Viola & Florian Weiss

Viola & Florian Weiss





"Er ist Bauch, ich bin Kopf!"

Wenn die kleine Schwester denselben Beruf ergreift, wie man selbst, könnte das von so manchem großen Bruder argwöhnisch betrachtet werden - vor allem, wenn sie die Sportnachrichten moderiert. Doch der Radiomoderator Florian Weiss (präsentiert montags bis donnerstags, 15 bis 20 Uhr, und freitag, von 14 bis19 Uhr, die "Stefan Meixner Show" auf Antenne Bayern) gab seiner Schwester Viola stattdessen gute Tipps für den Einstieg. Die Geschwister Weiss teilten sich sogar vier Jahre eine Wohnung in München - und das, obwohl die heute 35-Jährige ihm während ihrer Kindheit in ihrer Heimatstadt Ulm eine Anstecknadel in den Hintern piekste und der drei Jahre ältere Bruder ihr im Gegenzug einen Tritt mit Folgen verpasste. Der Geschwisterliebe tat das alles keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: Der offizielle "Besserwisser" (Florian moderiert diese Rubrik immer dienstags, ab 9.05 Uhr, bei der ZDF-Show "Volle Kanne") und die zielstrebige Viola (moderiert montags bis freitags, 9 bis 13 Uhr, die Vormittagsshow bei Radio Gong und an zehn Tagen im Monat die Sky "Sport News HD") ergänzen sich perfekt und würden, sagen sie, sogar heute noch in einem Bett schlafen.

teleschau: Was ist das Tolle daran, einen Bruder oder eine Schwester zu haben?

Viola Weiss: Wenn man als Frau einen Bruder und als Mann eine Schwester hat, kann man sich über geschlechterspezifischen Dinge austauschen.

Florian Weiss: Ja, man bekommt Zugang zu Informationen, die dir normalerweise als Mann verschlossen bleiben. Man wird ja wie ein Neutrum behandelt, wenn man als Bruder einem Frauengespräch beiwohnt. Davon habe ich unheimlich profitiert. Und man kann seine Schwester Sachen fragen, die man sonst keine Frau fragen kann. Ein klarer Vorteil schwesterlosen Männern gegenüber, schließlich wissen wir alle, wie schwierig es zwischen Frauen und Männern ist ...

teleschau: Man merkt, ob jemand mit Geschwistern großgeworden ist?

Viola: Ja, unheimlich. Die vier Jahre, die wir auch als Erwachsene zusammen in einer WG lebten, haben uns geprägt. Es gab da eine klare Regelung: Er musste 200 Euro mehr Miete zahlen - ich war ja damals noch Studentin, und er hat Vollzeit gearbeitet. Ich habe dafür geputzt und die Wäsche gewaschen. Die Wohnung war immer piccobello sauber. Aber es fängt schon mit den Handtüchern an: Männer legen da keinen Wert drauf, wie sie aufgehängt werden oder ob sie trocknen. Es war quasi die Generalprobe. Ich habe viel mitgenommen aus der Zeit.

Flo: Ich auch. Vor allem habe ich gelernt, wie man Handtücher richtig hinhängt (lacht).

teleschau: Gleich zwei Journalisten in einer Familie - wie kam es dazu?

Flo: Ein durchschnittliches Kind stellt am Tag 400 Fragen - bei mir waren es 800. Meine Berufung kristallisierte sich bereits früh heraus. Nach dem Zivildienst wollte ich aber eigentlich Medizin studieren. Doch mit einem NC von 3,4 merkte ich, dass ich wohl irgendetwas anderes machen muss. Da ich bereits für die Schülerzeitung geschrieben und für einen Plattenladen gearbeitet hatte, dachte ich mir: Radiojournalismus ist doch die perfekte Mischung.

