The Loft

The Loft





Schick und leer

Leichen dürfen nun mal nicht einfach so herumliegen. Auch nicht im Film. Jedenfalls nicht, wenn er spannend sein soll. Im Thriller "The Loft" liegt die Blondine, um deren gewaltsamen Tod es geht, nackt auf dem Bauch im Bett und in ihrer eigenen Blutlache. Die Füße sind nach innen gedreht, eine Hand in einer Handschelle, die andere beschmiert von der (fehlerhaften) lateinischen Botschaft am Kopfende. Das hübsche Arrangement nützt wenig. Je öfter die Tote gezeigt wird, umso mehr erscheint sie als makabres Detail, das belustigt statt verstört. Zumal die tatverdächtigen Männer, die um sie herumstehen, bloß cholerisch zappeln statt Abgründe zu offenbaren. Weder Regie noch Drehbuch können die Situation emotional füllen. Was ist da passiert?

In Rückblenden, während die Männer von der Polizei verhört werden, erfahren wir es. Als ein luxuriöses Appartmenthaus gebaut wird, macht Architekt Vincent (Karl Urban) seinen vier Freunden ein verlockendes Angebot: Zu fünft gehört ihnen ein Loft, zu dem nur sie die Schlüssel haben - und in dem sie ohne Wissen ihrer Gattinnen Sex mit anderen Frauen haben können.

Unbekümmert um seine Heirat mit der Tochter seines Chefs, schlägt der ungezügelte Geschäftsmann Philip (Matthias Schoenaerts) sofort ein. Informatiker Marty (Eric Stonestreet) lockt das Abenteuer, auch wenn er sich vor seiner Frau fürchtet. Bürohengst Luke (Wentworth Miller) ist eher stiller Beobachter, bis er auf die blonde Sarah (Isabel Lucas) trifft. Eine andere Blondine, die geheimnisvolle Ann (Rachael Taylor), lässt schließlich auch den Psychiater Chris (James Marsden) bei Vincent um einen Schlüssel nachsuchen.

Ohne dass die Ehefrauen etwas zu merken scheinen, frönen die verheirateten Fremdgeher mehr oder weniger lustvoll ihrer Seitensprünge im Loft. Bis dort eben eine Gespielin ermordet wird, und jeder der Freunde der Täter sein könnte. Mit anderen Namen und Gesichtern hat man die Geschichte vor einigen Jahren auf Festivals oder auf DVD schon einmal gesehen, in einem belgischen Film "Loft", mit Matthias Schoenaerts in gleicher Rolle. "The Loft" ist nun das US-amerikanische Remake, von demselben Regisseur, Erik van Looy, Drehbuchautor Bart De Pauw wurde diesmal noch Wesley Strick unterstützt, der immerhin schon an Scorseses "Kap der Angst" mitschrieb. Dialoge und Charaktere sind trotzdem eindimensional geblieben - und das ist nicht das einzige Manko des Remakes.

Wahrscheinlich liegt es am Geld. Wohl wegen des geringen Budgets wurde das Original vornehmlich nachts und an einem Ort gedreht, der für die jeweilige Szene offenbar nur wenig verändert wurde. Das schuf eine klaustrophobische Atmosphäre, mit den vielen eisernen Treppen sogar Assoziationen an die gefängnisartigen Gewölbe in den Bildern Piranesis. Stecken die Männer, die hier gezeigt werden, nicht in einem inneren Gefängnis der Begierden? Die amerikanische Version hingegen protzt mit Casinos, sommerlichen Hochzeitsfeiern und Sonnenschein auf der Leiche.

So erweitert und dem grellen Tageslicht ausgesetzt, sieht "The Loft" zwar schick aus, aber auch recht gefühlsleer: Für die blutige Eskalation der Ereignisse, die darin stattfindet, reicht die Affektlage der Beteiligten nicht aus. Das Vakuum sollen die Schauspieler - überwiegend aus der zweiten und dritten Reihe - mit ausladenden Gesten und Ausbrüchen des Jähzorns füllen. Mit langen Beinen und wiegenden Hüften dürfen die Blondinen die Restaufmerksamkeit kapern. Wenigstens stimmt das Mordmotiv und lässt der Schluss nicht ganz kalt.

Quelle: teleschau - der mediendienst