Taylor Swift

Taylor Swift





Nie mehr Prinzessin

Sie gehört zu den größten Musik-Stars des Planeten: Taylor Swift konnte bislang sieben Grammy-Awards einheimsen und verkaufte 26 Millionen Alben. Lange Zeit nahm man die 24-Jährige aber in erster Linie als amerikanisches Phänomen, als Countrystar wahr. Spätestens jetzt, mit ihrem ersten Pop-Album "1989", sind diese Zeiten vorbei. Denn inzwischen reißt sich die ganze Musik- und Medienwelt um die Sängerin. Der Superstar-Rummel, den sie verursacht, zeigt sich auch beim Interview in Hamburg: Mit zwei Dutzend Leuten ist sie angereist, die alle eifrig vor ihrem Hotelzimmer wirbeln. Nur Swift selbst ist völlig entspannt, als sie von ihren Country-Anfängen, ihrer Liebes-Pause, ihren prominenten Freundinnen und ihrer Geburt in den 80-ern erzählt.

teleschau: Sie haben in Amerika die Countrymusik revolutioniert. Fiel es Ihnen schwer, dem Genre auf Ihrem neuen Album den Rücken zuzukehren?

Taylor Swift: Nein. Ich konzentriere mich nur auf mich. Ich selbst sah die Veränderung, die ich in der Countrymusik herbeigeführt haben soll, lange Zeit nicht. Erst im letzten Jahr, als ich die Vergangenheit mit Abstand betrachtete, registrierte ich, wie viele junge Menschen heutzutage gesteigertes Interesse an Country haben.

teleschau: Aber das hat doch mit Ihnen zu tun!

Swift: Ich würde es nicht als mein Verdienst bezeichnen, ich war nur Teil dieser Bewegung und lenkte Aufmerksamkeit auf ein tolles Musikgenre. Als ich noch Country machte, sah ich mich auch nie als Erneuerer. Mein Anspruch war immer nur, bessere Musik zu machen als zuvor. Und diesmal will ich bessere Musik als noch vor zwei Jahren machen. Deshalb flirte ich mit 80er-Sounds und neuen Instrumenten. Aber die originellen Texte und einprägsamen Melodien sind geblieben.

teleschau: Ihr Song "Blank Space" suggeriert, Sie hätten den Glauben an die wahre Liebe komplett verloren und wären nur noch auf kurze Flirts aus. Oder ist das Ironie, wenn Sie singen: "I can make the bad guy good for a weekend"?

Swift: Teils, teils. Ich fragte mich: "Was wäre eigentlich, wenn ich wirklich so wäre, wie die Medien behaupten?" Wenn ich dieses Männer verschlingende Monster wäre? Dann wäre dies das Lied, das ich schreiben würde. Aus dieser Perspektive ist es entstanden. Es ist mittlerweile mein Lieblingssong der Platte, weil er so witzig, dreist und mutig ist. Er betrachtet die Liebe von einem sehr zynischen Blickwinkel. Das ist neu für mich.

teleschau: Inwiefern?

Swift: Früher stellte ich Liebe und Romantik über alles, es war das ultimative Ziel im Leben. Auf meinem zweiten Album gab es den Titel "Love Story". Da ging es noch um eine fantastische Liebesgeschichte, um den Wunsch, glücklich bis ans Ende aller Tage mit jemandem zusammen zu sein und wie Prinz und Prinzessin zu leben. Das ist nun sieben Jahre her. Die Art, wie man Liebe mit 17 betrachtet und mit 24 ist schon unterschiedlich. Heute schreibe ich lieber Lieder darüber, dass Männer in der Liebe gequält werden wollen! Und ich habe überhaupt keine Dates mehr. (lacht)

teleschau: Wirklich nicht?

Swift: Meine letzte Verabredung mit einem Typen ist eineinhalb Jahre her!

teleschau: Das Popstar-Dasein scheint trotzdem keine einsame Reise für Sie zu sein.

