The Gambler

The Gambler





Leiden aus Prinzip

Wer will schon, dass einem die Welt zu Füßen liegt? Jim Bennett jedenfalls nicht. Der Literaturprofessor wird von Studentinnen angehimmelt und von Kollegen respektiert. Nur er selbst kann sich nicht ausstehen. Ihm ist alles egal. Sogar die Tatsache, dass er in einer Woche von einem der vielen Gangster, bei dem er sich Geld borgte, niedergestreckt werden wird, wenn er seine Spielschulden nicht bezahlt. Mark Wahlberg spielt die Titelrolle in "The Gambler", einen ewig süchtigen Glücksspieler, der alles versucht, um sich selbst zu zerstören. Dennoch wird er im edel inszenierten, aber wenig plausiblen Remake von "Spieler ohne Skrupel" (1974, mit Hollywood-Legende James Caan) gerettet.

Regisseur Rupert Wyatt ("Planet der Affen: Prevolution") manövriert sich in "The Gambler" in ein Dilemma. Er ist fasziniert von seinem Protagonisten, einem Mann, der sich auf keinen Fall retten lassen will, obwohl das Drehbuch eine ausführliche Katharsis vorschreibt. Bennett ist ein zynischer Kotzbrocken, der viele markige Weisheiten über die Beschissenheit der Dinge loswerden darf. Er ist "the kind of guy that likes to loose" - jemand, der gerne am Abgrund wandelt und jederzeit zum Absprung bereit ist.

Es sind erheiternde Momente im Film, wenn Bennett über Mittelmäßigkeit und Talentlosigkeit schwadroniert, sich lächelnd zusammenschlagen lässt, seine Schüler beschimpft und sich selbst hasst. Ernst zu nehmen sind sie allerdings nicht. Dafür ist die Figur zu grob geschnitzt, und dafür sind die Begleitumstände zu einfach zu durchschauen.

"The Gambler" will ein düsteres Spielerdrama sein, ist aber, das wird schnell klar, eine optimistische Erlösungsgeschichte mit allem Pipapo: mächtig viel Schulden bei bösen koreanischen Gangstern (Alvin Ing), richtig bösen afroamerikanischen Gangstern (Michael Kenneth Williams) und extrem bösen irischen Gangstern (John Goodman). Dazu ein Koffer voller Geld, Huren, ausweglose Situationen, schicke Autos, eine besorgte Mutter (Jessica Lange), spannende Blackjack-Partien und ein Exitplan, der ein bisschen clever ist, aber vor allem aus heiterem Himmel kommt.

Natürlich gibt es auch eine schöne Frau. Amy (Brie Larson) heißt sie, ist Bennetts begabteste Studentin und will ihm helfen, dem Sumpf zu entkommen - mit literarischem Talent und Liebe. Nur hat der Betonkopf eben ganz lang ganz wenig Lust. Bis es am Ende doch ganz schnell geht. Bennett hat einen Plan, und er liebt plötzlich sogar das Leben, über das er doch eigentlich nur lästert.

Woher der Sinneswandel kommt, und warum er fröhlich schwitzend in den Morgen seiner neuen Zukunft joggt, bleibt sein Geheimnis. Rupert Wyatt springt willkürlich zwischen Handlungssträngen und kümmert sich nicht viel um die Glaubwürdigkeit der Figuren. Immerhin sieht sein Film todschick aus und vergisst kein Klischee aus der Spielerwelt.

Man muss ehrlich sein: "The Gambler" ist kein wirklicher Langweiler, schön anzusehen und phasenweise sogar unterhaltsam. Man kann, wie bei einem Unfall auf der Autobahn, einfach nicht nicht hinschauen. Aber Unfall ist Unfall. Deswegen ist das Beeindruckendste an "The Gambler", das, was wirklich im Gedächtnis bleibt: Bilder von John Goodman in der Sauna.

Quelle: teleschau - der mediendienst