Café Olympique - Ein Geburtstag in Marseille

Café Olympique - Ein Geburtstag in Marseille





Ariane macht Ferien vom Ich

Ariane (Ariane Ascaride) ist Ehefrau und Mutter im besten Alter und doch an ihrem Geburtstag einsam: Alle haben abgesagt. Da beschließt sie, ihr Glück selbst in die Hand zu nehmen. Sie fährt ans Meer. In Marseille lernt sie freundliche Menschen kennen, lässt sich treiben, hilft anderen und findet neue Talente an sich. Sie kellnert im titelgebenden "Café Olympique", übernachtet in einem Boot und hat einen neuen tierischen Freund, mit dem sie sich gut unterhält: eine Schildkröte.

Die Wärme und Sorglosigkeit Südfrankreichs bestimmt den Ton dieser französischen Komödie. Chansons spielen eine Rolle und viel Emotionalität, die hin und wieder in Gefühlsduselei übergeht. Regisseur Robert Guédiguian ("Der Schnee am Kilimandscharo") wollte improvisieren, Dinge spielerisch angehen und lösen. Er erlaubt den Schauspielern zu übertreiben, zu toben. Sogar den drei Schildkröten bescheinigt er "Talent für die Komödie". Er wollte sie gerne sprechen lassen, damit derjenige, der noch nie mit einem Tier gesprochen hat, den ersten Stein auf ihn werfe.

Guédiguian ist nie um eine Antwort verlegen, er zitiert, er verbeugt sich vor anderen Künstlern und bemalt höchst vergnügt seine bunte Leinwand am Strand. Bereits seit den 80er-Jahren arbeitet er als Regisseur und Autor, immer wieder mit seiner Ehefrau Ariane Ascaride, die auch in dieser Fingerübung als Schauspielerin im Mittelpunkt steht.

Mit vorsichtigen Schritten tippelt sie wie eine Alice in ihr Wunderland. Sie trägt dazu die richtige Kleidung, alles an ihr wirkt verspielt. Sie hat den perfekt verschreckten Blick und auch das nötige Kleingeld in der Handtasche, um eine Spritztour an den Hafen zu machen. Die Leichtigkeit, die geschaffen werden soll, drückt sich oft sehr direkt aus. Menschen tanzen beim Warten auf die Überfahrt, ein junger Mann nimmt Ariane mit zu einem Ausflugslokal, weil sie ein bisschen Hunger hat, wie sie ihm erzählt.

Ob es der Rotbarsch des Wirtes war oder der Chanson, den er spielt, wird nicht vertieft. Da eine Arbeitskraft fehlt, springt die geschickte Ariane ein, unterstützt beim Bedienen. Sie lernt die Menschen und ihre Probleme kennen. Sie bleibt für ein paar Tage an dem wunderbar irrealen Ort, gibt der Schildkröte ein neues Zuhause und will eigentlich allen immer helfen.

Was ist das für eine Geschichte? Der Regisseur meint, man würde schnell merken, dass alles nur ein Traum ist. Und eigentlich eine Hommage an alle Selbstlosen. Mancher hat vielleicht etwas gebraucht, um darauf zu kommen. Wer französische Filme kennt, weiß, dass da vieles möglich ist. Manches ergibt aber nicht unbedingt einen Sinn.

Quelle: teleschau - der mediendienst