Mortdecai - Der Teilzeitgauner

Mortdecai - Der Teilzeitgauner





Lebe lieber ungewöhnlich

Seitdem er im mehrteiligen Mega-Erfolg von "Fluch der Karibik" so grandios den Piratenkapitän Jack Sparrow verkörperte, ist Johnny Depp mehr oder weniger abonniert auf exzentrische, furchtlose Charaktere. Keine Frage: Er ist ein bemerkenswerter Schauspieler mit einem erklärten Hang zum Grotesken. Diese Affinitäten kann er in seiner jüngsten Kinokomödie "Mortdecai - Der Teilzeitgauner" wieder ausleben. Denn Charlie Mortdecai ist die Hauptfigur der kultigen Romantrilogie von Kyril Bonfiglioli, der seinen versponnenen Helden und dessen treuen Diener Jock die verrücktesten Abenteuer erleben lässt. Für seinen Film hat Regisseur David Koepp, der einst das Drehbuch zu "Jurassic Park" (1993) schrieb, das Buch "Don't Point that Thing on me" für die Leinwand adaptiert.

Charlie Mortdecai (Johnny Depp), britischer Bonvivant mit adeligen Wurzeln, liebt das Schöne und die Kunst. Aufgrund seines extravaganten Lebensstils ist er leider pleite, weshalb er dabei ist, seine kostbaren Habseligkeiten gewinnbringend zu verhökern. Ein Deal in Hongkong artet aus, und aus dem Millionengeschäft wird nichts. Zurück in England gilt es zu überlegen, wie der finanzielle Ruin abgewendet werden könnte, denn sonst dürfte Mortdecai bald auch um seine verwöhnte Gattin (herrlich elitär: Gwyneth Paltrow) fürchten.

Da kommt der britische Inlandsgeheimdienst MI 5 gerade recht: Kommissar Alistair Martland (souverän gespielt von Ewan McGregor) muss einen Mord aufklären, bei dem es auch um ein wertvolles, gleichwohl gestohlenes Gemälde von Goya geht - der kunstverständige Mortdecai soll ihm helfen. Mit der millionenschweren Belohnung, die auf das verlorene Meisterwerk ausgesetzt ist, wäre Mortdecai alle seine Schulden los und könnte endlich wieder einem standesgemäßen Dolce far niente und der Pflege seines neuen, obschon umstrittenen Schnurrbarts nachgehen.

Also begibt er sich mit seinem treuen Diener Jock (Paul Bettany), der ähnlich eigenartig ist wie sein Boss, auf eine abenteuerliche Reise rund um den Globus, um das verschollene Gemälde aufzufinden. Zwischen London, Moskau und Los Angeles begegnet der britische Feingeist brachialen Terroristen, einem dickfingrigen amerikanischen Millionär (Jeff Goldblum) und einem russischen Oligarchen (Ulrich Thomson). Ach ja, und einer schönen Nymphomanin (Olivia Munn). Und all das, während zuhause im fernen London Kommissar Martland Mortdecais Gattin, seiner Jugendliebe, den Hof macht ...

Keine Frage, "Mortdecai" ist eine ambitionierte, turbulente Krimi-Komödie, ausgestattet mit einem hochdotierten Cast und handwerklich (Ausstattung, Szenenbild, Kamera, Effekte) durchaus solide gemacht. Aber das Gaunerstück krankt an seiner überdrehten, hoffnungslos manierierten Hauptfigur, die den Zuschauer durch diese abenteuerliche Geschichte führt: Johnny Depp liefert im Grunde die x-te Variation seines legendären Piratenkapitäns, der hier gleichwohl zum feinsinnigen britischen Snob mutiert ist. Der Witz des Films, der vor allem daraus resultieren soll, dass hier ein blasierter Aristokrat mit mangelndem Realitätssinn auf die echte Welt trifft ("Ich bin an einem schrecklichen vulgären Ort namens Los Angeles"), ist schnell erschöpft. Auch das Klischee seines ewig kopulierwilligen Assistent Jock wird arg überstrapaziert.

Was komisch sein soll, sorgt bestenfalls für müde Lacher. Denn für Situationskomik scheint Regisseur David Koepp ("Wen die Geister lieben", 2008) irgendwie kein Händchen zu haben. Wenn Mortdecai, der mit der Waffe offensichtlich nicht umgehen kann, zum wiederholten Male seinen getreuen Diener Jock trifft, der wiederum sehr hart im Nehmen ist, dann hat das den Charme einer albernen Zirkusnummer. Schade, dass der Film sein Potenzial so hoffnungslos verspielt.

Quelle: teleschau - der mediendienst