Axel Prahl

Axel Prahl





Das Schicksal und seine Gehilfen

Seit zwölf Jahren spielt Axel Prahl den Münsteraner "Tatort"-Kommissar Frank Thiel. Da tut es immer gut, mal eine Auszeit in Form eines anderen Projektes zu nehmen. Mit der Komödie "Die Lichtenbergs" (Mo., 08.12., 20.15 Uhr) baute das ZDF dem 54-jährigen Schauspieler und Musiker ein Betätigungsfeld, auf dem sich der gebürtige Holsteiner so richtig austoben darf. In einer Doppelrolle verkörpert Prahl Zwillingsbrüder, die das Leben in zwei sehr unterschiedliche Richtungen spülte. Ein Gespräch über schicksalhafte Entscheidungen, Rollenklischees, die auch für Stars gelten, und die begrenzte Zukunft seines "Tatort"-Engagements.

teleschau: In "Die Lichtenbergs" spielen Sie zwei Zwillingsbrüder. Einer ist erfolgreicher Politiker, der andere ein abgebrannter Taxifahrer. Ist es Zufall, wo einen das Leben hinspült?

Axel Prahl: An die Allmacht des Zufalls glaube ich nicht. Ich denke, das Leben macht uns Angebote. Je nachdem, ob wir sie annehmen oder ablehnen, läuft das Leben in die eine oder andere Richtung. Ich habe im Nachhinein oft das Gefühl gehabt, dass ich mich richtig entschieden habe, wenn ich zum Beispiel bestimmte Filmrollen abgelehnt habe, die ein Teil von mir gerne gemacht hätte. Oft waren diese Filme am Ende nämlich gar nicht so doll (lacht) ...

teleschau: Ist Instinkt bei Lebensentscheidungen wichtiger als Rationalität?

Prahl: Instinkt und ein Schicksal, das einem gewogen ist! Beides sind ungeheuer wichtige Faktoren im Leben. Ich glaube nicht daran, dass man sich Karriere und Erfolg ausschließlich erarbeiten kann. Arbeit, Disziplin und Talent gehören natürlich dazu. Ob daraus am Ende etwas wird, obliegt jedoch anderen Gegebenheiten.

teleschau: Welchen denn?

Prahl: Wo man zu welchem Zeitpunkt gerade ist - das ist wichtig. Die richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Allein diese Koinzidenz ist für den Verlauf eines Lebens von grotesk hoher Bedeutung.

teleschau: Es klingt, als sprächen Sie aus Erfahrung. Was waren Ihre schicksalhaften Begegnungen?

Prahl: Der letzte für mich lebensentscheidende Moment war, als ich meine jetzige Frau getroffen habe. Für meine Karriere war sicherlich die Begegnung mit Andreas Dresen von extremer Bedeutung. Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, muss ich sagen, ich hatte enorm viel Glück.

teleschau: Zum Beispiel auch damit, dass Sie ihren ursprünglichen Berufswunsch Musiker zugunsten der Schauspielerei aufgegeben haben?

Prahl: Zu diesem Zeitpunkt war es die richtige Entscheidung. Doch es war auch eine, die mir damals abgenommen wurde. Ich wurde Vater eines Kindes und das Theater bot mir ein monatliches Salär von 1.000 D-Mark. Da musste ich nicht lange überlegen. Die Musik war ein sehr vages Brot, und das Geld verdiente sich alles andere als leicht. Nur von Straßenmusik und ein bisschen Gitarrenunterricht zu überleben, war schon nicht leicht.

teleschau: In Ihrer neuen TV-Komödie "Die Lichtenbergs" spielen Sie in einer Doppelrolle permanent mit sich selbst. Ein besonders schwerer Schauspiel-Job?

Prahl: Ja, es war vor allem technisch sehr anspruchsvoll. Wir haben viel mit Green Screen gearbeitet und mit Remote Control Kamerafahrten. Da programmiert man die Bewegung der Kamera in ihrem Vorlauf, damit man sie später exakt wiederholen und Bilder übereinanderlegen kann. Ohne Menschen geht es trotzdem nicht. Ich hatte für die Spielszenen immer einen Sparrings-Partner, in diesem Fall war das Horst Sczerba. Der arme Kerl spielte jeweils meinen Widerpart und am Ende wurden all seine Szenen rausgeschnitten.

teleschau: Hätten Sie auch mit dem Nichts spielen können?

