Nina Kronjäger

Nina Kronjäger





"Ich war schon immer extrem schüchtern"

Nina Kronjäger, 47, ist der größte Winnetou-Fan der Welt! Na ja, nicht ganz: Maren Bogner ist es, die Kronjäger im ARD-Film "Winnetous Weiber" (Samstag. 20. Dezember, 20.15 Uhr, im Ersten) spielt. Zusammen mit ihrer Tochter und drei weiteren Damen geht Maren auf Spurensuche an den legendären Karl-May-Spielorten in Kroatien. Ein Abenteuerurlaub, der Folgen haben soll. Im Interview spricht Kronjäger über ihre eigenen Helden, Jugendsünden, Schüchternheit und Stärken, Erziehung ihrer Zwillinge und Zukunftswünsche.

teleschau: Nina Kronjäger, erinnern Sie sich an Ihren ersten Helden? Zu wem haben Sie schon als Kind aufgeschaut?

Nina Kronjäger: Meine ersten Helden waren die Beatles. Lag wohl auch an dem Elternhaus, in dem ich aufgewachsen bin.

teleschau: Wie weit ging Ihr damaliges Fan-Dasein?

Kronjäger: So gewaltig war das nicht. Ich habe nur ein bisschen geschwärmt, vielleicht auch verehrt. Das aber vor allem auch, weil ich mich mit irgendetwas identifizieren wollte. Als Kind war ich gar nicht so sehr veranlagt, ein richtiger Fan zu sein. Als Jugendliche schon eher.

teleschau: Erzählen Sie!

Kronjäger: Ich hab es fertiggebracht, dass ich zusammen mit einer Freundin heimlich zu einem Konzert der Gap Band geschlichen bin. Wir waren 14, ein bisschen durchgedreht und haben uns tatsächlich durch den Bühneneingang reingeschmuggelt.

teleschau: Warum gerade die Gap Band?

Kronjäger: Weil die verkörpert haben, was bei uns zu Hause eigentlich verpönt war. In meinem Haushalt ging es damals etwas spröde zu, und als Jugendliche mit Hormonumschwüngen war diese Band sehr interessant. Ich wollte plötzlich selbst schwarz sein und habe meine Oma damit geschockt, dass ich ihr erzählt habe: Ich kriege auf keinen Fall weiße Kinder!

teleschau: Sie wollten provozieren.

Kronjäger: Das war das Konzept: Ich wollte Aufmerksamkeit erregen. Ich brauchte damals einfach eine Kehrseite zu dem braven Leben, das ich an sich führte. Kinder und Jugendliche haben ein Gespür dafür, was gerade falsch läuft, und bei mir war es so, dass ich die Widersprüche in meiner Familie, das unaufgearbeitete Zeug, geahnt habe, und darauf eben provokant reagiert habe.

teleschau: Vielleicht wären Sie als Jugendliche selbst gerne eine Heldin gewesen, die alles sofort zum Guten wenden kann.

Kronjäger: Kann sein. Wenn, dann auf jeden Fall nicht so ein typisch amerikanischer Actionheld.

teleschau: Was musste ein Held für Sie können?

Kronjäger: Helden waren und sind für mich Menschen, die zunächst aus einer nicht privilegierten Situation kommen.

teleschau: Zum Beispiel?

Kronjäger: Die Inderin Phoolan Devi (1963 - 2001; d. Red.), die als Elfjährige verheiratet, mehrfach vergewaltigt und später von Banditen entführt wurde. Irgendwann wurde sie selbst zur Banditin und setzte sich mit ihren Raubzügen für die Armen ein. Als sie gefasst wurde, kam sie ohne eine Gerichtsverhandlung für elf Jahre ins Gefängnis, weil die Verantwortlichen fürchteten, dass in einer Verhandlung auch die Misshandlungen Phoolans durch die Polizei ans Licht kommen würden. Als Phoolan wegen ihrer Krebserkrankung begnadigt wurde, war sie als Menschenrechtlerin tätig und setzte sich vor allem für die Rechte der Frauen ein. 2001 wurde sie ermordet. Sie ist für mich eine Heldin.

teleschau: Man muss also erst mal eine extreme Lebensleistung erbringen, um für Sie heldenhaft zu sein?

Kronjäger: Zumindest imponiert es mir, wenn jemand etwas Größeres im Sinn hat und durch einen Drang nach Gerechtigkeit angetrieben wird. Deswegen sind Kinder Helden für mich: Die wollen auch immer Gerechtigkeit und begreifen deshalb nicht, wie ungerecht die Welt ist, in der wir leben. Ich muss aufpassen, dass ich meinen Kindern nicht zu viel erzähle, zum Beispiel, dass ihre Hosen unter menschenunwürdigen Zuständen in Bangladesch hergestellt werden, obwohl sie von diesem geliebten Modekonzern kommen. Sie können diesen Widerspruch nicht verstehen, dass wir solche Zustände überhaupt zulassen.

teleschau: Wann haben Sie sich denn selbst zum ersten Mal als starke, vielleicht sogar heldenhafte Frau wahrgenommen?

Kronjäger: Wenn, dann habe ich mich eher im Nachhinein so gefühlt. Ehrlich gesagt: Ich war schon immer extrem schüchtern.

teleschau: Wie bitte?

