Der Koch

Der Koch





Scharfes Essen

Ob "Small World", "Lila, Lila" oder "Die dunkle Seite des Mondes": Martin Suters souverän geschriebene Bücher lassen sich mit ihrem flotten Plot leicht konsumieren - trotz ihres politisch-gesellschaftskritischen Hintergrundes, der in der Regel zumindest oberflächlich angerissen wird. Suters Besteller "Der Koch" führt noch dazu in die faszinierende Welt der Kulinarik - ein gefundenes Fressen für eine Verfilmung, der sich hier Regisseur Ralf Huettner ("Vincent will Meer") angenommen hat. Herausgekommen ist eine solide Leinwandadaption des Romans, die sich an der Optik des Essens weidet, ohne allerdings die sinnlichen Möglichkeiten des "Love Foods" wirklich zu nutzen.

Jessica Schwarz übernimmt als bekanntestes Gesicht in diesem Film die Rolle der unterkühlt wirkenden Lesbe Andrea. Ein interessanter Part, mit dem man sich allerdings nicht gerade in die Herzen spielt. Als erfahrene Servicekraft in Spitzenrestaurants erkennt Andrea einen begnadeten Koch. Und dieser steht in dem Zürcher Sternelokal, in dem sie momentan arbeitet, nicht hinter dem Herd, sondern am Spülbecken.

Der tamilische Asylbewerber Maravan (Hamza Jeetooa) überzeugt sie von seiner besonderen Kunst bei einem privaten Abendessen, das weit mehr bietet als einen kulinarischen Genuss. Verwundert über sich selbst und ihre Verführbarkeit von einem Mann ist das Interesse an seiner speziellen Kochkunst geweckt. Sie wittert ein Geschäft und schlägt ein gemeinsames Catering vor: "Love Food". Eine Sexualtherapeutin vermittelt ihnen Paare, die sie mit ihrem Liebesmenü beglücken können.

"Nach was schmeckt das?" fragt Andrea beim ersten Kosten der für sie fremden Gerichte. "Nach meiner Kindheit", antwortet Maravan. Ayurvedisch-aphrodisisches nach Rezepten seiner Großmutter, umgesetzt mit den Mitteln der Molekularküche. Diese sorgt mit ihren chemisch anmutenden Apparaturen für den größten Schauwert im Film. Ralf Huettner inszeniert gekonnt das Handwerkliche am Kochen, den Dampf, die präzise Arbeit, die den Koch ins Schwitzen bringt. Höchste Konzentration ist gefragt, wenn in gelatinierte Aperolkügelchen Luft injiziert wird, damit sie im Sektglas oben schwimmen. Die Kunden lieben diese Spielereien und die Geschmacksexplosionen, die sie in eine lustvolle Stimmung versetzen. Was das Essen genau mit ihnen anstellt, bleibt nur zu ahnen. Hier kommt Slapstick statt Sinnlichkeit zum Zuge, da will man wirklich nicht mehr vom plötzlich wieder liebestollen alten Ehepaar oder dem schmierigen Geschäftsmann mit der jungen schönen Frau sehen.

Der Film bleibt in der Küche und beim Service. Und beim sozialen Leben Maravans, das bestimmt wird von der tamilischen Gemeinde in Zürich. Da gibt es die heiratsunwillige Braut, in die er verliebt ist, den Neffen, der nicht mehr zurück will, und die schwerkranke geliebte Oma, der er die dringende Operation finanzieren muss. Eigentlich sollte es ihn also freuen, dass die anregende Wirkung seines Essens sich bald herumspricht. Doch das auch zwielichtige Gestalten am "Love Food" Interesse zeigen wird zum Problem für den moralisch denkenden und gutherzigen Maravan.

Suter liebt mörderische Geschichten - so auch hier. Der Film erzählt den von Ruth Toma in Drehbuchform gebrachten Plot flott zu Ende - und fertig. Man verlässt das Kino mit Bildern im Kopf, die zum Eindruck aus dem Roman passen, angenehm unterhalten ohne schlechten Beigeschmack - Mittelklasserestaurant.

Quelle: teleschau - der mediendienst