Hilary Swank

Hilary Swank





Hinfallen und wieder aufstehen

Es erstaune sie noch heute, dass sie nun von all diesen berühmten Menschen umgeben sei. Sie, Hilary Swank, die in einer Wohnwagensiedlung aufwuchs und als 15-Jährige sogar einige Wochen in einem Auto lebte. Da waren sie und ihre Mutter gerade nach Los Angeles gezogen, weil Judy Swank, frisch geschieden, fest an das Talent ihrer Tochter glaubte. Von einem Münztelefon aus bettelte die Sekretärin Agenten um Agenten an, dass sie ihre Hilary doch in ihre Kartei aufnehmen mögen. Mittlerweile ist Hilary Swank 40 Jahre alt, zweifache Oscarpreisträgerin und Inhaberin einer eigenen Produktionsfirma. Dass der Weg dorthin nicht einfach war, hat die Hauptdarstellerin aus Tommy Lee Jones' neuen Western "The Homesman" (Start: 18.12.) nicht vergessen: "Habt niemals Angst davor, auf die Nase zu fallen", riet sie aufstrebenden Jungschauspielern kürzlich bei einer Preisverleihung.

Im Grunde genommen baute die komplette Hollywoodkarriere von Hilary Swank auf einem Rückschlag auf: Todunglücklich war sie 1998, als die Figur, die sie in der achten Staffel von "Beverly Hills, 90210" spielte, nach nur 16 Episoden aus der Serie geschrieben wurde - sie war zu unbeliebt bei den Fans. Doch wäre ihr Vertrag nicht vorzeitig aufgelöst worden, hätte die damals 24-Jährige nicht die Hauptrolle in Kimberly Peirce' Transsexuellendrama "Boys Don't Cry" (1999) annehmen können. 3.000 US-Dollar bekam Swank damals für das Engagement - und ihren ersten Oscar.

Das Mädchen aus Nebraska, das sein Schauspieldebüt im Alter von neun Jahren als Mogli in einer Schulproduktion von "Das Dschungelbuch" gab, war auf einmal berühmt, spielte plötzlich an der Seite von Cate Blanchett und Keanu Reeves ("The Gift", 2000), Al Pacino und Robin Williams ("Insomnia", 2002). Eine aufregende neue Welt, an die sich die 1,68 Meter große Brünette noch immer nicht nicht gewöhnt hat: Auch nach all den Jahren habe sie vor dem ersten Drehtag Schmetterlinge im Bauch, gestand Swank zuletzt in einem CNN-Interview. "Es ist wie der erste Schultag: Ich kann in der Nacht davor nicht schlafen und hoffe, dass ich mit jedem zurechtkommen werde."

Auch der Rummel, der mit ihrem Job verbunden ist, wurde für Hilary Swank nie zu etwas Alltäglichem. Selbst nachdem sie für ihre Hauptrolle in Clint Eastwoods Meisterwerk "Million Dollar Baby" (2004) ihren zweiten Oscar gewonnen hatte, erledigte sie ihre Wege in ihrer damaligen Wahlheimat New York am liebsten per U-Bahn: "Ich denke, in dem Moment, in dem wir den Bezug zum wahren Leben verlieren; in dem wir aufhören, uns unter Menschen zu begeben, können wir nicht mehr deren Geschichten erzählen", zitierte "The Hollywood Reporter" sie kürzlich.

Ihre ganz eigene Geschichte umfasst neben großen Triumphmomenten auch ein Kapitel über gescheiterte Beziehungen: Von Chad Lowe, den sie 1997 kurz nach den gemeinsamen Dreharbeiten zur Komödie "The Way We Are" heiratete, trennte sie sich 2006. Damals munkelte man, dass der Fernsehschauspieler sich nicht mit dem Ruhm seiner Frau abfinden konnte. Danach lebte Swank fünf Jahre mit ihrem Agenten John Campisi zusammen, seit der Trennung 2012 ist sie mit dem Franzosen Laurent Fleury liiert.

Ein für Hollywoodverhältnisse noch recht unspektakuläres Liebesleben, dass der Darstellerin in den letzten Jahren dennoch mehr mediale Aufmerksamkeit verschaffte als ihre Filmprojekte - neben einem unglücklichen Auftritt auf der Geburtstagsfeier des umstrittenen tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow, für den die frühere Schwimmerin 2011 öffentlich Abbitte leistete. Nur einen Film pro Jahr drehte Swank zuletzt, etwa 2009 und 2010 die wenig erfolgreichen Biopics "Amelia" und "Betty Anne Waters" oder 2011 die kaum erwähnenswerte Episoden-Romanze "Happy New Year". "Ich habe einfach keine Rollen gefunden, die mich ansprachen", beklagte die Schauspielerin jüngst in einer Fragestunde mit Studenten der Loyola Marymount University School of Film & TV: "Zwar gibt es auf dieser Welt zwei Geschlechter, die beide fesselnd, interessant, facettenreich und auf ihre Art wunderbar sind, aber trotzdem scheint es nur männliche Rollen im Überfluss zu geben."

Sie "liebe, liebe, liebe" ihre Arbeit, jedoch nicht das Business: "Warum beispielsweise ist die Gage meines männlichen Gegenparts zehnmal höher als meine? Nicht das doppelte, nein, das zehnfache Gehalt für die gleiche Arbeit? 'Wir haben für die Hauptdarstellerin nur noch so und so viel übrig', bekommt man dann zu hören."

Verständlich, dass sich die Amerikanerin mit deutschen, indianischen und britischen Wurzeln mit Mary Bee Cuddy, ihrer Figur im Westerndrama "The Homesman", so verbunden fühlt. Nicht nur, weil jene Mary Farmerin ist und Swanks Vorfahren über Generationen selbst Felder bestellten: "Sie ist autark und unabhängig, eine moderne Frau in vielerlei Hinsicht", schwärmte die 40-Jährige einem Reporter von "Vulture" vor. "Mit einer solchen Frau können viele Menschen heutzutage noch nicht umgehen." Vielleicht gelingt es Swank tatsächlich, etwas daran zu ändern. Wenn nicht als Darstellerin, dann womöglich als Produzentin. Schließlich haben sie und ihre Produktionspartnerin Molly Smith sich zum Ziel gesetzt, mit ihrer Firma 2S "frauengetriebene Projekte zu entwickeln und zu produzieren, die bodenständige Charaktere mit all ihren Makeln zeigen." Eine Kategorie, zu der sich Hilary Swank wohl auch selbst rechnen würde.

Quelle: teleschau - der mediendienst