Nino Böhlau

Nino Böhlau





Vor dem Abheben

Eine junge Karriere im Steigflug: Erst 15 Jahre ist Nino Böhlau alt - und doch war er bereits in Kinofilmen wie "Hell", dem 2011er-Endzeitthriller von Tim Fehlbaum, und auch im Überfliegererfolg "Fack ju Göhte" (2013) zu sehen. Wenn am Sonntag, 28. Dezember, um 20.15 Uhr, der beklemmende neue BR-"Tatort: Das verkaufte Lächeln" im Ersten Premiere hat, dürfte sich die Welt des talentierten Jungdarstellers abert ändern: Nino Böhlau spielt nicht nur eine Hauptrolle, sondern auch eine ganz besondere, die vor allem viele Eltern unter den Fernsehzuschauern sehr nachdenklich stimmen dürfte. Es geht um Jugendliche, die im Internet gegen ein bisschen Geld und noch viel mehr Aufmerksamkeit ihre Haut zu Markte tragen. Eine ernste Rolle. Aber kein Problem für den erstaunlich souveränen jungen Mann aus München. "Bei meiner Rolle gab es keine Szenen, die fragwürdig waren, da konnte ich meinem Regisseur sehr vertrauen", sagt er im Interview über die Arbeit mit Andreas Senn.

Ohnehin: "Angst sollte man niemals haben", lautet Nino Böhlaus für einen Jungspund ziemlich abgeklärte Devise. "Es ist auf jeden Fall ein sehr aktueller Stoff", sagt er über das brisante Thema des Krimis - nur um gleich wieder eine Einschränkung hinterherzuschieben. "Ich kann mir schon vorstellen, dass es so etwas gibt - aber weniger bei uns, eher in den USA." Oder ist das seine Methode, den traurigen Ernst des Films doch lieber nicht allzu nah an sich heranzulassen?

Die nötige Erfahrung für diese erwachsene Haltung kann man Nino Böhlau voll und ganz zusprechen. Eine Routine in jungen Jahren, die selbstbewusst wirkt - gerade weil sie den oft hektisch überdrehten Film- und Fernsehbetrieb nicht übertrieben wichtig nimmt. "Die Rolle hat sich für mich eher zufällig ergeben. Ich war zu der Zeit gerade in Berlin und der Regisseur hat mich zu dem Casting eingeladen", sagt der coole Jung-Darsteller über den "Tatort"-Dreh. Wobei er sich gar nicht unbedingt als Schauspieler sieht. "Ich mache das jetzt seit zwei Jahren intensiver", erzählt Böhlau. Angefangen hatte alles trotzdem früh - 2008, mit einem Auftritt in "Peterchens Mondfahrt" am Münchner Theater für Kinder. Als Peterchen - auch das schon eine Hauptrolle.

"Als kleiner Junge fand ich die Theaterwelt voll cool", sagt Böhlau heute. "Ich gehe auch gern ins Theater - Theater-Spielen mag ich weniger." Ohnehin sieht er das Filme-Drehen eher als Nebenbeschäftigung - neben der Schule und anderem Wichtigeren. "Für mich ist das ein Hobby", so Nino Böhlau. "Ich möchte gar kein Schauspieler werden." Tatsächlich ist es für einen 15-Jährigen gar nicht so leicht, die zwei Lebensmuster unter einen Hut zu bringen. "Für mich war die Schule bislang nie ein Problem - das Drehen war allerdings für meine Lehrer ein Problem", sagt er. "Der Großteil des 'Tatort'-Drehs fand zum Glück in den Pfingstferien statt. Ansonsten habe ich meistens nach der Schule gedreht."

Bei den Arbeiten am Fernsehkrimi setzte das Team auf Münchner Originalschauplätze: Die Teenager im Film treffen sich etwa auf den beliebten Kiesbänken an der Isar - zum Sonnenbaden, Quatschen und Flirten. "Wir mussten ganz früh am morgen drehen - weil sonst zu viele Leute vor Ort sind", erzählt Nino Böhlau. Die gefürchtete Langeweile, die sich oft wegen vieler Wartezeiten am Set einstellt, kam bei ihm auch diesmal nicht auf. "Man kann ja auch ein Buch mitbringen - selbst ein Schulbuch", scherzt er im Rückblick. "Ich fand's nie besonders fad. Außerdem hat es immer gutes Mittagessen gegeben." Von den München-Kommissaren, gespielt von Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec, ließ er sich natürlich nicht einschüchtern. "So gut habe ich sie nicht kennengelernt. Aber die Stimmung am Set war immer gut."

Welche Wirkung der ernste Film im Bekannten- und Familienkreis auslösen wird, kann sich Nino Böhlau noch gar nicht so recht ausmalen. Auch aus praktischen Gründen: "Meine Freunde sehen den 'Tatort' nicht so oft", gibt er offen zu. Anders die Krimi-Tradition im Familienkreis: "Meine Eltern sehen oft am Sonntag bei Freunden den 'Tatort." Böhlau selbst bezeichnet Film als seine große Leidenschaft - und als wichtigste Freizeitbeschäftigung. "Ich schaue mir schon Fernsehfilme an - sie bleiben mir nur nicht so stark im Gedächtnis wie echtes Kino", sagt er.

Aus der Schauspielerei, die für ihn so hoffnungsfroh beginnt, möchte er überraschenderweise doch nicht mehr machen. "Ich liebe den Film. Aber ich möchte Pilot werden", sagt Nino Böhlau. So langsam beginnt er sich, auf die mehrstufigen Aufnahmeprüfungen der Lufthansa vorzubereiten - mit ebenso großem Ernst und Ehrgeiz, wie er die Arbeit vor der Kamera anging. "Pilot ist doch noch immer ein Traumberuf - und man verdient viel Geld", sagt er. Und: "Man braucht ein gutes Abitur." Deswegen heißt es Büffeln. Ganz lösen vom Schauspielen will er sich getreu der "Sag Niemals nie"-Devise aber doch nicht. "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich überhaupt nichts mehr machen will."

Quelle: teleschau - der mediendienst