Wolfgang Rademann

Wolfgang Rademann





"Das beste Fernsehen der Welt"

Er ist der König unter den deutschen Fernsehproduzenten, zeitweise liefen jährlich 50 Filme von ihm, er erfand die "Peter Alexander Show", die "Schwarwaldklinik" und das Traumschiff". Am 24. November wird Wolfgang Rademann 80 Jahre alt, aber seine Berliner Schnauze ist noch so erfrischend wie eh und je. Selbst der Schlingerkurs der in Konkurs geratenen "MS Deutschland" hält ihn nicht von neuen Plänen ab. Sollte das Schiff nicht den notwendigen TÜV überstehen, begibt er sich eben auf die Suche nach einem neuen. Für einen Abenteurer, der von sich wie einst Karl V. von Spanien behaupten kann: "In meinem Reich geht die Sonne nicht unter", sollte das ein Leichtes sein. Die Weihnachtsfolgen 2014 sind längst abgedreht.

Einst sahen sein 1981 gestartetes "Traumschiff" 27 Millionen Zuschauer, die Mullserie "Die Schwarzwaldklinik" fuhr in den 80-ern Rekorde ein und modelte ganz nebenbei die Geschmacksgrenzen der Fernsehzuschauer um. Mittlerweile plagen den Produzenten Wolfgang Rademann mindere Sorgen: Nach mehr als 70 "Traumschiff"-Folgen sind ihm die Fernziele ausgegangen. Einer wie Rademann wiederholt sich nicht gern. Einfach wieder "von vorn anfangen", wie ihm vom Sender geraten, das gibt's bei ihm nicht.

Dabei handelt Rademann nach der alten Adenauer-Devise: "Keine Experimente": "Ich bin stolz darauf, auch nach 33 Jahren im Grunde immer noch mit dem gleichen Inhalt wie in der ersten Stunde über die Weltmeere zu schippern. Mit drei Geschichten: einer komischen, einer Lovestory und einer dramatischen. Und immer geht's gut aus, immer gibt's ein Happyend." Die zwei Folgen an Weihnachten und Neujahr sollen ein Event bleiben - "etwas Besonderes". Im vergangenen Jahr setze die ARD an Weihnachten ihren "Tatort" gegen sein "Traumschiff", weshalb der Tycoon mit dem stets prall gefüllten Aktenkoffer kess berlinerte: "Dass die sogar an Weihnachten die Leiche rausholten, war schon 'ne Überraschung!"

Davon, sein "Traumschiff" für das Plagiat einer US-Serie zu halten, ist er weit entfernt. Und Rechtekosten? - "Dafür, dass einer uff'm Schiff fährt, gab's keine müde Mark." Zudem wurde das "Love Boat" mit Lachern aus der Konserve unterlegt. "Der Kapitän trug kurze Hosen und saß ständig bei irgendwelchen Frauen auf dem Schoß. Bei uns ist er eine Respektsperson mit Uniform und Mütze." Dass Rademann beim Casting vor allem auf die Kopfbedeckung sah, ist altbekannt: "Hauptsache, die Mütze sitzt. Ob das Schauspieler sind, ist mir egal", hat er gesagt.

Obwohl er stets bedauerte, dass Deutschland über Jahrzehnte "kein Zentrum" hatte "wie London oder Paris", blieb Rademann durch und durch ein Berliner Urgestein. "Zur Freude der Lufthansa" sei Deutschland nach dem Krieg zersplittert worden, er selbst habe "ein Feldbett in Tegel". Berlin werde wohl leider "och nich' mehr det, wat et mal war". Die TV-Autoren saßen meist "in Bayern am See oder in den Bergen", und "von Mainz wusste man früher nicht mal, wo das liegt". Seine Lebensgefährtin Ruth Maria Kubitschek lebt am Bodensee, die erstaunliche Fernbeziehung funktioniert nach wie vor.

Alte "Traumschiff"-Folgen guckt Wolfgang Rademann übrigens nicht: "Ich schaue mir doch nicht mal die aktuelle Folge an, wenn sie im Fernsehen läuft. Ich nehme die Folge vorher ab, und dann bin ich in Gedanken schon bei der nächsten Sendung." Er sei schon immer ein Mensch, der in der Gegenwart und in der Zukunft lebt: "Die Vergangenheit interessiert mich nicht."

Der leidenschaftliche Zeitungsleser ("Ich lese täglich fünf bis sieben Tageszeitungen und lasse sie mir in die Häfen hinterherschicken"), der noch jede seiner Produktionen selbst begleitet, hält trotz der alten Traumquoten das frühere Fernsehen nicht für besser als das heutige. Ganz im Gegenteil: "Ich finde, dass heute viel publikumswirksamer erzählt wird. Tolle Geschichten und super Schauspieler hatten wir schon immer. Heute ist das deutsche Fernsehen, was seine Fernsehfilme anbetrifft, meiner Meinung das beste der Welt", sagt Wolfgang Rademann. Und einer wie er muss es wissen.

Quelle: teleschau - der mediendienst