Viola: Ich wusste auch nicht sofort, dass ich beim Radio arbeiten will. Ich war sechs Jahre weg von der Bildfläche: Ich habe im Olympiastützpunkt Schmieden-Stuttgart Leistungssport gemacht - rhythmische Sportgymnastik. Nach dem Abitur hatte ich mich in Köln für den Studiengang Sportökonomie beworben, aber dann wurde meine Oma zum Pflegefall, und ich habe sie ein Jahr gemeinsam mit meiner Mama gepflegt. Danach wurde mir via ZVS ein Studienplatz in München zugeteilt - für BWL.

teleschau: Dort kreuzten sich dann Ihre Wege wieder. Sie beide begannen journalistische Karrieren.

Florian: Genau. Ich hatte vorher bei einem Radiosender in Ulm gearbeitet. Zuerst wollten die mich nicht. Erst als ich ihnen einen langen Brief schrieb, in dem ich erklärte, warum ich Radiojournalist werden möchte, haben sie mich eingestellt. Nach einem Jahr in Ulm ging ich zu Antenne Bayern in München, wo ich mein Volontariat machte. Dann kam sie ...

Viola: Als ich hier hinzog, war Flo bereits zwei Jahre bei Antenne Bayern. Während ich drei Semester lang an der LMU studierte, habe ich ihn öfter mal bei Veranstaltungen besucht und dabei gedacht: "Man bekommt Geld dafür, dass man stundenlang auf der Bühne herumhüpft und Spaß hat ...!?" Das fand ich ziemlich cool und habe mich dann in meinen Semesterferien um ein Praktikum beworben - beim Lokalsender Gong. Der erste Praktikumstag hat mein Leben verändert. Ich durfte direkt Carlos Santana interviewen.

teleschau: Gab es nie Konkurrenzdenken zwischen den Geschwistern Weiss?

Viola: Ganz im Gegenteil. Wir haben sogar die ersten vier Jahre zusammengelebt in einer Bruder-Schwester-Radio-WG. Währenddessen haben sich die Sendezeiten überschnitten, sodass wir gegeneinander sendeten. Wir sahen uns nie als Konkurrenten, denn wir sind so grundverschieden. Flo hat definitiv das größere Talent.

Flo: Und Viola hat den größeren Fleiß und Ehrgeiz. Ich bin nicht faul, aber Viola ist einfach ein sehr analytischer Kopf ...

Viola: Wir würden sogar gerne mehr zusammenarbeiten. Wir haben zum Beispiel einmal eine Gala zusammen moderiert - das hat super funktioniert. Ich bin eher die klassische Moderatorin, die sehr strukturiert und punktuell ist. Flo ist wahnsinnig kreativ, hat Witz und Charme - wir ergänzen uns perfekt und wiegen beruflich wie privat die Defizite des anderen auf.

teleschau: Beste Voraussetzungen, um eine gemeinsame Show zu moderieren!

Florian: Das ZDF hat ja jetzt Samstagabend einen freien Sendeplatz. Jede "Wetten, dass ..?"-Sendung hat über zwei Millionen Euro gekostet - das Geld könnten sie jetzt in unser Showkonzept investieren (lacht).

teleschau: Viola ist in die Männerdomäne Fußball vorgedrungen. Florian, haben Sie sich da niemals gedacht: Moment mal, das wäre doch eher was für den großen Bruder?

Flo: Nein! Gottseidank macht sie das. Sie ist Leistungssportlerin und Fußballfanatikerin. Die kannst du nachts um drei wecken und nach einer Transfersumme von einem Chelsea-Spieler fragen. Die spuckt sie dir sofort aus. Das ist und bleibt Violas Homebase. Wenn ich eine Fußballfrage habe, rufe ich sie an.

teleschau: Bei Sky treten Sie sehr taff auf - geht das als Frau in einer Männerdomäne nicht anders?

