Jacob Matschenz

Jacob Matschenz





Die große Narrenfreiheit

Jacob Matschenz gegen Devid Striesow - dieses Schauspielerduell gibt es an den Weihnachtsfeiertagen erstmals im deutschen Fernsehen. Natürlich ist alles ganz harmlos. So harmlos, dass vor allem Kinder einschalten sollten: Der Zweiteiler, in dem Matschenz auf den "Tatort"-Star Striesow trifft, ist eine neue Verfilmung der mittelalterlichen "Till Eulenspiegel"-Legende (25. und 26. Dezember, jeweils 16.15 Uhr). Matschenz spielt den listigen Helden im Narrenkostüm, der gegen den größenwahnsinnigen Lübecker Bürgermeister (Striesow) ankämpft. Im Interview spricht der in diesem Jahr 30 Jahre alt gewordene Matschenz über die eigene Cleverness und andere Talente, über das Manko, nie den Mund halten zu können, sein Schauspielerleben in Berlin und ein klein wenig über Familienplanung.

teleschau: Jacob Matschenz, schon in Weihnachtsstimmung?

Jacob Matschenz: Nein, noch überhaupt nicht. Liegt wohl auch daran, dass das Wetter bis vor Kurzem nicht wirklich winterlich war und erst jetzt die ersten Flocken vom Himmel kommen. Ich habe ehrlich gesagt auch noch gar keine Geschenke.

teleschau: Bringt das Geschenkekaufen Sie denn in Weihnachtsstimmung? Die leuchtende Stadt, der Weihnachtsmarkt, der Glühweinstand ...

Matschenz: Also Glühwein schon mal gar nicht, das finde ich ganz furchtbares Zeug! Und Geschenkekaufen bringt mich auch nicht in Stimmung. Wie Weihnachten fühlt es sich für mich eigentlich immer erst dann an, wenn ich bei meiner Großmutter ankomme und das Räuchermännchen rieche. Das ist tatsächlich so eine Sache, die Weihnachtsstimmung langsam aufkommen lässt.

teleschau: Mögen Sie Weihnachten?

Matschenz: Mittlerweile habe ich mich damit ganz gut arrangiert. Früher habe ich mich mit Weihnachten eher schwer getan.

teleschau: Inwiefern?

Matschenz: Ich fand diesen Kommerz, dieses Unbedingt-etwas-schenken-Müssen und den ganzen Stress, den man sich damit macht, einfach sehr anstrengend. Ich habe mich dem eine Zeitlang einfach entzogen.

teleschau: Was hat Sie in Sachen Weihnachten versöhnlich gestimmt?

Matschenz: Inzwischen sind ja aber überall schon Kinder, und es ist nirgendwo mehr wirklich ein Weihnachten für Erwachsene, sondern eben für die Kleinen.

teleschau: Gibt es bei Ihnen zu Hause Weihnachtstraditionen, die Sie schon seit Ihrer Kindheit kennen?

Matschenz: Wir feiern immer im Familienkreis, nur der Ort, wo gefeiert wird, wechselt alle paar Jahre. Am Anfang werden Geschenke verteilt, dann gibt es Lamm, Rotkohl und Klöße.

teleschau: Was sind Ihre frühesten Kindheitserinnerungen an Weihnachten? Bestimmte Gerüche? Lieder? Filme?

Matschenz: "Die Weihnachtsgans Auguste"! Die wurde bei uns zu Hause immer ganz groß geschrieben. Und "Rennschwein Rudi Rüssel". Und natürlich "Michel aus Lönneberga". Wenn wir Kinder damals kurz vor der Bescherung noch mal ruhig gestellt werden sollten, wurden solche Sachen angemacht.

teleschau: In "Till Eulenspiegel" spielen Sie nun selbst in einem Kinderfilm zu Weihnachten die Hauptrolle. Ist das eigentlich während der Arbeit immer in Ihrem Bewusstsein gewesen: dass das an den beiden Feiertagen für die Kleinen läuft?

Matschenz: Nein, beim Spielen habe ich nicht daran gedacht. Wir wussten natürlich, dass wir es für Kinder machen, und der Sendetermin war auch schon während der Drehzeiten klar. Aber wir hatten das nicht ständig im Kopf, auch nicht Weihnachten an sich. Wir wollten, dass es ein Film wird, der auch über Weihnachten hinaus gezeigt werden kann. Er spielt ja auch im Sommer, von daher könnte man ihn in der warmen Jahreszeit natürlich auch zeigen.

teleschau: Mögen Sie die Figur des Till Eulenspiegel?

