Joy Lee Juana Abiola-Müller

Joy Lee Juana Abiola-Müller





"Man muss Leistung bringen"

Seit 2008 ist die Schauspielerin Joy Lee Juana Abiola-Müller in der Daily-Soap "Unter uns" (montags bis freitags, 17.30 Uhr, RTL) als Michelle "Micki" Lassner zu sehen. Die 23-Jährige hat für ihre Rolle in der Serie, die in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen feiert (20-jähriges Bestehen am 28.11., 5.000. Folge am 16.12.), einst die Schule abgebrochen. Ein Schritt, der sich für sie gelohnt hat, nicht nur beruflich: Mit ihrem Serienehemann Patrick Müller alias Tobias Lassner ist die gebürtige Berlinerin auch privat verheiratet. Die beiden leben auf einem Gutshof im Kölner Umland.

teleschau: Joy, stellen Sie sich vor, jemand hätte in den vergangenen 20 Jahren nicht einmal "Unter uns" geguckt. Warum sollte er die Jubiläumssendung unbedingt einschalten?

Joy Abiola-Müller: Im Gegensatz zu früheren Jahren sind die "Unter uns"-Geschichten heute sehr viel näher am realen Leben. Die Serie ist echter geworden, auch jünger, witziger, und es passiert allgemein mehr Action. Weil man mittlerweile im Fernsehen ja auch mehr darf.

teleschau: Das Klischee besagt: Man kann als Zuschauer jederzeit in eine Soap einsteigen, pausieren und problemlos wieder hineinkommen - denn im Grunde passiert in einer Seifenoper: nichts. Braucht man für "Unter uns" bei Zuschauen Vorkenntnisse?

Abiola-Müller: Man kann einfach einstiegen, braucht aber natürlich ein bisschen, um richtig angefixt zu sein. Was hilfreich wäre zu wissen, ist zum Beispiel, wer gerade mit wem zusammen ist.

teleschau: Können Sie für bisherige Nicht-"Unter uns"-Gucker die Serie in einem Satz zusammenfassen?

Abiola-Müller: Wir sind alle eine riesengroße Familie.

teleschau: Wann haben Sie selbst zum ersten Mal "Unter uns" gesehen?

Abiola-Müller: Als ich zum Casting ging. Ich war damals erst 17 ging noch zur Schule, war gerade in der elften Klasse. Zur "Unter uns"-Sendezeit war ich meistens mit Hausaufgaben und solchen Dingen beschäftigt.

teleschau: Klingt, als hätten Sie nicht unbedingt zu "Unter uns" gewollt, sondern vor allem ins Fernsehen.

Abiola-Müller: Ich wollte einfach nur Schauspielerin werden und wäre dafür auch zum Theater gegangen. Es war nicht unbedingt mein Ziel, mein Gesicht täglich in eine Kamera zu halten. Aber ich habe mich natürlich gefreut, als ich den Job bekommen habe.

teleschau: Sie haben die Schule für "Unter uns" abgebrochen. Muss man als junge Schauspielerin zu einem solchen Schritt bereit sein?

Abiola-Müller: Ich würde natürlich jedem 17-jährigen Mädchen empfehlen, erst mal Abitur zu machen und sich alles weitere gut zu überlegen. Ich persönlich bereue meinen Weg aber nicht.

teleschau: Hat Ihnen im Nachhinein irgendwas gefehlt?

Abiola-Müller: Nein. Ich hatte aber auch viel Glück. Es hätte ja auch anders laufen können, und ich wäre heute nicht schon seit sechs Jahren in der Serie.

teleschau: Was ist das Beste am Soap-Schauspielerinnen-Dasein?