Prahl: Nein, das Timing in den Dialogen wäre so völlig flöten gegangen. Es war schon so schwierig genug, weil der Kollege Sczerba beim Sprechen natürlich ein anderes Timing hatte als ich. Trotzdem war er eine gewaltige Unterstützung bei diesem Film.

teleschau: Die Verwechslungskomödie ist ein eher angestaubtes Filmgenre. Haben Sie dennoch Favoriten innerhalb dieses Fachs?

Prahl: In den späten 80-ern und frühen 90-ern gab es mal eine Filmreihe namens "Schulz & Schulz". Götz George spielte darin Zwillingsbrüder, die bis zum Mauerfall im Westen und Osten Deutschlands gelebt hatten. Diese Filme fand ich ziemlich gelungen. Für einen Schauspieler sind Doppelrollen immer reizvoll. Wenn dieses sicherlich ein wenig Konstruierte dafür eingesetzt wird, um komödiantisch eine gewisse Moral zu transportieren, finde ich das ziemlich legitim.

teleschau: Da Sie zwei "Tatorte" im Jahr drehen, ist Ihre Zeit für weitere Rollen begrenzt. Wonach suchen Sie sich Ihre übrigen Filme aus?

Prahl: Man will natürlich etwas anderes machen. Gerade habe ich "Die Himmelsleiter" abgedreht. Das ist ein Zweiteiler, der im Nachkriegsdeutschland spielt. Eine sehr schöne, klein gehaltene Geschichte, in der ich einen ehemaligen SS-Typen spiele, der unbehelligt von einem System ins nächste wandert. Der einfach seine Geschäfte mit den neuen Machthabern wieder aufnimmt. Solche Rollen, in denen ich weg kann vom Image des sympathischen, bodenständigen Typen, sind sehr reizvoll für mich.

teleschau: Also hat selbst ein so bekannter Schauspieler wie Sie in der Branche mit Rollenklischees zu kämpfen?

Prahl: Das Schubladen-Problem hält sich bei mir erfreulicherweise in Grenzen, aber es ist dennoch da. Ich denke, das trifft auf die meisten Schauspieler zu. Es gibt natürlich Grenzen. Die werden einem rein durch die Physiognomie gesetzt. Ich könnte zum Beispiel keinen entflohenen KZ-Häftling spielen.

teleschau: Der Münsteraner "Tatort" scheint sich in letzter Zeit an einer größeren Ernsthaftigkeit zu versuchen. Ist das auf Ihre oder Jan Josef Liefers' Initiative hin passiert?

Prahl: Bedauerlicherweise haben wir an dieser Stelle relativ wenig Einfluss. Wir bekommen die Bücher zwar zeitig, etwa drei Monate vor Drehbeginn. Dennoch ist das ganze Werk dann schon relativ fertig. Ich kann diese Vorgehensweise aber verstehen. So ein Drehbuch ist ein kompliziertes Mosaik. Wenn wir Schauspieler nun das ein oder andere Steinchen einfach verändern würden, weil wir das so besser fänden, würde eventuell das ganze Konstrukt zusammenbrechen.

teleschau: Würden Sie es begrüßen, wenn der Klamauk-Faktor dauerhaft zurückgefahren würde?

Prahl: Am gelungensten fand ich immer jene Fälle, in denen beides stimmt. Filme wie "Der doppelte Lott" oder "Wolfsstunde". Da war die Geschichte, also der Krimi, ebenso gut und spannend, wie der Humor super funktioniert hat. Natürlich ist unser Aushängeschild die Komödie. Und da, wo die Kritiker gerne aufschreien, muss man auch sagen: Beim Publikum hat diese Ausrichtung stets funktioniert.

teleschau: Wenn Sie sich für den Münsteraner "Tatort" etwas wünschen könnten, was wäre es?

Prahl: Ich fände es toll, wenn wir irgendwann noch mal einen Kinofilm drehen würden. Da sind wir uns innerhalb des Ensembles auch ziemlich einig. Wir könnten uns vorstellen, dass wir unseren letzten Fall im Kino erzählen.

teleschau: Gibt es dafür schon konkrete Pläne?

Prahl: Nein, nur den Wunsch. Keiner von uns will in seiner Rolle verbeamtet werden. Trotzdem ist das Ende ja noch ein Stück weit entfernt. Wir haben gerade unsere Verträge verlängert. Aber wir wollen das Ding nicht ewig machen. Zum Abschluss noch mal einen Film mit größerem Budget und entsprechend tollen Bilder zu drehen, das wäre mein Traum fürs Finale.

Quelle: teleschau - der mediendienst