Sie selber Kinder hätten, wie würden Sie das verhindern wollen?

Stone: Ich habe keine Ahnung. Ich beneide die Eltern von Teenagern nicht. Das ist eine echt schwere Aufgabe, sie durch die Pubertät zu bringen und ihnen die richtigen Werte zu vermitteln.

Quelle: teleschau - der mediendienst