Abiola-Müller: Das mag jetzt ein bisschen makaber klingen, aber worüber ich mich total gefreut habe, ist die HIV-Geschichte, die ich seit ein paar Jahren spielen darf. Soziale Aspekte interessieren mich immer sehr, und ich finde es toll, dass ich mit meiner Rolle ein bisschen Aufklärungsarbeit leisten darf.

teleschau: Was ist mit der wachsenden Bekanntheit? Ist es schön, prominent zu sein?

Abiola-Müller: Ich könnte gut darauf verzichten, auf der Straße erkannt zu werden, das würde mir wirklich nicht fehlen. Für mich ist es das Schönste, dass ich einen Job habe, der mir Spaß macht und der sich nicht wie Arbeit anfühlt.

teleschau: Dabei drehen Sie im Akkord. Ist das nicht anstrengend?

Abiola-Müller: Doch, ich bin schon auch oft kaputt nach der Arbeit. Aber wenn man die Arbeit und sein Umfeld, also die Leute, mit denen man dreht, sehr mag, fühlt es sich nicht so arbeitsreich an.

teleschau: Mussten Sie durch die Serie besonders schnell erwachsen werden?

Abiola-Müller: Ich musste sicherlich früher damit anfangen, meine eigenen Rechnungen zu zahlen, als manche Gleichaltrige. Und dieser Job ist natürlich nicht wie Schule. Man kann zwischendurch nicht einfach mal sagen: 'Heute hab' ich keinen Bock und bleib einfach mal zu Hause!' Man muss Leistung bringen.

teleschau: Es heißt, Soap-Schauspielerinnen, die lange dabei sind, haben in der Schauspielbranche einen Soap-Stempel weg. Hat Ihnen das bereits Nachteile eingebracht?

Abiola-Müller: Man bekommt es zwar nicht immer direkt ins Gesicht gesagt, weshalb bestimmte Castings nicht geklappt haben, aber natürlich liegt es oft an dem Soap-Dasein. Ich habe aber auch gemerkt, dass Soap-Schauspieler allgemein in den vergangenen Jahren einen besseren Ruf bekommen haben. Viele haben einfach gemerkt, dass wir ernsthaft arbeiten und dass das auch anstrengend ist, was wir da machen. Es hat also alles seine positiven und seine negativen Seiten. Und man muss auch dazu sagen: Die meisten Schauspieler, die von ihrem Gehalt leben können, sind die aus den Soaps.

teleschau: Sie haben den Job also noch nicht satt?

Abiola-Müller: Bis jetzt noch nicht.

teleschau: Und in Zukunft? Könnten Sie sich theoretisch "Unter uns" für immer vorstellen - oder wären Sie irgendwann auch gerne mal "Tatort"-Kommissarin?

Abiola-Müller: "Tatort"-Kommissarin wäre natürlich toll! Für immer möchte ich das mit "Unter Uns" nicht machen, aber solange es mir noch Spaß macht, was im Moment der Fall ist, mache ich weiter. Wenn irgendwann der Tag kommt und ich keinen Bock mehr habe, sage ich tschüss.

teleschau: Gucken Sie denn mittlerweile regelmäßig die neuen Folgen?

Abiola-Müller: Ja. Da ich jeden Tag mit den Leuten, die darin zu sehen sind, zusammen bin, macht es mir auch umso mehr Spaß zuzugucken. Ich bekomme von den Kollegen ja auch viel erzählt, zum Beispiel, wenn sie lustige Szenen gedreht haben. Und darauf freue ich mich dann natürlich und will sie sehen. Ich habe immer ein gutes Gefühl, wenn ich vorm Fernseher sitze, auch weil ich ja weiß, was für ein tolles Gemeinschaftsprojekt dahintersteckt.

teleschau: Von vielen Schauspielern weiß man, dass sie sich nicht gerne selbst im Fernehen oder auf der Leinwand sehen.

Abiola-Müller: Ich bin natürlich auch sehr selbstkritisch, wenn ich mir "Unter uns" angucke. Aber ja, ich gucke mir das schon gerne an.

Quelle: teleschau - der mediendienst