Herz aus Stahl

Herz aus Stahl





Du oder er!

Wie um Himmels willen aus dem englischen Titel "Fury" das pathetische "Herz aus Stahl" wurde - man weiß es nicht. Wer nun in den Wirren des ausklingenden Zweiten Weltkriegs eine Liebesgeschichte vermutet, hat nur halb recht. Ein bisschen Liebe kommt sogar vor, neben Dutzenden anderer Themen, die Regisseur David Ayer nicht unangesprochen lassen wollte. So ist es etwas viel, das auf den Zuschauer in über zwei Stunden einprasselt. Bei den großartigen Schauspielerleistungen hätte man hier und da durchaus etwas Mut zur Lücke zeigen können.

Allen voran macht Logan Lerman einen großen Satz in seiner Hollywoodkarriere. Dass mehr in dem 22-Jährigen steckt als der Post-Potter-Held "Percy Jackson" (2010 und 2013), zeigte der Schauspieler bereits mit der Romanverfilmung "Vielleicht lieber morgen" (2012). Sein unschuldiges Gesicht nutzte Ayer nun, um die Grausamkeit des Krieges irgendwo in der verlassenen deutschen Prärie widerzuspiegeln. Aus der Mimik des jungen Private Norman Ellison ist Angst herauszulesen, Unsicherheit, Bedrückung. Herausragend die Szene, in der er einen niederknienden deutschen Soldaten hinrichten soll. Sein Vorgesetzter Sergeant Don "Wardaddy" Collier (Brad Pitt) setzt ihm buchstäblich die Pistole auf die Brust: "Er oder du!". Lermans Figur bricht ineinander zusammen, bis sie fleht: "Ich, ich. Töten Sie mich!"

Ayer schafft einige von diesen großen Momenten, in denen es an die Magengrube geht. Panzer rollen durch den Morast und legen Leichen frei. Sie passieren aufgehängte Erwachsene und sogar Kinder, die sich weigerten, das Vaterland zu verteidigen. Durch solche Kulissen begleitet die Kamera den Sherman-Panzer "Fury" und dessen Besatzung. Norman wurde der Crew frisch zugeteilt, weil diese einen Schützen verloren hat. Ein Novum in der Geschichte der fast schon legendären Truppe um "Wardaddy", die schon seit Kriegseintritt der Amerikaner Seite an Seite kämpft. Ohne die großen Ereignisse der letzten Wochen des Krieges im April 1945 auch nur zu anzuschneiden, handelt der Film im Prinzip nur einen Tag ab, einen beschissenen Tag in einem beschissenen Krieg.

In seinen großen Bildern greift Ayer auch eine Vielzahl von Themen auf. So spielt Glaube eine Rolle, der Generationskonflikt unter den Soldaten, in einer beklemmenden Kammerspiel-Episode in der Wohnung zweier Frauen wird der Umgang mit den Besiegten seziert. Es ist viel, was sich der Filmemacher da aufbürdet. Auch ein 134-Minuten-Film kann dem nur schwerlich gerecht werden.

Trotz all den bedeutungsschwangeren Seitenblicken bekommt der Kampfeinsatz viel Raum. Wie in den großen U-Boot-Filmen der Vergangenheit bedrückt dabei die Enge in einem solchen Panzer. So dokumentiert der Film einige grandiose Gefechte mit überlegenen deutschen Panzern oder am Ende mit einem ganzen SS-Battaillon. Heroisch wird dieses in Schach gehalten. Der vorherrschende Spannungs-Grad und die großartig gespielte Besatzung lassen vergessen, dass Ayer auf dem Höhepunkt seines Filmes alles Vorherige mit Füßen tritt: Vorbei ist es mit der Feinfühligkeit, am Ende kracht es gehörig. Die Feinde verlieren ihr Gesicht, Helden werden geboren. Das wirkt nach dem Verlassen des Kinos dann doch mehr nach, als die Frage, die Ayer zuvor aufwarf: Nach dem Fernbleiben von Gott in einem solchen Krieg, nach den Grenzen der Kameradschaft, nach Moral und Unmoral, nach Gut und Böse, nach ...

Quelle: teleschau - der mediendienst