Kronjäger: Es stimmt. Schon auf der Schauspielschule habe ich es zum Beispiel immer gehasst, etwas vorzutragen. Erst als ich gemerkt habe, dass ich diese Schüchternheit überwinden und tatsächlich etwas auf der Bühne erschaffen kann, dachte ich: Ich bin wohl stärker, als ich vermutet habe.

teleschau: In "Winnetous Weiber" spielen Sie nun Maren Bogner, eine Mutter, die ein Riesen-Fan ist: von Winnetou. Bei ihr scheint das Fan-Dasein jedoch auch gefährlich zu sein.

Kronjäger: Das ist es immer, wenn der Held alles hat, was man selbst nicht haben kann. So wie bei Maren im Film, die in einem Haushalt aufgewachsen ist, in dem nicht besonders systemkritisch gedacht wurde, eher angepasst und kleinbürgerlich, nach dem Motto: Du musst was schaffen und dir was aufbauen im Leben. Und Maren hat sich in ihrer Situation einfach auf diesen einen Typen festgelegt, der eben alles schaffen kann.

teleschau: Außerdem ist sie Fan ihrer Tochter, die trotz erwachsenen Alters immer noch bei ihr wohnen darf und sogar soll.

Kronjäger: Bei den beiden ist es schon keine normale Mutter-Tochter-Bindung mehr. Hier ist die Tochter schon zu einer Art Partnerin geworden. Das beobachte ich oft, auch dass Kinder immer schauen, dass es ihren Eltern gut geht. Wenn es dann noch allerziehende Mütter oder Väter sind, haben die Kinder natürlich besonders viel zu tragen.

teleschau: Ihre eigenen Kinder, Zwillinge, sind mittlerweile elf Jahre alt. Kennen Sie selbst das Gefühl des Nicht-Loslassen-Könnens?

Kronjäger: Ja, klar. Man versucht dann immer Dinge von seinen Kindern fernzuhalten, Dinge wie zum Beispiel Abschiede. Ich weiß, dass meine Kinder einen Schmerz spüren, wenn sie sich von ihrem Vater oder von mir verabschieden müssen. Und es erleichtert mich ungemein, wenn ich merke, dass sie das immer besser hinkriegen.

teleschau: Welche Helden haben Ihre Kinder denn derzeit? Oder sind womöglich Sie ihre größte Heldin?

Kronjäger: Ich weiß nicht, ob meine Kinder zu mir aufschauen. Ich weiß nur, dass ihnen ihre Eltern heilig sind. Das äußert sich zum Beispiel darin, dass sie mir so was sagen wie: Mama, du bist die Schönste! Ansonsten sind ihre Helden eher Figuren von drumherum. Bei meiner Tochter geht es gerade los mit Sängerinnen wie Miley Cyrus ...

teleschau: Und Helene Fischer?

Kronjäger: Die lernen sie gar nicht kennen (lacht).

teleschau: Es dauert nicht mehr lange, dann sind Ihre Kinder mitten in der Pubertät. Haben Sie Angst davor?

Kronjäger: Ich kann mir vorstellen, dass das schon haarig wird. Auch weil man persönlich angegriffen werden wird (lacht). Aber das dient letztendlich ja nur dazu, dass sie sich abgrenzen und ihre Selbständigkeit entwickeln. Ich traue mir außerdem zu, dass ich gut contra geben kann.

teleschau: Sind Sie eine strenge Mutter?

Kronjäger: Ich kann auf jeden Fall sehr gut streng sein, was man bei Zwillingen auch können muss, weil sie immer auf einer sehr gleichwertigen Ebene diskutieren und sich auseinandersetzen. Das ist natürlich toll, kann aber auch anstrengend sein.

teleschau: Wie setzen Sie sich durch?

Kronjäger: Man muss den Raum klein machen. Wenn man den Kindern zu viele Möglichkeiten gibt, alles zu diskutieren, und sie nicht ab und zu mal ein klares Nein hören, kommt man schnell in Teufels Küche. Und das ist auch für die Kinder nicht gut.

teleschau: Welche Ideale wünschen Sie sich für Ihre Kinder in Zukunft?

Kronjäger: Was ich super finde, ist eine Selbstorganisation. Also wenn Kinder selbst überlegen, was sie zum Beispiel in ihrer Klasse tun können, um Müll einzudämmen. Wenn sie selbst ihre Köpfe anstrengen und schauen, ob man vielleicht irgendwas besser machen könnte. Sie sollten bloß nicht denken: Ich bin nur irgendwer, ich kann gar nichts bewirken.

teleschau: Und wenn sie später so werden wollen wie ihre Mutter: eine berühmte Schauspielerin? Wie fänden Sie das?

Kronjäger: Meine Tochter hat schon eindeutig Lust darauf, das weiß ich. Allerdings möchte sie nicht unbedingt zum Film, sondern eher auf die Theaterbühne. Dagegen habe ich überhaupt nichts. Ich bin sicher, dass sie das packen wird. Sie ist gut trainiert, weiß, sich zu positionieren. Sie hat ja auch zwei Brüder. Meine Kinder sehen mich übrigens gar nicht als Berühmtheit. Die denken eher: Ach, die macht das halt. Manchmal sind sie erstaunt, wenn mich jemand auf der Straße erkennt. Ihr Vater (der Schauspieler Thomas Heinze; d. Red.) ist ja berühmter, und das erleben sie auch und finden es anstrengend. Egal, wo sie mit ihm hinkommen, wollen die Leute mit ihm reden. Die Kinder hätten ihn aber gerne für sich.

Quelle: teleschau - der mediendienst