Exhibition

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Mein Mann, mein Haus und ich

Joanna Hogg ist keine Frau für konventionelles Kino. Ihre Art, Filme zu machen, unterscheidet sich radikal von anderen Filmemachern des British Cinema: Hogg arbeitet üblicherweise ohne Drehbuch. Ihre Darsteller improvisieren, am bestem mit viel Mut zur Selbstentblößung. So ist es auch im Fall von "Exhibition", in dem Viv Albertine, die in den 70er-Jahren als Gitarristin der Girl-Punkband The Slits bekannt wurde, und der Objektkünstler Liam Gillick die Hauptrollen als exponierte Außenseiter spielen.

So wie im echten Leben sind die beiden auch im Film zwei Künstler und Performer, die sich durch ihre Arbeit der Außenwelt präsentieren. D (Viv Albertine) und H (Liam Gillick) leben und arbeiten in einem postmodernen Haus des Architekten James Melvin, das von großen Glasflächen dominiert wird. In einem Film mit dem Titel "Exhibition" dürfen diese durchaus als Schaufenster begriffen werden. Seit 18 Jahren bilden das Haus und das Paar eine symbiotische Einheit, aber nun will H ihr schönes Heim aus finanziellen Gründen verkaufen.

Vor allem D tut sich schwer damit, die gewohnte Umgebung und den Schauplatz ihrer künstlerischen Schaffenskraft aufzugeben. In vielen statischen, oft ungewöhnlich komponierten Bildern schlingt die Performance-Künstlerin ihren Körper um die Ecken ihres Zuhauses, als wollte sie es liebkosen. D ist kein einfacher Mensch; Zweifel und Ängste plagen sie, weil sich die Welt da draußen unweigerlich ihrer Kontrolle entzieht. H ist pragmatischer und rationaler angesichts dessen, dass sich die Dinge ändern werden.

Hogg inszeniert mit den beiden ein Kammerspiel, das aus fragmentarischen Impressionen und Dialogen besteht. Der Film hat bewusst keine kohärente Dramaturgie, was der Tatsache mit dem nicht existenten Drehbuch geschuldet ist. "Exhibition" ist aber auch das nüchterne Psychogramm zweier Künstler und ihrer Ehe, in der alles im Wandel ist, auch deren Sexualität, die explizit thematisiert und dargestellt wird. In langen Einstellungen wird vor allem der von Selbstreflexion geprägte Alltag von D dokumentiert; ansonsten geben sich beide Laienschauspieler und Echtzeit-Künstler mit großer Authentizität der Kamera preis.

Das Ergebnis ist ein ziemlich intellektuelles filmisches Essay, das mit Kino-Unterhaltung wenig zu tun hat. "Exhibition" ist eine cineastische Versuchsanordnung, die seine artifizielle Spannung aus der Dialektik bezieht, dass sich hier zwei darstellende Künstler fast schon klaustrophobisch in ihre vier Wände zurückgezogen haben, die ihr Verhältnis zu ihrer Umgebung bestimmen. Insofern ist "Exhibition" mehr als das Porträt eines sich permanent suchenden Künstlerpaares - filmisch seziert wird hier vielmehr eine ungewöhnliche Dreierbeziehung. Für den Zuschauer ist das mäßig unterhaltsam. Stattdessen empfindet man selbst jene große Leere, die auch D umzutreiben scheint. Die Franzosen haben ein schönes, distinguiertes Wort dafür: ennui.

Quelle: teleschau - der mediendienst