Cristina do Rego

Cristina do Rego





Vom Gewöhnen an die Strumpfhose

Cristina do Rego ist der lebende Beweis dafür, dass junge Dinger, die auf Teufel komm raus ins Fernsehen wollen, nicht zwangsläufig durchs Raster der Caster fallen müssen. Jedenfalls nicht, wenn sie neben einer gewissen Hartnäckigkeit auch das nötige Talent haben. Die Tochter eines brasilianischen Theaterschauspielers und einer deutschen Krankenschwester begann zum Entsetzen ihrer Eltern schon mit neun Jahren, sich den Medien in verschiedenen Funktionen als Unterhaltungskünstlerin anzudienen. Diese Besessenheit führte bald zu Rollen in gut beleumundeten Formaten wie "Pastewka", "Stromberg" oder "Türkisch für Anfänger". In der ebenfalls sehenswerten Krimi-Comedyserie "Unter Gaunern" (ab 27.01., dienstags, 18.50 Uhr, im Ersten) spielt die mittlerweile 28-Jährige jetzt ihre erste Hauptrolle.

teleschau: Wie kommt man als Teenie ohne Ausbildung an Rollen in "Pastewka", "Stromberg" oder "Türkisch für Anfänger"?

Cristina do Rego: Indem man vom Fernsehen besessen ist. Dass das alles richtig starke Komödienformate waren, habe ich mir früher gar nicht so klargemacht. Hauptsache Fernsehen (lacht). Oft wussten meine Eltern gar nichts davon, dass ich mich für Rollen beworben hatte. Ich schrieb auf Diddl-Maus-Blättern an RTL, dass ich zwölf Jahre alt bin und Schauspielerin werden will. Als meine Eltern davon erfuhren, haben sie sich furchtbar aufgeregt. Sie sind fast ein bisschen ausgeflippt. Ich habe das aber trotzdem weiter gemacht, und irgendwann haben sie es dann akzeptiert. Weil sie ja sahen, dass das alles von mir kommt. Dass ich das einfach unbedingt machen will

teleschau: Es war ihnen nicht klar, dass Sie ein komödiantischen Talent besitzen?

Cristina do Rego: Nein, ich habe ja nie eine Schauspielausbildung gemacht. Ich denke auch nie über Begriffe wie Timing oder so nach, auch wenn ich natürlich über die Jahre viel beim Drehen gelernt habe. Alles, was ich anfangs mitbrachte, war ein mein aufgewecktes Wesen. Auch mein Vater war ein großer Spaßmacher, von ihm habe ich das wohl. Wir haben einfach sehr viel Quatsch zusammen gemacht früher, das hat mich sehr inspiriert, glaube ich. Mit 15 Jahren hatte ich eine kleine Rolle in einem Kinofilm. Als ich 17 war, ging es nach einem Casting mit "Pastewka" los. Dann kam eine Sache nach der anderen. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, was für eine Art Schauspielerin ich sein will. Hauptsache, ich kann spielen.

teleschau: Woher kommt dieser starke Wunsch?

Cristina do Rego: Als wir noch in Brasilien lebten, arbeitete mein Vater als Theaterregisseur und Schauspieler. Durch ihn bin ich mit dieser Welt aufgewachsen und fand sie schon immer ziemlich spannend. Gleichzeitig war ich ein sehr fernsehbegeistertes Kind. Das war so ein Kosmos, da wollte ich unbedingt rein. Es gab immer viel Streit in der Familie wegen meiner Fernsehsucht, schon als wir noch in Brasilien lebten. Ich habe ja überhaupt erst mit sieben Jahren Deutsch gelernt, als wir aus Brasilien weggegangen sind. Vorher hatte meine Mutter probiert, es mir beizubringen. Es hat mich aber überhaupt nicht interessiert.

teleschau: Gibt es Erinnerungen daran, wie es war, nach Deutschland zu kommen?

Cristina do Rego: Ja, ziemlich prägnante sogar. Wir sind im Januar 1993 ins Ruhrgebiet gezogen, da war in Brasilien Hochsommer. Es war ein ziemlicher Schock. Ich erinnere mich gut daran, dass ich vieles nicht verstanden habe: kulturell und auch das viele Anziehen nicht. Eine Strumpfhose, was ist das? Warum sollte man seine Beine in so etwas reinzwängen?

teleschau: Was fanden Sie noch seltsam in Deutschland, außer Kälte und Strumpfhosen?

Cristina do Rego: Ich weiß noch, wie ich mit dem Rad zu einem Mädchen aus meiner Klasse gefahren bin. Ich hatte einfach Lust, mit ihr zu spielen. Da hat mich ihre Mutter nach Hause geschickt und geschimpft, dass man sich vorher verabreden muss, wenn man etwas zusammen machen will. Und dass das ja ziemlich dreist von mir gewesen wäre, einfach so vorbeizukommen. So etwas versteht man als Kind nicht, wenn man Deutschland vorher nicht kannte. Es war einfach ein Kulturschock. Ich habe mich dann aber langsam dran gewöhnt.

teleschau: Hat Ihnen das deutsche Fernsehen bei der Integration geholfen?

