Santiago Cabrera

Santiago Cabrera





Das Leben in vollen Zügen genießen

Caracas, London, Toronto und Madrid: Als Sohn eines Diplomaten wurde Santiago Cabrera (36) früh an ein unstetes Leben gewöhnt. Doch bevor er sich endgültig für eine nicht minder unbeständige Laufbahn als Schauspieler entschied, zeigte er in jungen Jahren ein großes, fußballerisches Talent. Die Kickerschuhe hängte er zur Jahrtausendwende jedoch an den Nagel, um in die Fußstapfen von Sean Connery und Anthony Hopkins zu treten. Deren Schauspiel-Coaches unterrichteten ihn im renommierten London Drama Centre. Nach kleineren Rollen in TV-Serien wie "Empire", gelang Cabrera 2006 in der NBC-Sendung "Heroes" der Durchbruch. Heldentaten kann der gebürtige Venezolaner nun abermals vollbringen: Er spielt in der BBC-Serie "Die Musketiere" (ab Sonntag, 21.12, 21.45 Uhr), deren erste Staffel an den Weihnachtsfeiertagen im Ersten zu sehen ist, den heißblütigen Aramis. Privat hat der Leinwand-Latin-Lover seine große Liebe bereits vor über zehn Jahren gefunden. Mit seiner Ehefrau, der Theater-Regisseurin Anna Marcea, lebt das Sprachtalent (Cabrera beherrscht fließend Englisch, Spanisch, Französisch und Italienisch) seit einem Jahr in Berlin und lernt fleißig Deutsch.

teleschau: Wie haben Sie sich gefühlt, als man Ihnen anbot, einen der Musketiere zu spielen? Das muss doch eine Traumrolle für jeden männlichen Darsteller sein!

Santiago Cabrera: Ja, es fühlt sich so an, als wäre man wieder ein Kind. Man kann die bösen Buben fangen, auf Pferden reiten und sich Schwertgefechte liefern - das ist sehr spannend. Zudem ist es eine Ehre, Part von der Neuauflage dieses Klassikers zu sein. Selbst diejenigen, die das Buch nie gelesen haben, wissen, wer die drei Musketiere sind.

teleschau: Was ist neu und besser in dieser Version des Filmklassikers?

Cabrera: Die Serie stellt nur Teile des Buches dar und ist mehr eine Interpretation als eine komplette Adaption. Wir geben den Spirit des Werkes wieder, aber zeigen eine modernere und schnelllebigere Version. Als ich das Drehbuch las, fühlte ich sofort die fesselnde Geschwindigkeit der Handlung. Diese ist zudem sehr realistisch, auch wenn sie im 17. Jahrhundert spielt und wir Kostüme tragen. Leitmotive wie Loyalität, Freundschaft und Brüderlichkeit sind eben zeitlos. Zusammen mit jeder Menge Humor wird daraus eine spannende Serie.

teleschau: Zwischen die Musketiere passt kein Blatt Papier. Wurden Sie und die anderen Darsteller ebenso gute Freunde wie die Figuren?

Cabrera: Ja, in der Tat sind wir Freunde geworden, und es gibt immer viel zu lachen. Da hat das Team beim Casting die Richtigen zusammengetan. Schließlich müssen wir ein paar Männer spielen, die seit Jahren beste Freunde sind - das können wir umso besser darstellen, je mehr die Chemie im wahren Leben stimmt.

teleschau: Was mögen Sie am meisten an Ihrer Figur Aramis?

Cabrera: Nachdem ich in letzter Zeit sehr viele düstere Charaktere verkörpert habe, habe ich mich sehr über die Möglichkeit gefreut, endlich mal eine positivere Person zu spielen. Aramis hat einen großartigen Sinn für Humor. Außerdem vereint er einige interessante Gegensätze in sich. Er ist sehr komplex: Zum Beispiel ist er spirituell veranlagt und glaubt an Gott, kann aber gleichzeitig die Finger nicht von den Damen lassen. Er liebt Frauen - was seine größte Schwäche ist, weil sein Leben dadurch oft kompliziert wird und er sich Probleme einhandelt. Auch das Kämpfen liegt ihm sehr. Das Tollste an ihm ist aber sein "Joie de vivre". Er lebt und genießt sein Leben in vollen Zügen.

teleschau: Können Sie sich mit dieser Lebensphilosophie identifizieren?

Cabrera: Definitiv! Ich versuche, danach zu leben. Als Schauspieler hat man ja das Privileg, einen unkonventionellen Lebensstil führen zu können. Man kann leben, wo man möchte, reist viel herum - weiß aber auch oft nicht, was als nächstes auf einen zukommt. Deshalb kostet man den Moment aus. Aber Aramis führt definitiv ein viel riskanteres Leben als ich. Er ist der Draufgänger von uns beiden (lacht).

teleschau: Sie wurden als Sohn eines chilenischen Diplomaten von klein auf an das Reisen und Wohnortwechseln gewöhnt. Wenn Sie auf diese Zeit zurückblicken, was ziehen Sie als Erfahrung daraus?

