Nelson Müller

Nelson Müller





"Ich habe gerne etwas zu erzählen"

Die Discounter-Branche boomt: 16.000 Billigmarkt-Filialen gibt es, der Umsatzanteil liegt bei mehr als 40 Prozent. Die Kunden pilgern zu Aldi, Lidl & Co., weil sie vor allem kostengünstig sind. "Preislich sind sie oft nicht zu schlagen", bestätigt auch Sternekoch Nelson Müller. Doch wie steht es mit er Qualität? Der 35-Jährige Mann aus dem Ruhrgebiet hat im Rahmen von "ZDFzeit" den Test gemacht. Er sagt, was vielleicht manche überrascht: "Durch den hohen Umschlag der Produkte sind gerade Obst und Gemüse sehr frisch". Eine Kaufempfehlung bei Fleisch dagegen gibt er nicht. Im Interview vor seinen beiden neuen Sendungen (Dienstag, 20. Januar, und Dienstag, 27. Januar, jeweils 20.15 Uhr) blickt Müller, bekannt auch aus der Nachmittagssendung "Die Küchenschlacht", auch über den Kochtopf hinaus. Und schaut ins Bierglas. Inzwischen kennt sich der bekennende Weintrinker auch mit dem Gerstensaft aus. Er hat einige Liter davon getrunken.

teleschau: Herr Müller, Sie nehmen in ihrer nächsten Sendung die Discounter unter die Lupe. Holt sich der Kunde die Kartoffel denn nun besser aus dem Biomarkt oder bei Aldi & Co.?

Nelson Müller: Generell gilt: Deutschland hat eine gute Qualität - auch bei den Discountern. Diese allerdings haben ihre Vor- und Nachteile. Da viele Menschen bei ihnen einkaufen und aufgrund ihres hohen Umsatzes können die Discounter viele Produkte günstiger anbieten. Preislich sind sie oftmals so gut wie unschlagbar. Dennoch sollte der Kunde wissen: Wenn ein Produkt auffällig günstig angeboten wird, muss irgendwo eingespart worden sein. Das kann bei der Verpackung sein. Aber auch bei den Löhnen. Oder in der Tierhaltung. Dass es sich bei sehr kostengünstigem Fleisch nicht um Edeltiere handelt, die mit größtmöglichem Aufwand gezüchtet wurden, sollte jedem klar sein.

teleschau: Wo also sehen Sie die Vorteile?

Müller: Die Discounter haben in einigen Bereich gut nachgezogen. Gemüse und Obst sind sehr frisch. Erstaunlich ist das aber nicht. Da bei diesen Produkten viel umgeschlagen wird, kann immer auch neue Ware eingekauft werden.

teleschau: Sie raten also: Obst und Gemüse ja, jedoch Hände weg vom Discounter-Fleisch.

Müller: So pauschal will ich das nicht sagen. Jedoch achte ich gerade bei Fleisch auf ein spezielles Angebot und sehr gute Qualität. Das bekomme ich nur beim Metzger oder dem Fachhändler meines Vertrauens. Gemüse aber ist bei den Discountern tatsächlich super, also auch die Kartoffel. Allerdings: Wenn man etwas Besonderes will, ist es schon schwierig, es dort zu finden.

teleschau: Hat sich das Essverhalten der Deutschen in den letzten Jahren denn gravierend geändert?

Müller: Eindeutig ja! Auch die Discounter haben ihren Anteil daran. Durch sie und mit ihnen gibt es inzwischen ganz viele Supermärkte. Das Angebot wurde immens gesteigert. Stand früher eine Joghurtsorte im Regal, sind es heute zehn bis zwanzig. Oder beispielsweise Meersalz. Davon hat früher kein Mensch gesprochen. Heute hat jeder Supermarkt eine Eigenmarke Meersalz. Auch durch diese größere Auswahl und die gesteigerte Qualität unter anderem durch Gütesiegel wie "Bio" ist das Essen für die Menschen in Deutschland als Lebenskultur wieder mehr in den Vordergrund gerückt.

teleschau: Eine Kultur, die von den vielen Kochsendungen im Fernsehen gerne zelebriert wurde ...