Matschenz: Ich hätte mir wirklich in den Hintern gebissen, wenn die Rolle jemand anderes bekommen hätte (lacht). Ich wollte sie unbedingt. Als man mich gefragt hat, habe ich sofort Ja geschrien. Weil es eine gute Gelegenheit war, mal eine ganz freche Figur zu spielen. Till Eulenspiegel ist ja kein Moralist. Er lebt einfach in den Tag hinein, mag die Freiheit, flachst herum. Alle mögen ihn, obwohl er eigentlich ziemlich viel Mist baut. Das zu spielen, hat unheimlich Spaß gemacht, und überhaupt: Es war ein Kindheitstraum von mir, einmal Till Eulenspiegel zu sein.

teleschau: Sie sagten einmal, an der Produktion hätten Ihnen die mittelalterlichen Kostüme besonders gut gefallen - und dass Sie alle an die Wand reden durften, was Sie privat ja auch ganz gut könnten.

Matschenz: (lacht) Das stimmt, ich quatsche schon relativ viel. Ich kann weder den Mund noch die Füße still halten. Das ist einfach ein Teil meines Wesens.

teleschau: Eulenspiegels größte Talente sind seine List und Cleverness. Würden Sie sich diese in ähnlichem Maße attestieren?

Matschenz: Nein, so schlau wie Eulenspiegel bin ich garantiert nicht, weder so listig noch so clever oder so scharfzüngig. Ich könnte die Leute nicht so präzise täuschen. Dazu fehlt mir allein das organisatorische Talent (lacht).

teleschau: Was ist Ihr größtes Talent?

Matschenz: Ach, das sollen andere sagen.

teleschau: Andere würden wahrscheinlich sagen: das Schauspiel.

Matschenz: Ich persönlich finde mich nicht so wahnsinnig gut in dem, was ich mache. Von daher würde ich das nicht als mein großes Steckenpferd bezeichnen. Ich habe ein gewisses Talent dafür, ja, klar, sonst würde ich diesen Job nicht schon so lange machen, obwohl ich nie an einer Schauspielschule war. Aber ich habe in meinen Augen auch nicht mehr Talent als andere.

teleschau: Viele Jahre haben Sie sich davor gescheut, sich als Schauspieler zu bezeichnen, weil Sie keine Ausbildung als solcher hatten. Nach all den Erfolgen hat sich das aber sicher gelegt, oder?

Matschenz: Mittlerweile bin ich schon so weit, dass ich sage: Ja, ich bin Schauspieler. Aber ich weiß auch, dass ich noch viel Arbeit vor mir habe. Bestimmte Dinge liegen mir schon ganz gut, die kann ich bedienen, aber ich bin mir bewusst, dass ich auch Defizite habe. Wobei es mir auch Spaß macht, daran zu arbeiten.

teleschau: Was ist denn derzeit für Sie das Schönste am Schauspielerdasein?

Matschenz: Man hat die Möglichkeit, in Bereiche reinzuschnuppern und an Orte zu gelangen, an die viele Nicht-Schauspieler nicht so schnell kommen würden. Ob das jetzt alte Stollen unter Tage sind, U-Boote oder eben ein Mittelalterdorf wie in "Till Eulenspiegel". Auch die Aufgabe, sich immer wieder in das Leben verschiedener Menschen hineinzuversetzen und sie zu sein, finde ich extrem spannend.

teleschau: Was ist mit dem Ruhm?

Matschenz: Na ja, ich werde ja nicht täglich auf der Straße angesprochen.

teleschau: Aber immer öfter, oder nicht?

Matschenz: Halbjährlich passiert das vielleicht mal, und dann weiß ich auch, dass gerade irgendein Film mit mir wiederholt wurde (lacht). Ich bin ganz froh darüber, dass es so ist, wie es ist. Es ist gut so. Und reich werde ich durch diesen Job auch nicht. Allein, weil ich mit Geld so schlecht umgehen kann.

teleschau: Sie leben heute in Berlin-Pankow, wohnten zuvor im Schauspieler-Bezirk Mitte. Wurde es irgendwann Pankow, weil Mitte Ihnen doch zu hip war?

Matschenz: Auch. Meine WG hatte sich damals mehr oder weniger aufgelöst, und ich mag Pankow schon auch sehr gerne, allein, weil es dort so schön grün ist.

telschau: Wie muss man sich ihre Schauspielerwohnung vorstellen?

Matschenz: Unaufgeräumt (lacht).

teleschau: Ganz schlicht und mit Schwarz-weiß-Fotografien an den Wänden? Oder eher modern, und überall sind Flachbildfernseher und iPhone-Zubehör?

Matschenz: Ein iPhone habe ich, auch einen Fernseher und eine Konsole - das war's an Technik aber auch schon. Schwarz-Weiß-Fotografien habe ich nur eine. Ein Bild von einem alten Mann mit Bart.

teleschau: Sie sind in diesem Jahr 30 geworden, haben Kinderfilmerfahrung, spielten in "Till Eulenspiegel" den Vater einer kleinen Tochter. Denken Sie schon an eigene Kinder?

Matschenz: Es gehören ja immer zwei zum Kindermachen (lacht). Solange man das nicht hat, fällt das mit den Kindern auch weg. Aber ein paar Kinder irgendwann mal fände ich schon schön. Ich sag mal so: Wenn's kommt, dann kommt's (lacht).

Quelle: teleschau - der mediendienst