Paddington

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Kleiner Bär, was nun?

Wehren ist zwecklos: Dieser Bär wird Kinozuschauern unweigerlich das Herz stehlen. Ganz egal, ob sie jung oder alt sind, freiwillig im Kino oder von den Kindern hineingeschleppt, ob sie jemals eins der Kinderbücher von Michael Bond in der Hand hatten oder nicht. Man muss sich einfach in "Paddington" verlieben. Nicht nur, weil er so niedlich aussieht mit seinem viel zu großen roten Hut und dem blauen Dufflecoat, so freundlich und höflich ist und wie Publikumsliebling Elyas M'Barek klingt. Sondern weil er zudem der Titelheld in dem wohl bezauberndsten Familienfilm des Jahres ist.

Irgendwie hatte er sich seine neue Heimat anders vorgestellt. Offener, freundlicher, weniger hektisch. Zumindest hatte der britische Entdecker, den sein Onkel und seine Tante lange vor Paddingtons Geburt eine Weile im finstersten Peru beherbergten, London damals so beschrieben. Aber das ist auch schon 40 Jahre her! Statt hilfsbereiter, mitfühlender Gentlemen begegnet der heimatlose kleine Bär am Bahnhof Paddington nun nur argwöhnischen Großstädtern - und der gutherzigen Mrs. Brown (Sally Hawkins), die den Neuankömmling gegen den Willen ihres übervorsichtigen Mannes (Hugh Bonneville) mit nach Hause nimmt.

Natürlich sorgt so ein Bär im Haus erst einmal für Chaos, selbst wenn es sich dabei um ein so kultiviertes, manierliches Exemplar handelt wie Paddington. Für jemanden, der bisher in den undurchdringlichen Wäldern Perus lebte, ist so eine moderne Großstadt eben nicht selbsterklärend. Doch ehe man es sich versieht, haben die Browns ihren neuen Mitbewohner ins Herz geschlossen. Keine Frage, dass sie ihn gegen die fiese Tierpräparatorin Millicent (Nicole Kidman) verteidigen, die aus Paddington gern ein Ausstellungsstück machen würde ...

Eigentlich ist es nur eine kleine, sehr kompakte Geschichte, die in "Paddington" erzählt wird - doch mit wie viel Liebe und Ideenreichtum! Dass seine Fantasie in puncto Bildgestaltung kaum Grenzen kennt, bewies Regisseur und Autor Paul King 2009 mit seinem Debütfilm "Bunny and the Bull": Als Kulissen für sein schräges Roadmovie dienten damals Städte, die aus leeren Getränkekästen, Folie und Zeitungen nachgebaut waren.

Diese wilde, unkonventionelle Denkart brachte er auch ans Set seines deutlich teureren zweiten Kinofilms mit, wo sie auf die Blockbuster-Erfahrung des "Harry Potter"-Produzenten David Heyman traf. So darf der hervorragend animierte Paddington nun durch eine Welt stapfen, die einerseits wunderbar nostalgisch, andererseits neu und erfrischend wirkt. Auch im bis in die Nebenrollen toll besetzten Ensemble funktioniert diese Kombination großartig: Hugh Bonneville, der fortschrittsskeptische Lord aus der Kostümserie "Downton Abbey", trifft auf den neuen "Dr. Who" Peter Capaldi, "Little Britain"-Chaot Matt Lucas auf "Harry Potter"-Veteranin Julie Walters. Und das Equipment und die Kampfkünste von Nicole Kidmans gnadenlos überzogener Schurkin Millicent würden selbst einen James Bond neidisch machen.

Mit einem feinen Humor, der mehr über Bilder als über Worte funktioniert, bringt Paul King Jung und Alt gleichermaßen zum Schmunzeln und mit ausgeklügelten, sorgfälltig platzierten Effekten zum Staunen. Und ganz nebenbei wirbt das kleine Familienfilmjuwel - in einer Zeit, in der es nötiger kaum sein könnte - für etwas mehr Verständnis. Für Fremde, die fern ihrer Heimat, aus ihrem gewohnten Lebensraum herausgerissen, Hilfe und ein neues Zuhause suchen. Seien sie nun Bären oder Menschen.

Quelle: teleschau - der mediendienst