Bocksprünge

Bocksprünge





Ich betrüg dich, du betrügst mich

Dies ist nun also eine deutsche Komödie, mit einem guten Kniff, durchdachtem Drehbuch und solidem Personal. Reicht das? Da fällt einem "Irre sind männlich" ein, der dieses Frühjahr das Komödienhighlight hätte werden können. Ja, eigentlich sollen. Aber lustig und originell zu sein genügt leider nicht immer. Das sollte die Macher von "Bocksprünge" nicht eben zuversichtlich stimmen ...

Eigentlich ist Eckhard Preuß Schauspieler, wie die anderen Hauptdarsteller von "Bocksprünge" auch, doch diesmal schrieb er endlich eine Geschichte nach seinen Vorstellungen und die Rollen den Kollegen auf den Leib. Das Resultat war laut Preuß "ein Miteinander auf Augenhöhe".

Das Regiedebüt handelt von einem Geflecht an Beziehungen: A liebt B, doch B will was von beziehungsweise hat schon was mit C. Mit routinierten Darstellern wie Benjamin Sadler, Jule Ronstedt, Julia Koschitz und Friedrich Mücke lässt sich das gut machen. Zwei Paare bilden den Dreh- und Angelpunkt, das Biedere bestehend aus der mütterlichen Doris (Ronstedt) und dem stoischen Udo (Preuß), das etwas hippere aus der selbstverliebten Maya (Koschitz) und dem nicht minder von sich eingenommenen Silvan (Sadler).

Nun schläft der Udo mit der Maya, eine ungewöhnliche Kinoaffäre, die Schöne und der Stoiker. Da dieser Seitensprung aber in einer denkwürdigen ersten Szene zur Schau gestellt wird, hat der Zuschauer gegen merkwürdige Partnerwahl kaum etwas einzuwenden. Diese erste und zwei, drei weitere Szenen sind das Kapital, von dem die Komödie auf Durststrecken zehren muss.

In manchen Momenten ist das Drehbuch ein Knaller, zelebriert einen ganz eigenen Witz, dem man sich schwer entziehen kann. Teilweise ist das dem Naturell der Hauptfigur geschuldet, dem von Preuß verkörperten Udo, den man bis zum Schluss schwer zu greifen bekommt. Zudem wählte Eckhard Preuß das heimliche Zuhören als Leitmotiv für seinen Film: Zu belauschen, wie die Freunde über einen sprechen, wenn man nicht zugegen ist; das ist ein famoses Thema, das Preuß leider irgendwann nur noch halbherzig verfolgt und schließlich nur noch als Rahmen für andere Gags nutzt.

Der Ringelpiez mit Anfassen indes, das gegenseitige Betrügen, reicht nicht für wirkliches Interesse an den Figuren. Mit der Zeit scheint "Bocksprünge" selbst nicht mehr genau zu wissen, wohin die Reise gehen sollte. Dazu passt die Geschichte über den Titel. Der Film sollte nämlich "Das Beste draus machen" heißen. Erst nach den Dreharbeiten entstand der neue Titel. Der rührt daher, dass Udo Sportlehrer ist und die Kinder am Bock turnen lässt. Nur ist diese Szene im Film überhaupt nicht mehr zu sehen. Man hat überall getüftelt, wollte das teils privat finanzierte Projekt gut machen. Doch Preuß kann die Spannung nicht bis zum Ende hochhalten und hinterlässt mit seinem Film irgendwie doch den Eindruck einer Lose-Blatt-Sammlung. Eine mit einem wirklich hässlichen Kinoplakat.

Quelle: teleschau - der mediendienst