96 Hours - Taken 3

96 Hours - Taken 3





Rächer auf Schlingerkurs

Auf dem Highway ist die Hölle los - dank Ex-CIA-Agent Bryan Mills (Liam Neeson). Einen Polizisten, der ihn zur Wache begleiten sollte, hat er mal eben aus dem Auto geschubst. Den anderen am Steuer zwingt er, mit durchgedrücktem Gaspedal zwischen den langsameren Fahrzeugen Slalom zu fahren. Klar, dass da schon mal ein Truckfahrer aus dem Takt kommt, sein Container sich ablöst, durch die Luft wirbelt und ein paar Fahrzeuge zerlegt. Spektakulär krachen lässt es "96 Hours - Taken 3" schon. Aber einige Male ist das alles auch reichlich banal.

Behäbig kommt die Story ins Rollen: Ein kleiner Angestellter, dessen Chef Gangstern Geld schuldet, wird umständlich entführt und in einem Safe erschossen. Bryan Mills schenkt seiner Tochter Kim (Maggie Grace) einen riesigen Stoffbären und ahnt nicht, dass sie von ihrem Freund schwanger ist. Mills' Ex-Frau Leonore (Famke Janssen) sucht bei ihm Rat wegen ihrer zerrütteten Ehe. Leonores Mann Stewart (Dougray Scott) bittet Mills, Leonore nicht mehr zu sehen. Nun ja.

Da wird Leonore ermordet und Mills am Tatort als Verdächtiger Nr. 1 gestellt. Während Mills' Flucht über die Höfe klebt Eric Kress' Kamera so eng an der Hauptfigur, dass man ihren Puls zu fühlen meint. "Mum ist tot, aber ich war's nicht", teilt Mills seiner Tochter von einem öffentlichen Fernsprecher mit und gelobt, den wahren Täter zu finden. An Mills' Fersen heftet sich bald der clevere Detective Franck Dotzler (Forest Whitaker). Ist das nun der Startschuss für ein aufregendes Katz-und-Maus-Spiel?

Erziehungsberechtigten-Furor, schnörkellose Handkantenschläge und Ballistik plus einen Schuss gefährliches Paris-Flair machten 2008 aus "96 Hours - Taken" einen Knaller der Extraklasse. Der zweite Teil kam 2012 schon schwerer in Gang, bestach aber mit der ganzen Form- und Rhythmikpalette des Action-Kinos. Im dritten Teil nun schlägt sich Mills mehr mit einer zu komplizierten Handlung herum als mit seinen Gegnern.

Dabei hätte alles so einfach sein können. "Daddy, bitte erschieß' Jamie nicht, ich hab' ihn lieb!" - Kims lachendes Statement am Ende von "Taken 2" ließ als nächstes eigentlich ein Abenteuer erwarten, in dem ihr Freund auch eine Rolle spielt oder sogar der Anlass für einen neuen Alleingang à la Mills ist. Was wäre das für ein Spaß geworden! Stattdessen soll ausgerechnet die Rache für den Tod der schwächsten Figur, Leonore, "96 Hours - Taken 3" tragen. Weil das nicht funktionieren kann, haben die Drehbuchautoren Luc Besson und Robert Mark Kamen ein verzwirbeltes Mordkomplott dazugesponnen.

Fast unverbunden mit dessen Aufdeckung werden die Kampf- und Gewaltszenen abgehakt, inklusive Drugstore-Schießerei, Durchsieben der Bodyguard-Armeen brutalstmöglicher russischer Mafiosi und bedauerlicherweise auch Waterboarding. Forest Whitaker als Polizist darf hin und wieder Mills ein bisschen Zeitdruck machen. So wird der Anschein von Tempo gewahrt, obwohl der Film doch eigentlich selten weiß, wann er langsamer und wann er schneller werden muss. Der Schlingerkurs zwischen Detektivgeschichte und Actionkatalog lässt weder Platz für Atmosphäre noch für den Inter-Generationen-Humor von Mills und seiner Tochter. "96 Hours -Taken 3" ist vornehmlich Auslöser wehmütiger Erinnerungen an die Vorgänger-Filme.

Quelle: teleschau - der mediendienst