Andy Borg

Andy Borg





Handwerker der alten Schule

"Weihnachten lass ich mir nicht nehmen," sagt Andy Borg. "Es ist mein Fest, ich liebe es!" Was auf seinem Wunschzettel steht, hat der Entertainer der Öffentlichkeit auch schon mitgeteilt: Der leidenschaftliche Facebook-Post, in dem sich Borg für den Fortbestand seines "Musikantenstadls" stark machte, schlug im Herbst Wellen. Am liebsten, sagt er nun, wäre es ihm, wenn man im Interview einen Bogen um das Aufregerthema machen könnte: "Steht ja alles in dem Statement drin." Aber so ganz kommt der Sänger ("Die berühmten drei Worte", "Adios Amor") natürlich nicht daran vorbei, denn nicht nur Weihnachten steht vor der Tür, sondern eben auch der "Silvesterstadl" (31.12., 20.15 Uhr, ARD), und spätestens dann kommen wieder die alten Fragen auf - von wegen Quote und Überalterung. Schön ist das nicht, wenn man immer wieder aufs Neue in Frage gestellt und einem immer wieder dasselbe vorgebetet wird, man kann nachvollziehen, warum der 54-Jährige seinem Ärger im Herbst Luft machte. Denn Borg, der die Moderation des "Musikantenstadls" 2006 von Karl Moik übernahm, macht einen guten Job und liefert seiner nach wie vor sehr treuen Zielgruppe solide Unterhaltung frei Haus.

teleschau: Weihnachten steht vor der Tür, die stade Zeit, wie es so schön heißt ...

Andy Borg: Und ich freu mich schon wie narrisch darauf! Daheim bin ich nämlich der Weihnachtsfreak, müssen Sie wissen.

teleschau: Aber kommen Sie überhaupt zur Ruhe, wenn Sie den "Silvesterstadl" vorbereiten müssen? Zudem startet schon am 12. Januar Ihre "Stadltournee".

Borg: Viel Arbeit, ja. Aber Weihnachten lass ich mir nicht nehmen, es ist mein Fest, ich liebe es! Ich übernehme bei uns auch die komplette Deko: Wir haben sehr viel Handgemachtes aus dem Erzgebirge - herrlich. Meine Frau Birgit ist deshalb ganz froh, dass ich nebenher noch ein bisserl was anderes zu tun habe und mir nicht so viel Zeit bleibt, das komplette Haus umzugestalten (lacht).

teleschau: Schenken Sie sich nach über 20 Jahren noch etwas?

Borg: Ja, weil es zu Weihnachten einfach dazu gehört - aber eigentlich nur Kleinigkeiten. Jedenfalls nehmen wir uns das jedesmal vor, wie das bei Leuten, die zu ihrem Glück schon alles haben, eben so ist.

teleschau: Müssen Sie mit dem Essen aufpassen, schließlich stehen Sie wenige Tage nach dem Fest wieder vor der Kamera?

Borg: Ich müsste vielleicht, aber ich tu's eher nicht. Meine Frau kann als echte Oberpfälzerin natürlich hervorragend kochen - Heiligabend gibt's diesmal Raclette. Und ich glaube leider nicht, dass ich das mit dem bisschen Spaziergehen kompensieren kann (lacht).

teleschau: Im Gegensatz zu Weihnachten haben Sie Silvester seit Jahren keine Ruhe mehr. Wie ist das, wenn man seinen Jahreswechsel vor der Kamera feiert?

Borg: Wenn ich ehrlich bin: Silvester ist ein guter Tag zum Arbeiten.

teleschau: Wie bitte?

Borg: Ja, wirklich: Mir fehlt nichts! Der Jahreswechsel ist für uns nicht so etwas Heiliges wie Weihnachten, wo wir wirklich für uns sein wollen. Wir brauchen kein privates Silvester. Mehr als ein Glaserl spät in der Nacht wird's auch diesmal kaum werden, denn normalerweis bin ich nach so einer langen Sendung wirklich fix und fertig.

teleschau: Wollen Sie es denn nicht auch mal krachen lassen, so wie alle anderen?

