Elvis Presley

Elvis Presley





Der Mythos lebt

Elvis Aaron Presley war gerade mal 18 Jahre alt, als er im August 1953 in die Sun-Studios in Memphis, Tennessee, erstmals betrat. Er sang zwei Songs ein, darunter die liebliche Ballade "My Happyness", ein damals populärer Easy-Listening-Standard. Es war ein Geschenk für seine Mutter, die der sonoren Stimme ihres Sprösslings mit Freudentränen lauschte. So weit die oft erzählte, aber wahrscheinlich falsche Version von Elvis' Karrierestart. Der Mythos vom angeblichen Geburtstagsständchen sollte nicht die einzige sagenumwobene Anekdote bleiben. Bis heute, wenn die Popwelt am 8. Januar seinen 80. Geburtstag feiert, ranken sich zahlreiche Geschichten und Geschichtchen um zufällige Begegnungen und schicksalhafte Beziehungen rund um den raschen Aufstieg und den tiefen Fall des "King".

Sein vermeintliches Geschenk war wohl nur ein Vorwand, feierte seine Mutter doch erst im April, also acht Monate später, ihren Geburtstag. Wahrscheinlicher ist, dass er entdeckt werden wollte. Und er wurde entdeckt - von der Rezeptionistin Marion Keisker, weil der Besitzer der Sun-Studios, Sam Phillips, an jenem Tag nicht im Studio war. Sie vermerkte "guter Balladensänger" auf einem Zettel und Elvis durfte wiederkommen. Und der Teenager sollte - nach vielen vergeblichen Demos und Probeaufnahmen unter Philips' Regie - im Sommer 1954 seinen ersten Hit landen.

Die Aufnahme des Blues-Standards "That's All Right" von Arthur Crudup entstand dabei mehr oder weniger zufällig, als die von Phillips angemieteten Begleitmusiker einem Impuls des jungen Elvis folgten. Es sollte der erste Rockabilly-Song werden - jener kreuzte den schwarzen R'n'B mit weißem Country, und so wurde eine weitere Spielart des Rock'n'Roll erschaffen. Kurze Zeit später spielte Sam den Song seinem Bekannten, dem Radio-DJ Dewey Phillips vor, der den Song fortan rauf und runter laufen ließ. So etwas hatte man bis dato noch nicht gehört. Schnell wurde ein Plattenvertrag unterschrieben und eine B-Seite eingespielt. Weitere Singles folgten bald, von Tennessee aus wurde das ganze Land vom Elvis-Sound infiziert.

Anfang 1956 hatte Elvis mit "Heartbreak Hotel" seinen ersten Millionenseller, veröffentlicht beim damaligen Platzhirschen RCA Victor. Bis zu seiner Einberufung 1958 in die US-Armee, die ihn nach der Grundausbildung bis zum Frühjahr 1960 bei der 3. US-Panzerdivision im hessischen Friedberg stationierte, entstanden viele seiner genreprägenden Hits (etwa "All Shook Up", "Love Me Tender", "Jailhouse Rock", "Hound Dog" oder "Don't Be Cruel"), die zu diesem Zeitpunkt bereits auch in Europa für Furore sorgten.

Nach dem abgeleistetem Wehrdienst, der geschickt medial vermarktet wurde und seiner Karriere daher keineswegs schadete, veröffentlichte Elvis das erfolgreiche Album "Elvis Is Back" und den Film "G.I. Blues", passend im Soldaten-Outfit. Zu diesem Zeitpunkt ist es bereits der fünfte erfolgreiche Kinofilm des bodenständig gebliebenen, höflichen und fotogenen Ausnahmesängers. Denn Elvis konnte zwar keine Noten lesen und schrieb seine Stücke nicht, dafür schaffte er es, jeden Song auf seine ureigene Weise zu veredeln. Seine Vorliebe für Balladen half zudem dabei, die Erfolge in den darauf folgenden Jahren auf konstant hohem Niveau zu halten.

Die gottähnliche Präsenz, die die ganze Welt zunehmend über den begnadeten Entertainer Elvis stülpte, forderte indes ihren Tribut. Elvis, in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, litt ab etwa Mitte der 60er-Jahre zunehmend an Realitätsverlust und Größenwahn. In Kombination mit der Geldgier seines Managers "Colonel" Tom Parker, dem die Profite zunehmend wichtiger wurden als die Qualität der Musik seines Klienten, ergab sich daraus eine paradoxe Mixtur aus Fehlentscheidungen. Die Folge: Elvis' kreative Energie schwand, seine Karriere geriet ins Straucheln.

Denn anstatt sich auf seine Karriere als Musiker, Live-Entertainer und Sänger zu konzentrieren, drehte Elvis ab den 60er-Jahren über zwei Dutzend weitere Filme, meistens völlig belanglose Musik-Komödien, die meist von einem ebenso mittelmäßigen Soundtrack-Album begleitet wurden. Spätestens als sich die Hippie-Bewegung zu einer globalen Jugendbewegung formierte, schien der "King" zu einer gesellschaftlichen Randnote geschrumpft zu sein. Trotzdem schaffte er es, 1968 noch einmal für ein sommerliches TV-Spezial auf NBC seine magische Bühnenpräsenz wiederaufleben zu lassen.

Im schwarzen Lederoutfit, gut aufgelegt und mit scheinbar fitter Konstitution, führt er souverän durch die Höhepunkte seiner bisherigen Karriere. 1968 und 1969 gelangen ihm vereinzelt nochmals Single-Meisterwerke wie "A Little Less Conversation", "Suspicious Minds" und "In The Ghetto". Doch für einen dauerhaften Karriereschub reichte es nicht. Die zwischen 1973 und 1976 aufgenommenen Alben konnten nicht mit seinen früheren kommerziellen und künstlerischen Erfolgen mithalten.

Seine endlosen Live-Engagements in den Hotel-Palästen in Las Vegas und am Lake Tahoe wurden begleitet von Frauengeschichten, temporärer Spielsucht, endlosen Partys und einem zunehmend gefährlichen Mix aus Alkohol, Drogen und Medikamenten. Elvis litt unter einem Magengeschwür, hatte Verdauungs- und Schlafstörungen und später andere ernste physischen Leiden. Ehefrau Priscilla, die er nach mehrjähriger Beziehung 1967 heiratete, ließ sich 1972 deshalb wieder von ihm scheiden und verließ mit der gemeinsamen Tochter Lisa Marie Presley den goldenen Käfig.

Umgeben von einem devoten Haufen Trittbrettfahrern, altgedienten Bekannten und falschen Freunden fristete Elvis ein inhaltsloses Leben fernab der Realität. In der Scheinwelt seines Graceland-Anwesens bestimmten materielle Maßlosigkeit, Völlerei und Medikamentenmissbrauch das Tagesgeschehen. Die Geliebte von Elvis, die 20-jährige Ginger Alden, erlebte diese letzte Phase mit ihm, laut ihrer Aussage wollte er sie Ende 1977 ehelichen. Dazu kam es nicht mehr. Am 16. August brach der "King Of Rock'n'Roll" tot im Badezimmer seines Anwesens zusammen, mit 42 Jahren.

Am 8. Januar 2015 wäre der 1934 in Tupelo, Mississippi, geborene Elvis 80 Jahre alt geworden. So tragisch sein bizarrer Abgang, seine letzten Jahre auch gewesen sein mögen - auch sie trugen nur dazu bei, dass der Mythos Elvis bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat. Der König ist tot, lang lebe der König - auf niemand trifft diese Aussage wohl besser zu als auf Elvis Aaron Presley.

Quelle: teleschau - der mediendienst