Müller: Na und? Sich mit etwas zu beschäftigen wie dem Kochen - der eine mehr, der andere weniger -, macht doch Spaß. Inzwischen werden die Formate auch wieder frisch verpackt. Jetzt kommen mehr die jungen Köche. Sie gehen noch einmal anders die alten Rezepte an. So geht auch durch die Fernsehsendungen ein Wissen über Essenstraditionen kaum verloren. Und sie erinnern mitunter daran, dass ein gemeinsames Essen eben auch wichtig ist. Beispielsweise um ein soziales Familienleben aufrecht zu erhalten. Gerade das Essen führt die Menschen zusammen. Man hat Zeit, über Dinge zu reden. Bestenfalls ernährt man sich auch anders. Schließlich: Wenn man sich gut und ausgewogen ernährt, bleibt man gesünder und ist leistungsfähiger.

teleschau: Sie betreiben drei Restaurants. Wie wichtig ist Ihnen die TV-Präsenz?

Müller: Ich bin jemand, der gerne auf der Bühne steht. Ich habe gerne etwas zu erzählen, wie eigentlich jeder Gastronom diese Anlage hat, seine Gäste unterhalten zu wollen. So fühle ich mich wie der Wirt von früher. Der kannte alles und jeden. Und er wusste viel. Mal musste er einen Gast beruhigen, mal aufbauen. Wir Köche im Fernsehen sind ein Teil derjenigen Gastronomen, die einen Hang zu genau dieser Tradition haben. Sowieso darf Kochen Entertainment und manchmal auch Klamauk sein.

teleschau: Mögen Sie die Bezeichnung "TV-Koch"?

Müller: Der Begriff ist eher schwierig. Zwar bin ich schon gerne eine Person im Fernsehen, in erster Linie bin ich aber ein Koch, der diesen Beruf gelernt hat. Und das bleibt mir das Wichtigste. Schließlich stehe ich immer noch jeden Tag am Topf und schwitze. Oder richte in der Küche die Teller an.

teleschau: Gibt es innerhalb der Gastro-Branche inzwischen kritische Stimmen, dass schon wieder ein nächster Koch im Fernsehen auftaucht?

Müller: Als Koch im Fernsehen auftreten zu können, ist zunächst einmal eine sehr gute Werbung. In der Branche selbst kommt das weiterhin gut an. In einer Art und Weise hat ein gesamtes Handwerk von den Auftritten im Fernsehen profitiert. Es konnte sich präsentieren und zeigen, was tatsächlich in einer Küche passiert. Das Ansehen des Koch-Berufs ist wieder gestiegen.

teleschau: Nach den Discountern testen Sie in einer weiteren Sendung auch noch Bier. Wie kommt ein Koch denn dazu?

Müller: Gerade das Bier schreiben wir uns doch gerne auf die Fahne. Deutschland ist bekannt dafür, dass es den Gerstensaft wohl recht gut macht. Da macht es nur Sinn, mehr darüber zu erfahren. Erst recht, da eine sehr große Vielfalt zur Auswahl steht. Allerdings führen die Supermärkte oftmals nur die Klassiker. Dabei gibt's beim Bier noch so viel mehr im Angebot.

teleschau: Sind Sie ein Bier- oder Weintrinker?

Müller: Ich bin eher ein Weintrinker. Ab und zu trinke ich aber schon gerne ein Bier. Aber da bin ich speziell. Das normale Pils ist mir oftmals zu pikant. Ich mag es gerne, wenn der Hopfen ausgeprägt ist. Er beeinflusst den Geschmack maßgeblich. Und er allein hat so viele unterschiedliche Geschmacksrichtungen. Beispielsweise gibt es Hopfen mit leicht exotischen Aromen. Dazu passt dann mitunter Banane.

teleschau: Für die Sendung am 27. Januar haben Sie sich jetzt aber nicht durchs "Haus der 111 Biere" getrunken, oder?

Müller: Zumindest hat der Dreh viel Spaß gemacht (lacht!). Natürlich habe ich probiert, sonst wüsste ich doch nicht, wovon ich rede. Ich habe aber auch selber Bier gebraut.

teleschau: Das Resultat?

Müller: Prost!

Quelle: teleschau - der mediendienst