Swift: Nein, überhaupt nicht. Du hast die Wahl: Entweder kannst du dich abkanzeln und niemandem trauen. Es gibt viele Künstler, die das tun! Oder du versuchst, vorbehaltlos auf Menschen zuzugehen. So bin ich! Ich mag es, Leuten zu vertrauen und Freunde zu haben, denen ich alles erzähle. Ich brauche sie sogar, um Spaß im Leben zu haben. Auch diesbezüglich veränderten sich meine Prioritäten in den letzten eineinhalb Jahren: Meine Freundinnen, meine Familie und meine Musik stehen an erster Stelle.

teleschau: Wie ist es Ihnen überhaupt möglich, Ihre Freundschaften zu Kolleginnen wie Lorde, zu Schauspielerinnen wie Lena Dunham oder Jennifer Lawrence zu pflegen?

Swift: Wenn du Freunde hast, die genauso einen verrückten Terminplan haben wie du, ist das hilfreich. Keiner von denen ruft mich an und sagt vorwurfsvoll: "Du hast mir eine Woche lang keine SMS geschickt!" Denn sie wissen, dass ich in der Zeit vermutlich in neun verschiedenen Ländern war. Ich versuche, sie so oft wie möglich zu sehen. Das ist genug für beide Seiten. Und das muss auch genug sein.

teleschau: Haben Sie eigentlich jemals Kanye West verziehen, dass er Ihnen bei einer Preisverleihung die Show gestohlen hat?

Swift: Ach bitte, ich will nicht über Kanye West sprechen!

teleschau: Dann anders gefragt: Gab es einen bestimmten Vorfall, der Sie zu der Aussage "Haters gonna hate" im Song "Shake It Off" inspiriert hat?

Swift: Ich musste in den letzten Jahren generell lernen, einen besseren Humor im Umgang mit mir selbst an den Tag zu legen und über mich selbst lachen zu können. Es fiel mir nicht leicht, ständig in der Kritik zu stehen. Und natürlich lauern die Hasser im Internet überall. Aber auch Leute, die einem normalen Job nachgehen, müssen Kritik aushalten.

teleschau: Heute finden Sie sogar die Mütter der Fans toll. Ist das nicht eigentlich ziemlich uncool für einen Popstar?

Swift: Ach nein. Ich liebe es, dass ich mehrere Generationen von Musikfans hinter mir versammle. Ich selbst war 16, als mein erstes Album erschien - das ist acht Jahre her. Jemand, der im Alter von zehn Jahren anfing, meine Musik zu hören, ist heute selbst erwachsen. Es ist so cool, Mädchen zu sehen, die mit meiner Musik aufgewachsen sind und die gleichen Lebenserfahrungen machen wie ich. Vielleicht sind ja auch diesmal einige dabei, die sich mit meinem neuen Blick auf die Liebe identifizieren können.

teleschau: Wieso prangt da eigentlich ein Polaroid auf Ihrem Albumcover? Sie sind doch Generation Selfie!

Swift: Ha, ja, aber ich entwickle mich rückwärts. Ein Polaroid hat etwas herrlich Nostalgisches. Und dass du es augenblicklich in der Hand halten, etwas draufschreiben und es jemand anderem geben kannst, ist ein schöner Gedanke. Zu wissen, dass man so viele Fotos schießen kann, wie man nur will, und sie nachbearbeiten kann, um sie perfekt zu machen, verklärt doch nur den Moment.

teleschau: War denn "1989" ein gutes Jahr?

Swift: Na klar! Madonna brachte damals "Like A Prayer" heraus - für mich ihr bester Song. Und generell waren die späten 80-er eine Zeit der Befreiung und der Rebellion gegen die Norm. Die Leute wurden sich klar über ihre Möglichkeiten und darüber, wer sie sind. Sie lernten, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Von diesem Gedanken ist viel auf meiner Platte. Denn genau so fühle ich derzeit.

Quelle: teleschau - der mediendienst