Viola: Man muss taff sein. Bereits das Casting war hart und brachte selbst gestandene Moderatoren mit 20 Jahren Live-Erfahrung ins Schwitzen. Bei Sky sitzen tolle Leute, die alle ein Studium, Moderationserfahrung und Leistungssportvergangenheit haben. Mein Weg war lang. Es hat zehn Jahre gedauert, bis ich überhaupt zu dem Casting gekommen bin. Ich habe im Regen fremden Menschen mit dem Aufnahmegerät Antworten aus der Nase gezogen, Baumarkteröffnungen moderiert und über Jahre jedes Wochenende im Olympiastadion verbracht und die Spieler der Bayern und der Löwen interviewt. Es war also ein unglamouröser Weg. Als ich zu Sky kam, dachte ich: "Super, König Fußball - da bin ich auf der sicheren Seite!" Aber wir berichten auch über Sportarten, mit denen ich mich bis dahin nicht auskannte. Bei Journalisten ist das Wissen oft so breit wie ein See und so tief wie eine Pfütze. Da muss man sich, wenn man mal auf dem Schlauch steht, gut verkaufen können.

teleschau: Vor allem kann bei einer Live-Moderation nichts rausgeschnitten werden.

Viola: Genau. Mein persönliches Fettnäpfchen-Highlight hatte ich vor eineinhalb Jahren als ich zur Prime-Time, um 19.30 Uhr, bei Sky auf Sendung ging und gesagt habe: "Herzlich Willkommen bei Gong 96.3!"

teleschau: Welches Medium mögen Sie lieber: Fernsehen oder Radio?

Florian: Das Tolle am Radio im Gegensatz zum Fernsehen ist: Gute Sachen kosten nichts! Im Radio hast du eine Idee, machst das Mikrophon auf und fängst an. Das ist der Charme des Radios. Es ist immer noch das schnellste Medium. Schneller als Fernsehen, Facebook, Twitter und Co.

Viola: Bei mir war es Liebe auf dem ersten Blick und ich habe noch heute eine große Leidenschaft für dieses Medium. Ich kann mich nicht davon trennen und mache deshalb weiterhin den Spagat zwischen TV und Radio.

teleschau: Wann schlafen Sie eigentlich bei all der Arbeit?

Florian: Gar nicht! (lacht)

Viola: Wenn man einer berufstätigen Mutter von drei Kindern von meinem Pensum erzählt, dann lacht sie. Das ist alles eine Frage der Organisation. Ich mache 20 Tage Gong und zehn Tage Sky. Events moderiere ich auch noch mit Leidenschaft. Manche Tage sind zwar sehr anstrengend, aber ich wollte es nicht anders. Deshalb werde ich mich nicht beschweren. Es ist keine Selbstverständlichkeit, in diesem Business so ausgelastet zu sein.

Florian: Wir müssen teilweise Jobangebote absagen. Das ist totaler Luxus. Die Branche ist einfach sexy - da wollen ganz viele Leute arbeiten. Da wird man auch relativ schnell ersetzt und muss am Ball bleiben.

teleschau: Ist die Schnelllebigkeit der Branche und die Angst, ausgetauscht zu werden, ein Grund, noch keine Kinder zu haben?

Viola: Da ich jetzt 35 Jahre alt bin, muss ich mich mit dem Thema auseinandersetzen. Natürlich möchte ich eine Familie gründen, aber die Opfer, die eine Frau bringen muss, sind einfach riesengroß. Wir haben leider immer noch schwierige Strukturen, um Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen. Bisher war das für mich noch kein großes Thema, da ich keinen Mann an meiner Seite hatte, mit dem ich mir das vorstellen konnte. Aber das hat sich jetzt geändert: Seit Ostern bin ich frisch verliebt und sehr glücklich. Ich kann mir Familie mit ihm mehr denn je vorstellen.

teleschau: Als Frau muss man sich irgendwann bewusst entscheiden und einen Karriereknick in Kauf nehmen, richtig?

Viola: Ja, das ist die große biologische Ungerechtigkeit. Es bringt natürlich auch schöne Seiten mit sich. Aber gerade als Moderatorin im Fernsehen frage ich mich, wie es mit einem Baby weitergehen könnte.

