Foo Fighters

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"Alles ist irgendwie verbunden"

Ein Lied werde von der Umgebung beeinflusst, in der es entsteht - so die Theorie der Foo Fighters. Die Stadt an sich, die Menschen, das Studio und vor allem die lokale Musikhistorie manifestierten sich in Melodie und Text. Und die Foo Fighters wissen, wovon sie sprechen: Seit ihrer Gründung vor 20 Jahren zählen sie zu den größten und populärsten US-Rockbands. "Wir haben versucht, uns von dieser Feststellung leiten zu lassen", erzählt Gitarrist Pat Smear im Doppelinterview gemeinsam mit Schlagzeuger Taylor Hawkins. "Also sind wir losgezogen, acht amerikanische Städte, acht Rocksongs." Das Ergebnis ist auf ihrem neuen Album "Sonic Highways" (VÖ: 10.11.) zu hören und in der gleichnamigen HBO-Dokumentation zu sehen (in Deutschland seit 31. Oktober auf dem Pay-TV-Sender Spiegel Geschichte, immer freitags, um 21.05 Uhr).

Die Idee oder der Leitgedanke des Albumprojekts stammt, wie könnte es bei den Foo Fighters auch anders sein, von Frontmann Dave Grohl. Der ehemalige Nirvana-Drummer gilt in der Rockszene als einer der umtriebigsten und kreativsten Köpfe. Den Eindruck, Grohl habe bei den Foo Fighters überall den Finger drauf, will Taylor Hawkins gar nicht leugnen: "Er ist der Art Director der Band. Er entscheidet, in welche Richtung es geht, wie ein Album auszusehen hat." Natürlich trage jedes einzelne Mitglied des Quintetts auch etwas bei zu Grohls Plänen, doch "im Prinzip helfen wir ihm, seine Ideen umzusetzen. Uns ist eben klar, dass dabei auch immer etwas Großartiges rauskommt", so der 42-Jährige weiter.

Und tatsächlich ist bei "Sonic Highways" etwas Großartiges herausgekommen. Das Album steckt voller Überraschungen und bleibt doch eine klassische Rockplatte. Und auch wenn acht Lieder für manche nach Sparflamme klingen dürfte: Die Musik auf dem - die Zahl hat es in sich - achten Band-Tonträger ist es ganz und gar nicht. "Es ist wohl unsere komplexeste Platte, nicht nur vom ganzen Aufwand her, sondern auch musikalisch", meint Smear. Denn dass es bei all den Reisen und Begegnungen vor allem um eines ging, macht der ehemalige Nirvana-Live-Gitarrist auch klar: "Im Mittelpunkt stand: Wir wollen eine Foo-Fighters-Platte machen, mit acht richtigen Rocksongs."

Mit Chicago, Washington D.C., Nashville, Austin, Los Angeles, New Orleans, Seattle und New York City waren schnell nach dem Aufkommen der "Sonic Highways"-Idee acht Städte gefunden, die Grohls Meinung nach am besten von amerikanischer Musikgeschichte erzählen. In all diesen Städten wurde jeweils für eine Woche ein Studio gebucht und jede Menge lokale Künstler eingeladen. Grohl, der nicht nur als kreativer Leiter der Albumaufnahmen gelten dürfte (gemeinsam mit Produzent Butch Vig), sondern auch für die Dokumentation verantwortlich zeichnet, führte Dutzende Interviews und ließ sich von den Besonderheiten des jeweiligen Ortes und dessen Musikhistorie erzählen. Zusammengekommen ist ein Who's Who der amerikanischen Musikszene. Und nicht nur das: Neben Dolly Parton, Chuck D. (Public Enemy), Produzentenlegende Rick Rubin, Pharrell Williams, Dan Auerbach (The Black Keys), Josh Homme (Queens Of The Stone Age), LL Cool J oder Slash kommt etwa auch US-Präsident Barack Obama zu Wort.

Einige der Interview-Gäste, die sich zwischen September 2013 und Juli 2014 für die Foo Fighters Zeit nahmen, sind auch auf dem Track zu hören, der jeweils am Ende jeder Städtereise komplett entstand - was eigentlich so nicht geplant war. Doch als Rick Nielsen, Gitarrist der Hardrock-Band Cheap Trick aus Chicago, die Foo Fighters auf ihrer ersten Station besuchte, verlieh er dem Albumkonzept eine weitere Nuance: "Wir saßen rum, quatschten, und irgendwann meinte er: 'Was ist jetzt? Darf ich jetzt einen Part spielen oder nicht?'", erinnert sich Smear lachend. Neben Nielsen durfte schließlich auch Country-Größe Zac Brown in Nashville in die Saiten hauen ("Congregation"), Rockröhre Joan Jett spielt Gitarre auf dem New-York-Track "I Am A River" und Death-Cab-For-Cutie-Frontmann Ben Gibbard ist auf dem Seattle-Song "Subterranean" als Background-Sänger und Gitarrist zu hören.

Hawkins gibt sich ganz demütig, spricht er von all den großen Gast-Stars: "Es ist einfach ein Privileg, dass wir ständig solche Leute kennenlernen und mit ihnen zusammen spielen dürfen. Ein echtes Geschenk." Sein persönliches Highlight ist das Solo von Eagles-Gitarrist Joe Walsh auf dem L.A.-Song "Outside": "Ich liebe ihn, schon immer. Zu sehen, wie einer meiner Helden seine Kunst in unserem Song verewigt - einfach unglaublich", schwärmt er. Für kommende Live-Auftritte liegt es nun an Pat Smear, sich dessen 24 Bars anzueignen: "Das ist echt hart, vielleicht müssen wir uns das irgendwie aufteilen", sagt er. Für ihn selbst wiederum war Gary Clark Jr. der beeindruckendste Gastkünstler. Vor allem weil der Blues-Gitarrist aus Austin dem 55-Jährigen zuvor gar kein Begriff war: "Er kam rein, wusste gar nicht, um was es geht, und zockte einen Wahnsinns-Part hin", erzählt Smear. "Am Ende mussten wir aus fünf Solos von ihm wählen, die allesamt unglaublich waren. Warum hat mir vorher nie jemand von diesem Typen erzählt?"

Trotz aller Beteuerung, die Albumaufnahmen stünden stets im Vordergrund, müssen beide doch zugeben, schwer beeindruckt vom aufwendigen Konzept gewesen zu sein, das ihr Frontmann Grohl auf die Beine stellte: "Wir lernten echt viel über amerikanische Musik, obwohl wir ja schon zuvor totale Musik-Freaks waren", sagt Hawkins. "Man konnte sehen, wie wichtig regionale Musik ist, wie sie irgendwo entsteht, sich entwickelt und sich dann ausbreitet. Das beste Beispiel sind doch Led Zeppelin: Das sind Briten, die amerikanischen Blues, Funk und Jazz hörten und dann ihr ganz eigenes Ding daraus machten." Für Smear machten sich die regionalen Eigenheiten ebenso bemerkbar: "Die Städte drücken das aus. Ob das Düstere aus Seattle oder die Verrücktheit von New Orleans - man spürt das einfach." Trotz all dieser Unterschiede, erinnert sich Hawkins, war aber auch eine stete Verbindung untereinander zu spüren: "Alles wird von allem beeinflusst. Und das macht uns zu einem großen musikalischen Familienbaum."

Quelle: teleschau - der mediendienst