Schändung - Die Fasanentöter

Schändung - Die Fasanentöter





Eine fein-blutrote Gesellschaft

Allein in Deuschland haben sich die Kriminalromane des Dänen Jussi Adler-Olsen bislang fünf Millionen Mal verkauft. Auch im Rest der Welt läuft es gut, eine Filmreihe war nur eine Frage der Zeit. Nach "Erbarmen" ist "Schändung - Die Fasenentöter" nun das zweite Abenteuer des übellaunigen Kommissars Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas) und seines lebensfrohen Assistenten Assad (Fares Fares). Diesmal geht es um einen 20 Jahre alten Doppelmord im Umfeld eines sündhaft teuren Elite-Internats. Wer auf düstere skandinavische Krimikost steht, kommt in Sachen Handlung samt expliziter Brutalität auf seine Kosten. Trotz der überzeugenden Schauspieler muss man jedoch auch konstatieren: Ein wenig konstruiert wirkt der hanebüchen böse Plot schon.

Da ist sie wieder, die etwas plakativ in einem fensterlosen Kellerraum residierende Abteilung "Q" der Kopenhagener Kriminalpolizei. Die so unterschiedlichen Ermittler Carl Mørck und Assad, auch bekannt als "der Trinker und der Araber", versuchen hier alte, zu den Akten gelegte Kriminalfälle noch einmal zu überprüfen und gegebenenfalls neu aufzurollen. Diese Notwendigkeit ist selbstredend in allen bisher erschienenen sechs Büchern von Jussi Adler-Olsen gegeben. In "Schändung" bekommen es Mørck und Assad mit einem 1994 im Umfeld eines Nobelinternats stattgefundenen Mord an zwei Geschwistern zu tun.

Obwohl man eine brutale Clique von Schülern im Verdacht hatte, die schon früh ihre eigenen Vorstellungen einer streng darwinistischen Gesellschaft in die Tat umsetzte, konnte man den Verdächtigen damals nichts nachweisen. Auch weil ein anderer schließlich die Tat gestand. In den Archiven stoßen die Dänenermittler jedoch auf eine mysteriöse, vergessene Tatzeugin (stark: Danica Curcic), die seit 20 Jahren auf der Flucht ist. Die Häscher von einst bekleiden mittlerweile natürlich herausragende Positionen in der dänischen Gesellschaft. Können die Kellermänner aus Kopenhagen ihnen das Handwerk legen?

"Schändung" ist kein Krimi für Freunde des Täterratens, dazu wird in Rückblenden schon sehr früh einiges verraten. Er ist auch nichts für zart besaitete Kinogänger, wie nicht anders zu erwarten. Das Klischee des blutig-düsteren Skandinavienkrimis wird hier ebenso breitgetreten wie die spätestens seit Henning Mankell und Stieg Larsson doch ein wenig ermüdende Gesellschaftskritik an einem System, das im Vergleich mit vielen anderen Orten dieser Welt unter dem Strich doch recht gut funktioniert.

Die schauspielerischen Leistungen sind solide, und auch Regisseur Mikkel Nørgaard, der bereits den ersten Teil verfilmte und Stammkraft der fantastischen Polit-Serie "Borgen" ist, leistet sich keine groben handwerklichen Schnitzer. Dennoch vermisst man wie im Debütfilm "Erbarmen", der immerhin die geniale Plotidee der verwahrlosenden Gefangenen im Drucktank ziemlich beklemmend umsetzte, ein wenig die Subtilität der Buchvorlage. Diese besteht vor allem darin, wie Carl Mørck seine Welt sieht und dieser philosophierende Gedanken-Shitstorm lässt sich im Film nun mal schwer umsetzen.

Umgesetzt wurde "Schändung" im Übrigen auch mit deutschem Geld, gedreht wurde der Thriller unter anderem in Hamburg und Schleswig-Holstein. Auch deshalb darf man wie bei "Erbarmen", das im Januar 2015, nur ein Jahr nach Kinopremiere, bereits im Ersten Deutschen Fernsehen zu sehen war, auch beim zweiten Fall auf eine einigermaßen zeitnahe TV-Ausstrahlung des Dänen-Thrillers freuen. Fans von Jussi Adler-Olsen und Carl Mørck werden aber kaum so lange warten wollen.

Quelle: teleschau - der mediendienst