Simone Thomalla

Simone Thomalla





Es gibt ein Leben nach dem "Tatort"

Obwohl das Aus als Leipziger "Tatort"-Kommissarin Simone Thomalla nicht kalt lässt, schaut sie positiv nach vorne. Im Gegensatz zu vielen anderen Schauspielern kann sie über ausbleibende Angebote nicht klagen. Als Dorfhelferin Katja ist sie im bereits siebten Teil der "Frühling"-Reihe zu sehen. Das ZDF zeigt am Sonntag, 14. Dezember, um 20.15 Uhr, den Winterfilm "Frühling in Weiß", in dem Katja mit Liebeskummer zu kämpfen hat. Privat erlebt die Schauspielerin hingegen seit fünf Jahren mit dem 19 Jahre jüngeren Profihandballer Silvio Heinevetter ihren zweiten Frühling. Nicht nur ihr knackiger Hintern gibt ihr die nötige Gelassenheit, um sich keine Sorgen über den großen Altersunterschied zu machen. Auch die fast 50 Jahre Lebenserfahrung helfen dabei, darüberzustehen. Im Laufe der Jahre hat Simone Thomalla auch gelernt, sich von beruflichen Rückschlägen oder Shitstorms in sozialen Netzwerken nicht unterkriegen zu lassen.

teleschau: Im Dezember wird der nächste Film der "Frühling"-Reihe gezeigt. Ihre Rolle Katja hat in "Frühling in Weiß" mit den Unbilden des Winters zu kämpfen.

Simone Thomalla: Aber mehr möchte ich nicht verraten, denn dann ist die Spannung ja raus. "Frühling in Weiß" spielt zum ersten Mal im Winter. Und genau da war das Problem: Wir hatten keinen! In einem sonst schneesicheren Gebiet lag keine Flocke und das bei einer Filmthematik, die darauf gebaut hat, dass Menschen durch starken Schneefall von der Außenwelt abgeschnitten sind. Eine gehörige Portion Weiß haben wir dann am Ende noch durch unseren Umzug nach Österreich zusammengekriegt. Eine logistische Meisterleistung des gesamten Teams, denn auch dort mussten wir die Drehorte wechseln und in größeren Höhen drehen.

teleschau: Wird es noch weitere "Frühling"-Teile geben?

Thomalla: Ja. Wir haben schon zwei neue Folgen abgedreht, und weitere sind darüber hinaus bereits für das kommende Jahr in der Planung.

teleschau: Sie spielen die Dorfhelferin Katja, die wahrlich ein Gutmensch ist. Sind Sie privat auch so uneigennützig oder etwas egoistischer?

Thomalla: Jeder Mensch trägt doch einen gesunden Egoismus in sich. Das bedeutet aber nicht, dass man nicht hilfsbereit ist. Ich helfe da, wo ich gebraucht werde und in der Lage dazu bin.

teleschau: Katja ist in ihren besten Freund verliebt. Kennen Sie diese Situation?

Thomalla: Nein, das ist mir noch nie passiert.

Teleschau: Also entweder es funkt sofort oder nie?

Thomalla: Es gibt natürlich Leute, die kennen sich 20 Jahre lang und verlieben sich dann ineinander, aber mir ist das noch nie passiert.

teleschau: Während es mit dem "Frühling" also weitergeht, neigt sich die "Tatort Leipzig"-Ära dem Ende entgegen. Die letzten beiden Episoden sind bereits abgedreht. Sind Sie sehr traurig darüber, oder war es an der Zeit, neue Wege zu gehen?

Thomalla: Ich wäre nicht ehrlich, wenn ich sagen würde, dass mich das "Tatort Leipzig"-Ende kalt lässt und ich es lediglich als Chance sehe, neue Wege zu gehen. Es war eine sehr schöne Zeit, man hat jede Menge Spaß gehabt, und wir hätten das - glaube ich - alle gerne weitergemacht. Die unzähligen Zuschriften, die ich bekommen habe, zeigen auch, dass unsere Zuschauer das Ende nicht begrüßen. Aber darum geht es nicht. Naja, jetzt wird es einen "Tatort" in Dresden geben. Es ist, wie es ist.

teleschau: Nächstes Jahr werden Sie 50 Jahre alt. Für viele Frauen ist das eine kritische Grenze. Sehen Sie das ähnlich oder ganz gelassen?