Florian: Wobei man fairerweise sagen muss, dass es in unserem Business im Vergleich zu manch anderem noch eher möglich ist, zweigleisig zu fahren und Mutter und Moderatorin zu sein. Wir Männer können uns das ja gar nicht vorstellen. Wenn ich mir ausmale, morgen würde mir einer sagen: "Mach mal drei Jahre Pause und kümmere dich nur noch um dein Kind!" Pfff! Man spuckt dann vielleicht große Töne und sagt: "Klar, würde ich machen!" Aber wenn es wirklich mal so weit wäre ...

teleschau: Kürzlich haben Sie für eine ZDF-Dokumentation zumindest schon mal das Vatersein geübt ...

Florian: Genau! Ich habe für vier Tage als alleinerziehender Vater auf eine Säuglingspuppe aufgepasst. Die sind vom Roten Kreuz und verhalten sich wie echte Babys. Man muss die Bedürfnisse befriedigen sonst bekommt man eine schlechte Benotung. Ich hatte am Ende 75 von 100 Prozent.

teleschau: Das Baby hat also zumindest überlebt?

Florian: Ja, es hat überlebt! (lacht) Solche Dokus mache ich am liebsten. Was für Viola Fußball ist, sind für mich TV-Dokus. Da kann ich mich ausleben. Ich habe aber zum Beispiel auch ein paarmal klassische Castings im Studio gemacht, wo man mit dem Teleprompter moderieren muss. Das kann ich gar nicht.

Viola: Ich würde nicht sagen, dass du es gar nicht kannst, aber du glänzt vielleicht in anderen Bereichen etwas mehr. Der Flo ist ein Weltverbesserer. Er ist sehr interessiert, reflektiert und schaut sich seine Umgebung ganz genau an. Er ist mutig und bereit, sich in schwierige Situationen zu begeben.

Florian: Das ist aber auch meine Achilles-Ferse. Da brauche ich dann manchmal den Rat meiner Schwester. Viola behält immer einen kühlen Kopf und kann klar denken. Wenn ich brenne, dann brauche ich sie, um den Hitzkopf abzukühlen und mich zu bremsen. Das ist im Job ähnlich: Viola bereitet ein Interview sehr akribisch und detailliert vor. Ich rieche eher intuitiv den richtigen Weg.

Viola: Er ist Bauch und ich bin Kopf!

teleschau: Es kann doch nicht immer Friede-Freude-Eierkuchen gewesen sein zwischen Ihnen?

Viola: Stimmt! Ich habe eine Narbe über meinem Auge, für die Flo verantwortlich ist.

teleschau: Wie kam es dazu?

Viola: Er hat mich getreten, sodass ich blöd gefallen und mit dem Gesicht gegen die Kante von einem Glastisch gestoßen bin.

Florian: Dafür hatte ich dann eine Nadel im Hintern! Viola hatte eine Anstecknadel auf der Couch platziert.

Viola: Trotzdem bin ich froh, einen großen Bruder zu haben. Ich würde auch kein Einzelkind in die Welt setzen. Wir merken das momentan besonders stark, weil unsere Eltern quasi wieder zu Kindern werden. Es findet ein Umbruch in der Familie statt, und wir kümmern uns auf einmal um viele Dinge. Wenn ich das jetzt alles alleine regeln müsste, würde ich einen Nervenzusammenbruch kriegen.

Florian: Es ist toll, wenn man Geschwister hat. Ich würde mir auch wünschen, dass ich mindestens zwei Kinder bekomme. Aber man weiß ja nie, ob das so klappt.

teleschau: Wie ist denn der Stand der Dinge?

Florian: Ich habe im Juni 2014 wieder geheiratet. Ich bin jetzt 38: Von mir aus könnte es sofort losgehen mit dem Nachwuchs!

Quelle: teleschau - der mediendienst