Borg: Nein. Denn, wissen Sie, mein Beruf bringt es ja mit sich, dass ich sehr oft, und nicht nur an Silvester, mit Feierlichkeiten, mit Stimmung, Musik und guter Laune, konfrontiert bin. Da ist ja immer irgendwie Party (lacht).

teleschau: Silvester wollen die Zuschauer mehr als an jedem anderen Fernsehabend bespaßt werden. Ist die Moderation des "Silvesterstadls" eine besondere Herausforderung, weil Sie eine konkrete Erwartungshaltung erfüllen müssen?

Borg: Ja, auf jeden Fall. Da sitzen natürlich die Leute daheim auf der Couch und sagen: "So, jetzt mach mal a Party!" Aber die Atmosphäre ist sowieso jedesmal besonders bei uns, weil sehr viele Künstler und die Mitarbeiter ihre Familien dabei haben. Da schaukelt sich so ein Abend von allein in die richtige Stimmung ... Also, ich bin ganz sicher: Hinterher klopfen's mir alle auf die Schultern und sagen: "Hey, super Show!" (lacht) Und jetzt wollen's die Wahrheit wissen, oder?

teleschau: Und ob!

Borg: Natürlich hab ich Bammel. Mein Lampenfieber geht einfach nicht weg, ich werd' damit leben müssen.

teleschau: Wie beruhigen Sie sich vor einer Sendung?

Borg: Indem ich mich in den letzten Minuten vorher total abschotte. Dann sitz ich in einem Raum - nur noch die Maskenbildnerin, die Kostümbildnerin und meine Frau sind anwesend. Sonst darf niemand rein, ich würde sofort narrisch werden. Ich mache Späße, bin der Kasperl - das Einzige, was mich ablenkt. Und dann gibt's noch ein Busserl von meiner Frau. Wenn ich auf Tour einen Auftritt habe, bin ich immer möglichst zwei Stunden vorher da, um so viel Atmosphäre wie möglich aufzusaugen. Dann spüre ich, dass die Leute wegen mir gekommen sind, dass sie sich Karten gekauft und vielleicht schick gemacht haben - das inhaliere ich, das hilft mir.

teleschau: Scheint zu funktionieren. Sie wirken auf der Bühne und vor der Kamera seit jeher entspannt und gut drauf.

Borg: Nur nicht daheim - fragen Sie mal meine Frau (lacht). Morgens nach dem Aufstehen kann ich schon echt grantig sein. Spaß beiseite: Ich bin ein positiver Mensch, und dass man das auch so vermittelt bekommt, hat sicher auch mit Professionalität zu tun. Aber mir fällt es nicht besonders schwer, in dieser Art professionell zu sein. Weil ich meinen Beruf liebe und ihn als Handwerk verstehe: Ich muss den Leuten liefern, was sie von mir erwarten - auch gute Laune.

teleschau: Fühlten Sie sich schon immer dazu berufen, andere Leute zu unterhalten?

Borg: Aus heutiger Sicht würde ich ja sagen. Mit sieben Jahren bekam ich ein Akkordeon zu Weihnachten, und ich merkte damals ganz schnell, dass die Leute dahinschmelzen, wenn ich anfange, zu spielen. Meine Oma war die Erste, bei der das geklappt hat - dann kam die ganze Familie, und dann, na ja ... Sie wissen, was ich sagen will. Es ist mir einfach eine Freude, die anderen zu unterhalten.

teleschau: Wenn Sie sich entscheiden müssten: Würden Sie lieber nur noch moderieren oder sich als Schlagersänger verdingen?

Borg: Die Entscheidung fällt eindeutig aus: Dann würde ich lieber singen. Ich bin in erster Linie ein Sänger, und das mit Leidenschaft. Als Sänger kriegt man mehr zurück, man kommt näher an die Menschen ran. Aber Moderator und Schlagersänger, das liegt in meinem Fall jetzt auch nicht so weit auseinander. Das fühlt sich für mich auch nicht nach einem faulen Kompromiss an, weil ich ja beides gleichermaßen auslebe.

teleschau: Ihr Sternzeichen ist Skorpion. Skorpione sind auch nicht gerade berühmt für ihre ausgeprägte Kompromissfähigkeit.