Thomalla: Welche Grenze soll das sein - die vor dem Abgrund? (lacht) Wir wollen alle alt werden, aber nicht alt sein. Aber welche Alternative hat man, wenn man nicht 50 werden will? Dann muss man früher gehen. Will ich das? Nein! Dass dann mal beim Joggen das Knie wehtut, gehört dazu. Es gibt aber auch nicht nur Nachteile am Älterwerden. Man wird zum Beispiel gelassener. Man fängt an, sich auf sich zu besinnen und steckt auch Rückschläge besser weg - beruflich wie privat! Man lernt mit Anfeindungen von außen besser umzugehen, sich nicht alles zu Herzen zu nehmen, was im anonymen Netz verbreitet wird. Das eigene Stimmungsbarometer bestimmen nicht andere, denen es womöglich nur dann besser geht, wenn sie dich beleidigen ... Aus welchen Gründen auch immer. Das ist ein Lernprozess, den man den Jahren zu verdanken hat. Wer mich mag, der mag mich, wer nicht, eben nicht. Da könnte ich einen Kopfstand machen, ändern würde sich daran nichts!

teleschau: Mit Ihren "Playboy"-Fotos, die Sie mit Mitte 40 haben machen lassen, haben Sie dieses Statement unterstrichen und gezeigt, dass Sie mit sich selbst im Reinen sind. Wie fanden Sie es, dass sich Ihre Tochter mit erst Anfang 20 hat ablichten lassen für das Männermagazin?

Thomalla: Sie ist eine erwachsene Frau und hatte darauf Lust - Punkt.

teleschau: Sind Sie froh, dass Sophia auch beruflich in Ihre Fußstapfen getreten ist?

Thomalla: Ich bin froh, wenn meine Tochter in einem Beruf arbeitet, den sie liebt und mit Leidenschaft ausfüllt! Und das macht sie ganz großartig - von Moderation, über Schauspiel bis hin zum Werbegesicht!

teleschau: Was hat sich Ihrer Meinung nach verändert in der Branche?

Thomalla: Leider gibt es immer mehr gute Schauspieler, die nicht mehr von ihrem Beruf leben können und teilweise große Existenzängste haben. Und es ist anscheinend nicht mehr zwingend notwendig, eine fundierte Ausbildung zu haben, was ich sehr bedauerlich finde. Wir kennen alle Quereinsteiger, die es zu einer beachtlichen Karriere gebracht haben! Zudem hat sich die Medienwelt durch das Internet sehr verändert. Soziale Netzwerke machen Meinungen, Blogger ersetzen seriöse Kritiker, alles ist schneller geworden, das Verfallsdatum noch kürzer. Wir sind als Schauspieler mehr denn je abhängig von Menschen, die dir wohlgesonnen sind. Zudem zählt in den meisten Fällen die Quote und oft immer weniger die Qualität. Ich denke, diese Aussagen reichen, um zu verdeutlichen, warum man es als Schauspieler nicht einfach hat.

teleschau: Sie haben aber bereits neue Projekte, oder?

Thomalla: Ja. Dennoch genieße ich es gerade sehr, dass ich die Vorweihnachtszeit und auch noch am Anfang des neuen Jahres frei habe, bevor es dann wieder los geht mit neuen Dreharbeiten.

teleschau: Was genießen Sie besonders?

Thomalla: Zu Hause zu sein und meine vier Wände tatsächlich auch zu bewohnen. Einfach mal abends lange bei Freunden zu sein und zu wissen, dass ich am nächsten Morgen nicht um 6 Uhr in der Maske sitzen muss. Stattdessen kann ich morgens entspannt mit meinem Hund raus und auch mal über den Tag die Flügel ein bisschen hängen lassen oder mich um Sachen kümmern, die im Drehalltag nicht möglich sind.

teleschau: Was machen Sie denn am liebsten, wenn Sie frei haben?

Thomalla: Gar nichts! (lacht)

teleschau: Haben Sie keine Hobbys, treiben Sie Sport?

Thomalla: Doch, aber das ist tagesformabhängig. Es gibt Phasen, in denen ich sehr diszipliniert bin und Phasen, in denen ich einfach keine Lust habe. Ich höre auf meinen Bauch, der mir sagt, ob ich aktiv sein sollte.

teleschau: Sie haben einen jungen Profisportler an Ihrer Seite. Motiviert Sie Silvio nicht dazu, Sport zu treiben?

Thomalla: Wäre das nicht sein Beruf, würde er vielleicht ab und an auch weniger an sich arbeiten. Aber selbstverständlich motiviert er mich. Wir kennen das doch alle: Wenn man sich erst mal aufgerafft hat und sich so richtig auspowert, geht es einem danach super. Aber ich kann mich durchaus auch selbst motivieren, denn ab einem gewissen Alter muss man! (lacht)

teleschau: Sie sind fast 20 Jahre älter als Ihr Partner: Machen Sie sich nie Sorgen, dass er sich eine Zwanzigjährige mit einem knackigeren Po schnappen könnte?

Thomalla: Mein Hintern ist noch gut in Form! (lacht) Mal abgesehen davon habe ich solcherlei Gedanken nicht. Denn wenn er eine Zwanzigjährige hätte haben wollen, dann hätte er sie. Wir haben uns füreinander entschieden.

teleschau: Eine Garantie hat man in einer Beziehung eh nie - egal, wie alt man ist.

Thomalla: Richtig! Menschen finden und verlieben sich, entlieben sich und gehen auseinander. Im Idealfall bleiben sie Freunde. Man hat einfach keine Garantie, ob man nun älter, jünger oder gleich alt ist. Wichtig ist, dass jeder so lebt, wie er es für richtig hält.

Quelle: teleschau - der mediendienst