Cristina do Rego: Ganz sicher. Vor allem die "Mini Playback Show", das war genau mein Ding. Da bin ich dann als Neunjährige auch mal aufgetreten. Alles, wobei Kinder mitgemacht haben, fand ich super. "Neues vom Süderhof" war eine Lieblingsserie von mit. Mit "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" habe ich quasi Deutsch gelernt. Außerdem schaute ich viel Musikfernsehen. Meine deutsche Sozialisation habe ich sozusagen durch einen Querschnitt deutscher TV-Kultur der 90-er verabreicht bekommen.

teleschau: Haben Sie jemals drüber nachgedacht, nach Brasilien zurückzugehen?

Cristina do Rego: Na klar, immer wieder mal. Immer dann, wenn es hier gerade blöd war. Letztes Jahr verbrachte ich sogar mal drei Monate in Brasilien. Auch mit dem Gedanken, dort zu arbeiten. Es war spannend, aber danach wusste ich auch wieder, was ich an Deutschland habe.

teleschau: Erzählen Sie mal vom Arbeiten in Brasilien!

Cristina do Rego: Naja, ich habe Castings gemacht, Leute getroffen, in einer Serie hatte ich einen kleinen Auftritt. Die Fernsehbranche funktioniert dort komplett anders. Im Prinzip gibt es nur einen Fernsehkonzern. TV Globo dominiert alles. Es ist ein Riesenimperium, in das man nur ganz schwer eindringen kann. Da ist Hollywood nichts dagegen! Ich glaube, Schauspielerin in Brasilien werden zu wollen - das muss nicht sein. Es herrscht dort ein ganz anderer Druck, es auch sehr viel um Äußerlichkeiten. Die drei Monate haben mich eher abgeschreckt. Von Brasilien selbst träume ich allerdings immer noch.

teleschau: Wie äußert sich das?

Cristina do Rego: Zum Beispiel darin, dass ich mich in meiner Freizeit sehr viel mit Brasilien beschäftige. Ich lese Sachen oder höre Musik aus Brasilien. Ich war sogar mal an der Uni und habe das studiert. Fast bis zum Ende, auch wenn ich meine Bachelor-Arbeit nie abgegeben habe.

teleschau: Wovon handelte sie?

Cristina do Rego: Ich studierte Spanische Philologie in Hamburg, obwohl ich da schon in Berlin lebte. In Hamburg gab es den Schwerpunkt Portugiesisch. Also mietete ich mir ein kleines WG-Zimmer und kam zum Studieren rüber. Irgendwann wurde die Pendelei zu viel. In Berlin gab es diesen Schwerpunkt allerdings nicht mehr und ich hatte eine sprachwissenschaftliche Arbeit in der Mache. Über spanische Syntax wollte ich jedoch nicht schreiben, da war bei mir der Ofen aus. Ich habe ein grundsätzliches Problem damit, Dinge zu tun, die mich nicht wirklich interessieren. Deshalb habe ich leider keinen Studienabschluss. Es ging mir aber auch nicht darum, einen "Bachelor of Arts" zu erwerben. Man hat als Schauspieler neben dem Drehen so viel Zeit. Ich wollte einfach etwas mit meinen Kopf anfangen.

teleschau: Sie leben heute immer noch in Berlin?

Cristina do Rego: Ja, seit ich Anfang 20 bin. Ich bin für "Türkisch für Anfänger" nach Berlin gegangen und danach einfach dort geblieben. Es fällt mir schwer zu sagen, woher in Deutschland ich komme. Irgendwo aus Nordrhein-Westfalen, das trifft es wohl am besten. Ich bin 16-mal im Leben umgezogen. Mein Abitur habe ich im Kreis Paderborn abgelegt. Dann bin ich nach Köln gezogen. Dort wurde "Pastewka" gedreht, und da habe ich mich als junges Mädchen so durchgeschlagen. Neben der Schauspielerei arbeitete ich damals noch als Au Pair-Mädchen.

teleschau: Sie sind jetzt 28 Jahre alt, wirken aber jünger. Nervt es, wenn immer noch das Mädchen spielen soll?

Cristina do Rego: Es nervt schon irgendwann ein bisschen. Langsam fängt es aber an, sich zu verwachsen. Was definitiv nicht mehr funktioniert, aber vor drei Jahren noch ging, sind Rollen als Schülerin. Da komme ich nicht mehr hin, das will ich auch nicht mehr, es fühlt sich einfach blöd an. Töchter zu spielen, ist hingegen okay. Wenn man jünger aussieht, wird man gerne unterschätzt. Das empfinde ich oft sogar als Vorteil, weil man die Möglichkeit hat, zu überraschen. Also, jünger auszusehen stört mich überhaupt nicht!

teleschau: Nun spielen Sie die Hauptrolle in "Unter Gaunern", einem charmanten Vorabend-Format im Ersten. Sie wissen, dass sich die meisten Formate auf diesem Sendeplatz sehr schwertun?

Cristina do Rego: Klar, aber solche Dinge muss man als Schauspieler ausblenden. Für mich ist das eine ganz wunderbare Serie: tolle Figuren, lebensechte, witzige Dialoge, schöne Handlungsideen. Ich hoffe einfach auf die Unterstützung der ARD und der Medien. Es geht eigentlich nur darum, dass die Zuschauer erkennen: Aha, da läuft etwas Unerwartetes, etwas Gutes am Vorabend. Sollte diese Erkenntnis im bescheidenen Maße um sich greifen, wäre ich schon sehr dankbar.

Quelle: teleschau - der mediendienst