Die Mannschaft

Die Mannschaft





Sommermärchen 2.0

Wer erinnert sich nicht? Autokorsos, kollektive Euphorie, schwarz-rot-goldener Wahnsinn im ganzen Land: 2006 bescherte uns die deutsche Nationalmannschaft mit ihren Auftritten bei der Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land zahlreiche denkwürdige Momente. Sönke Wortmann brachte das Ganze mit seinem Film "Deutschland. Ein Sommermärchen" auf die Kinoleinwand. Wie nun jeder weiß, der nicht hinter'm Mond wohnt, gibt es für den deutschen Fußball inzwischen eine neue, noch größere Geschichte zu erzählen. Und auch die wurde in Bild und Ton festgehalten - diesmal vom DFB selbst. Ursprünglich war das Material nur für interne Zwecke vorgesehen. Da aber alles so traumhaft lief, wurde in Zusammenarbeit mit der FIFA doch mehr daraus - eine offizielle Dokumentation zur WM in Brasilien, die nun ins Kino kommt. Der schlichte Name: "Die Mannschaft".

Wie schon bei Sönke Wortmanns Doku geht es auch in dem neuen, echten Sommermärchen darum, die großen Bilder, die rund um das deutsche Team entstanden, noch einmal ins Gedächtnis zu rufen. Darum, die großen Emotionen der WM zu rekonstruieren. "Die Mannschaft" zeigt Bastian Schweinsteiger, der sich wie ein Gladiator durch das Finale gegen Argentinien quälte - schwer lädiert, blutend, aufopferungsvoll. Und natürlich zelebriert das Happy End mit Ansage jenen Moment des Endspiel-Krimis im Estádio do Maracanã, als Mario Götze nach Vorlage von André Schürrle das 1:0 erzielte und den ersten WM-Titel seit 1990 klarmachte.

Zwischendurch - dies sind die spannendsten Szenen des Films - gewähren die Regisseure Ulrich Voigt, Jens Gronheid und Martin Christ außerdem immer wieder einen Blick hinter die Kulissen und zeigen, was bisher nicht gezeigt wurde. Etwa, wie sich Jogis Jungs im Südtiroler Trainingslager auf die Mission Weltmeisterschaft vorbereiteten, wie die Spieler ihre Zeit zwischen den Spielen verbrachten oder wie Lahm, Müller, Khedira und der Rest der Truppe nach dem Finale in der Kabine feierte. So ist der Zuschauer noch einmal ganz nah dran am Geschehen. Mehr noch: Er ist mittendrin im Sommermärchen 2.0.

Grobe handwerkliche Fehler haben DFB und die ko-produzierende FIFA bei ihrem Film nicht gemacht. Zumindest keine, die man den beiden Verbänden ernsthaft vorwerfen könnte. Dass die Kameraarbeit abgesehen von einer Handvoll netter Zeitlupen relativ unspektakulär geraten ist, kann wohlwollend auf den Entstehungsprozess zurückgeführt werden: Da läuft ein Mann ständig zwischen den Spielern umher und versucht, mit seiner Kamera einzufangen, was ihm vor die Linse kommt. Er muss nehmen, was er bekommt, einen zweiten Versuch gibt es nicht. Nicht, wenn ein Betreuer im Quartier in den Pool geworfen wird, und erst recht nicht, wenn Philipp Lahm den Pokal das erste Mal in die Höhe stemmt.

Was dem einen oder anderen vielleicht eher auf den Magen schlägt, ist die durchgehende - aber erwartbare - Selbstdarstellung des DFB als wunderbare, große, harmonische und im Grunde ganz lustige Familie. Jede Szene, jeder Satz des Films wirkt wie gefiltert und extrem kontrolliert. Selbst die lustigeren, lockereren Momente (Thomas Müller im Dirndl!) hinterlassen den Eindruck, dass der Deutsche Fußball Bund bei dem Projekt vor allem ein Ziel verfolgt: Sympathiepunkte sammeln. Ob das nun gelingt oder nicht - am Ende werden alle Beteiligten mit der Doku zufrieden sein: Die DFB-Bosse haben einen nahezu perfekten Image-Film, und die Fans dürfen noch einmal in dem größten sportlichen Triumph seit Jahrzehnten baden.

Quelle: teleschau - der mediendienst