Bernadette Heerwagen

Bernadette Heerwagen





"Bei mir ging es mit 30 erst richtig los"

Bernadette Heerwagen spielte viele große Rollen. Sie belebte Filme wie "Die kommenden Tage" (an der Seite von Daniel Brühl) und "München 72 - Das Attentat" (neben Heino Ferch). Zudem ist die 37-Jährige Wahl-Allgäuerin immer wieder im "Tatort" zu sehen und demnächst erneut in der Lokal-Krimi-Reihe "München Mord" (Folge: "Die Hölle bin ich", Samstag, 29. November, 20.15 Uhr, ZDF). Seit mehr als 20 Jahren ist Heerwagen eine feste Größe im deutschen Schauspielgeschäft - und trotzdem wissen viele immer noch keinen Namen zu ihrem Gesicht. Wie Heerwagen das findet, wie sie mit Erfolg generell umgeht, wie sie ihr Leben zurückgezogen auf dem Land bestreitet, erzählt sie im Interview.

teleschau: Mit "Die Hölle bin ich" kommt nun die nächste Episode "München Mord" ins Fernsehen. Warum ist die Reihe fürs deutsche Fernsehen eine Bereicherung?

Bernadette Heerwagen: Als es damals an mich heran getragen wurde, dass ich Ermittlerin in einem München-Krimi werden soll, dachte ich auch: Braucht man noch einen Krimi im Lokal-Kolorit? Als ich dann aber das Exposé gelesen habe, war mir klar: Ja, unbedingt! Weil es ein Krimi ist, der anders ist als die anderen.

teleschau: Was genau ist anders?

Heerwagen: "München Mord" beinhaltet keinen Schenkelklopferhumor. Es ist nicht nur ein Krimi. Und zudem wunderbar skurril.

teleschau: Skurril ist auch ihre Rolle der Ermittlerin Angelika Flierl. Was zeichnet sie aus?

Heerwagen: Sie hat ein großes Herz! Und auch wenn man ihr nachsagt, dass sie nicht die hellste Kerze auf der Torte ist, hat sie doch sehr viel intuitiven Verstand. Eigentlich möchte sie ja Rockstar werden und auf die Bühnen der Welt, nur hat sie leider kein Talent. In ihren Ermittlerjob ist sie mehr oder weniger reingerutscht, durch ihren Onkel, der Polizeipräsident ist.

teleschau: Angelika sieht sich deshalb dem Vorurteil ausgesetzt, sie hätte ihren Job nur durch Vitamin B bekommen.

Heerwagen: Ist ja auch so: Ohne Beziehungen wäre sie nicht daran gekommen. Zuvor war sie ja Stewardess auf Inlandsflügen. Aber: Sie macht als Ermittlerin bald schon große Schritte, entwickelt sich schnell weiter. Sie beweist, dass man auf sie zählen kann.

teleschau: Unter Schauspielern ist das Vitamin-B-Phämomen auch weit verbreitet, oder?

Heerwagen: Ich kann nur für mich sprechen und sagen, dass ich nie über Beziehungen oder Kontakte an Jobs gekommen bin. Meine Eltern hatten auch überhaupt nichts mit Schauspielerei zu tun oder irgendetwas in der Richtung. Bei mir hat es anders funktioniert. Ich hatte immer das Glück, dass viele meine Filme gesehen haben und gut fanden, was ich gemacht habe. Ich bin immer ohne Besetzungscouch an meine Rollen gekommen.

teleschau: Sie haben sich durch Leistungen empfohlen - und das, obwohl man ihnen am Anfang Ihrer Karriere prophezeit hatte, Sie wären spätestens mit 30 arbeitslos.

Heerwagen: Das war eine Casterin. Ganz zu Beginn meiner Karriere habe ich mich einigen Castern einfach mal vorgestellt, habe mich gezeigt und gesagt, wer ich bin. Und eine Casterin meinte damals, ich sollte mir mal ein zweites Standbein suchen, weil es sein könnte, dass es eben mit 30 vorbei ist. Ich konnte sie dann eines Besseren belehren. Bei mir ging es mit 30 ja erst richtig los.

teleschau: Was, denken Sie, war Ihre größte Stärke auf Ihrem bisherigen Karriereweg?

