Exodus: Götter und Könige

Exodus: Götter und Könige





Irrweg ins Gelobte Land

Schlimmer geht immer: Auch der zweite alttestamentarische Bibelfilm in diesem Jahr ist ein epochaler Fehlschlag. Hatte Darren Aronofsky in seinem brachialen Öko-Epos "Noah" im Frühjahr wenigstens noch ein weltverbesserndes Anliegen, so fehlt Ridley Scotts Weihnachts-Blockbuster "Exodus - Götter und Könige" jegliche Sinnhaftigkeit. Der große Regisseur erzählt die Geschichte von Moses und der Flucht der Israeliten aus Ägypten in einem kleinmütigen Film. Epische 3D-Bilder und monströse Spezialeffekte können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es nichts von Belang in den zweieinhalb Stunden gibt. Da helfen auch große Namen vor der Kamera, wie Christian Bale, Sigourney Weaver und Ben Kingsley, nicht. Interessant ist lediglich eine Randfigur: Gott, der hier als dickköpfiger Rotzlöffel dargestellt wird.

Man muss es ganz klar sagen: "Exodus" ist ein nichtssagender Film. Der mittlerweile 77-jährige Ridley Scott, der sich selbst als Agnostiker bezeichnet, inszenierte die Moses-Geschichte in drei Akten: Moses (Christian Bale) am Hof des Pharaos, Moses wird verbannt und findet Familie und Gott in der Wüste, Moses wird zum Anführer der Israeliten und führt sein Volk in die Freiheit.

Moses' Konflikte? Gibt es im Prinzip nicht: Er wurde halt vertrieben und muss sich nun arrangieren. Das macht er auch ganz gut mit der schönen Ziegenhirtin Zipporah (María Valverde). Ein bisschen Folklore, schöne Menschen - Moses' Leben ist recht angenehm, bis er Gott trifft. Der kommt in Gestalt eines zehnjährigen Bengels daher und stiftet Moses zur gesellschaftlichen Unruhe an.

Der Prophet entdeckt den Glauben, startet einen Untergrundkrieg, und dann sind schon fast zwei Stunden um, und es muss alles ganz schnell gehen. Weil Scott für Moses' Zeit als Prinz von Ägypten viel Zeit verwendet und sich immer wieder auf Nebenschauplätze verirrt oder seine epischen Bildkompositionen in aller Ausführlichkeit feiert, werden die zehn Plagen dann relativ zügig abgehandelt, genau wie der Auszug der Israeliten aus Ägypten.

Natürlich wartet man vor allem darauf, dass das Meer geteilt wird. Das ist allerdings enttäuschend: Christian Bale wirft einfach sein Schwert ins Wasser. Was die Computereffektspezialisten dann veranstalten, ist durchaus ansehnlich, aber ein paar Wochen nachdem "Der Hobbit" im Kino startete, nicht wirklich beeindruckend.

Genau hier liegt Ridley Scotts Dilemma: Visueller Bombast ist im Kino von heute Discountware. CGI-Effekte gehören zu den Grundbausteinen von Blockbusterfilmen. Weil es schwerer geworden ist, das Publikum in ein echtes Staunen zu versetzen, muss es eigentlich die Geschichte richten. Doch die ist in "Exodus" uninspiriert. Das Drehbuch handelt brav die Stationen in Moses' Leben ab. Die inneren Konflikte, die diese biblische Figur hätten spannend machen können, bleiben Randnotizen, für Zwischentöne bleibt keine Zeit.

Wohlwollend könnte man sagen, dass "Exodus" in seinen guten Momenten wie ein großer Kinofilm aus in den 50-ern wirkt: jede Einstellung, jeder Satz ist ein Monument. Doch wirkt der Gigantismus, der "Die Zehn Gebote" (1956) noch zu einem überragenden Moses-Film machte, komplett aus der Zeit gefallen, genau wie das aberwitzige Kostüm- und Maskenbild: die Augen geschminkt, die Haut gebräunt, die Gewänder goldig. Man sieht genau, wer gut ist, wer böse, wer verschlagen. Dass die erstklassigen Darsteller bei so vielen Klischees latent unterfordert sind, ist nur logisch. Christian Bale als Moses und Joel Edgerton als Ramses können einem fast schon leid tun. Arme Könige.

Nur Gott, der durch einen zehnjährigen Trotzkopf spricht, ist wirklich eine Nummer in "Exodus": Moses streitet mit dem Bengel über Strategie und Taktik, die Israeliten zu befreien, bittet ihn in endlosen Zwiegesprächen um Nachsicht und Milde. Er will an ihn glauben, wie es sein Volk tut und ist dabei immer allein. Gott ist, was wir in ihm sehen: Zumindest dieses treffliche Gleichnis ist Ridley Scott gelungen.

Quelle: teleschau - der mediendienst