Cabrera: Das Tolle daran war, dass ich sehr viel gesehen und erlebt habe. Ich habe verschiedene Kulturen kennengelernt. Damals habe ich auch gelernt, meine Umgebung genau wahrzunehmen. Diese Beobachtungsgabe hilft mir heute als Schauspieler sehr. Die negative Seite war, dass ich nirgendwo richtig zu Hause war. Ständig musste ich meine Freunde zurücklassen und war dann anderorts immer der Neue. Als Kind kann es sehr schwer sein, sich ständig an neue Umgebungen zu gewöhnen. Wenn ich aber von meinem jetzigen Standpunkt aus zurückblicke, bin ich glücklich, dass ich all diese Möglichkeiten und Erlebnisse haben durfte.

teleschau: Fast wären Sie Fußballprofi und nicht Schauspieler geworden. Was hat Sie bewogen, den Fußballplatz gegen die Bühne zu tauschen?

Cabrera: Ich war schon immer mit dem Schauspiel-Virus infiziert und meine Lehrer in der Schule legten mir auch nahe, Theater zu spielen. Dennoch schnürte ich zunächst die Fußballschuhe. Das Bemerkenswerte ist: In diesem Jahr durfte ich im Rahmen einer Charity-Veranstaltung im Wembley-Stadion Fußball spielen. Mein Beruf als Schauspieler brachte mich also dorthin. Als Fußballer hätte ich es wahrscheinlich nie so weit gebracht. Ich denke mir oft, dass viele Dinge im Leben bereits vorbestimmt sind, ohne dass es einem bewusst ist. In diesem Fall hat mich meine Fußballleidenschaft in der Jugend wunderbar auf dieses Spiel vorbereitet (lacht).

teleschau: Spielen Sie auch noch Fußball, wenn keine Charity-Events stattfinden?

Cabrera: Ja, so oft ich kann. Ich liebe es! Aber als Schauspieler muss ich vorsichtig sein. Leider, denn ich mag es, wenn es auf dem Rasen richtig zur Sache geht. Doch mit einem verstauchten Knöchel kann ich schlecht am Filmset auftauchen.

teleschau: Wie haben Sie sich körperlich auf die schweißtreibende Rolle des Aramis vorbereitet, der ja sehr viel reiten und kämpfen muss?

Cabrera: Die körperliche Aktivität, um diese Rolle zu spielen, ist in der Tat eine Herausforderung. Ich war zwar immer gut in Form, aber bei den Dreharbeiten kamen auf einmal ganz neue Muskelgruppen und ungewohnte Bewegungsabläufe ins Spiel. Zur Vorbereitung absolvierten wir alle ein sechstägiges Bootcamp, bei dem wir von den Stuntleuten gecoacht wurden, wir ritten und kämpften. Wir werden auch weiterhin trainiert. Das ist nicht nur sehr wichtig, um diese Szenen realistisch spielen zu können, sondern auch um sie körperlich durchzustehen. Alleine, die mehrere Kilo schweren Kostüme zehn Stunden täglich zu tragen, ist schon ein anstrengendes Workout!

teleschau: Im Gegensatz zu Aramis haben Sie in Ihrem Leben Ihre große Liebe sehr früh gefunden und geheiratet. Ist diese Ehe wichtig für Sie, um eine Konstante in Ihrem sonst so unbeständigen Leben zu haben?

Cabrera: Ja, ich hatte großes Glück, meine Frau so früh zu treffen, und sie ist mir eine große Stütze - gerade in meinem Job hilft das sehr! Aber ich muss jetzt Aramis mal in Schutz nehmen: Er ist kein Schürzenjäger im klassischen Sinne. Er sammelt keine Frauen wie Trophäen - die Damen kommen auf ihn zu. Im Grunde ist er ein Romantiker, der die Richtige einfach noch nicht getroffen hat. Er ist ein tiefsinniger Poet und liebt aber auch das Alleinsein - deshalb würde er wahrscheinlich auch die richtige Frau nicht an sich heranlassen. Als Womanizer würde ich ihn dennoch nicht bezeichnen ... - obwohl er die Gesellschaft von Frauen durchaus sehr genießt (lacht).

teleschau: Wie verbringen Sie die Weihnachtsfeiertage?

Cabrera: Ich wohne ja seit etwa einem Jahr in Berlin, und es ist wunderbar. Die Deutschen haben tolle Weihnachtstraditionen. Ich liebe die Weihnachtsmärkte. Die Dreharbeiten zu "Die Musketiere" finden in Prag statt. Deshalb bin ich in die Nähe gezogen und bleibe noch mindestens ein weiteres Jahr. Wahrscheinlich werde ich Weihnachten in die Alpen reisen zum Skifahren - das habe ich schon viel zu lange nicht getan. Einfach mal relaxen!

teleschau: Haben Sie auch ein wenig Deutsch gelernt?

Cabrera: (antwortet auf Deutsch) Ein bisschen!

teleschau: Dann können wir das nächste Interview ja auf Deutsch führen.

Cabera: Ja, ich lerne fleißig. Zum Start der zweiten Staffel können wir uns dann auf Deutsch unterhalten.

Quelle: teleschau - der mediendienst