Borg: (lacht) Ach was? Ich beschäftige mich damit nicht. Aber meine Frau sagt immer, ich sei ein typischer Skorpion: nämlich ein Morgenmuffel, und wenn er mal grantig ist oder an der Wand steht, dann sticht er mit seinem Stachel zu!

teleschau: Sehen Sie sich selbst auch so?

Borg: Überhaupt nicht. Ich habe eine sehr hohe Toleranzschwelle, aber die Toleranz fordere ich natürlich auch von allen anderen ein.

teleschau: Wie zuletzt in einem leidenschaftlichen Statement, in dem Sie sich für den Erhalt des "Musikantenstadls" über das Jahr 2015 hinaus stark machten. Ihr Facebookpost hat Staub aufgewirbelt!

Borg: Ja, und er hat vielleicht nicht jedem gefallen. So ein Vorgehen ist auch eine Geschmacksfrage - dem einen gefällt der Stil, dem anderen nicht. Aber ich würde es sofort wieder ganz genauso machen - weil die Worte aus meinem tiefsten Inneren kommen.

teleschau: Warum hatten Sie sich zu dem Vorstoß entschlossen?

Borg: Nun, ich sehe es zunächst als meine Berufung an, Auftritte zu machen, und ich bin bestimmt nicht der größte Rhetoriker - gerade wenn es um solche brisanten Dinge geht. Deshalb habe ich lange geschwiegen, obwohl da diese Gerüchte um die Stadl-Zukunft kursierten und ich immer häufiger gefragt wurde, ob ich denn sagen könne, wie es nun 2016 weitergeht - ich frage mich das ja auch. Also habe ich mich eben irgendwann hingesetzt und mir in aller Ruhe überlegt, wie ich das formuliere, was ich zu sagen habe ... Es hat lange gedauert, gebe ich zu, aber dafür stehe ich nun zu jedem einzelnen Wort.

teleschau: Man hatte den Eindruck, dass Ihnen der Kragen geplatzt sein muss. Waren Sie es leid, dass Ihnen ständig die Quoten vorgerechnet werden und Sie immer wieder hören und lesen müssen, dass das, was Sie tun, nicht mehr zeitgemäß ist?

Borg: Das klingt mir zu kämpferisch. In Wahrheit ist es unspektakulärer. Alles was ich wollte, war, mich zu Wort zu melden, bevor alle Entscheidungen gefallen sind. Nicht mehr und nicht weniger. Was die Quoten angeht, sitze ich ein bisschen zwischen zwei Stühlen: Einerseits würde ich mich am liebsten nur als Handwerker sehen, als Musikant, der die Leute unterhält - das ist mein Anliegen, eigentlich keine große Sache.

teleschau: Und auf der anderen Seite?

Borg: Habe ich mit der Sendung auch Verantwortung. Da sind die Künstler, für die wir eine Plattform sind, all die Leute, die mitarbeiten, und außenrum gibt es drei Sender aus drei Ländern, drei Redaktionen, viele Leute, die Statistiken aufstellen und für die die Zahlen wichtig sind. Das ist so gigantisch und steht natürlich im Widerspruch zur kleinen Ursprungsidee "Künstler unterhält Publikum". Wenn ich das hier sagen darf: Ich finde, ich bin kein schlechter Entertainer, ich versuche jedenfalls meinen Job so gut wie möglich zu machen. Alles andere, die Quoten, kann ich nicht beeinflussen. Bei meinen Konzerten, auf Tour, ist es anders: Da beeinflusse ich im Grunde alles, und ich bin stolz darauf, dass wir als verlässlicher Partner gelten und gerne gebucht werden.

teleschau: Sie freuen sich so richtig auf die "Stadltournee", stimmt's?

Borg: (lacht) Total! Vor einem Publikum auf der Bühne zu stehen, ist das höchste. Ob Sporthalle oder Feuerwehrfestzelt: Ich empfinde jeden Abend als großes Kompliment, als Balsam für die Seele.

Quelle: teleschau - der mediendienst