Heerwagen: Ich mache das ja alles schon, seit ich 17 bin, habe mittlerweile 20-jähriges Jubiläum. In all den Jahren ging es zwar kontinuierlich nach oben, aber als so steil habe ich es gar nicht wahrgenommen. Es hat einen gesunden Lauf genommen. Ich bin ja auch immer noch keine Schauspielerin, die man im Supermarkt mit Namen erkennt. Man kennt mein Gesicht, aber ich werde von den Leuten oftmals falsch zugeordnet. Manche denken, ich war mal Kundin in ihrer Bäckerei, für andere bin ich mal ein Fahrgast oder so gewesen. (lacht)

teleschau: Andere Schauspielerinnen an Ihrer Stelle wären womöglich eitel und beleidigt.

Heerwagen: Ich nicht, im Gegenteil: Ich bin froh, dass es so ist, wie es ist. Klar, ich freue mich, wenn jemand einen Film von mir sieht, ihn mag und mir das auch sagt. Aber ich empfinde es nicht als Majestätsbeleidigung, wenn man mich nicht erkennt.

teleschau: Wenn Berühmtheit sie nicht interessiert, was bedeutet dann für Sie Erfolg?

Heerwagen: Wenn ich das gute Gefühl habe, dass eine Figur und ein Film gelungen sind. Wenn die Zuschauer dieses Gefühl dann teilen, ist das die Kür in Sachen Erfolg.

teleschau: Kommerzieller Erfolg ist also eher ein positiver Nebeneffekt für Sie?

Heerwagen: Ich kann auch glücklich über eine Arbeit sein, die nicht die Zuschauerzahlen erreicht, die sich die Verantwortlichen wünschen.

teleschau: Einmal sagten Sie, das Wichtigste im Leben wäre für Sie neben Liebe, Dankbarkeit, Demut und Glückempfindung: Fußball, schnelle Autos, Schweinebraten und Bier. Wie oft kommen Sie denn zu letzteren Hobbys?

Heerwagen: Ich habe gerade in Hamburg gedreht, wo mein Bruder beim FC St. Pauli Torwart ist. Leider habe ich ein Heimspiel verpasst, aber an sich gucke ich immer gerne Fußball. Bier ist zuletzt ausgefallen wegen Baby und Stillen. Schweinebraten ging. Und die Autos, die sind mittlerweile leider etwas langsamer geworden (lacht).

teleschau: Sie leben weiterhin mit Ihrer Familie im Allgäu. Eher ländlich-traditionell oder modern?

Heerwagen: In einem alten Bauernhaus auf dem Land. Ich drehe ja fast nur in Städten und genieße es immer sehr, wenn ich nach Hause komme und so viel Grün um mich herum habe.

teleschau: Wie wäre es denn mit der Rolle einer traditionell bayerisch auftretenden Kommissarin in einem Allgäu-"Tatort"?

Heerwagen: (lacht) Das wäre mal eine Idee! Können Sie gerne vorschlagen.

teleschau: Sie wären bereit?

Heerwagen: Ich wäre bereit. Aber es gibt ja schon einen Bodensee-"Tatort", von daher weiß ich nicht, ob man sich da nicht das Wasser abgraben würde.

teleschau: Sie haben ja schon Rollen im "Tatort" übernommen. Reizt Sie die "Tatort"-Ermittlerinnen-Rolle generell?

Heerwagen: Käme wirklich ganz darauf an, wo, in welchem Kontext und mit welchen Drehbüchern. Im Moment bin ich an sich sehr glücklich mit meiner Angelika und auch darüber, dass ich ansonsten ganz viele tolle Angebote für Filme bekomme.

Quelle: teleschau - der mediendienst