Traumland

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Die Störenfriedin

Von Sehnsucht und Betrug erzählt Petra Volpe, vom Wert der Familie, von Vertrauen, Liebe und auch von Gewalt. Erstaunlicherweise steht in der Mitte dieses Episodenreigens eine Prostituierte, bei der völlig selbstverständlich die Fäden zusammenlaufen. Dies ist nur ein bemerkenswerter Aspekt der Milieustudie "Traumland", die in Zürich spielt.

Normalerweise werden bei Episodenfilmen erst einmal alle Protagonisten vorgestellt, in aller Ruhe und bei banalen Tätigkeiten in ihrem Alltag. Auch da geht die Schweizerin Petra Volpe einen anderen Weg, sie zieht den Zuschauer mit spannenden Einstiegsszenen sofort in ihre Geschichte hinein. Wenn der kleine Sohn der schwangeren Lena (Ursina Lardi) unterm Rücksitz etwas findet, was unmissverständlich auf einen Seitensprung des Gatten hindeutet, lässt einen das nicht kalt. Der Ehemann wird gespielt - Hut ab - von Devid Striesow, der mit einer Mischung aus schlechtem Gewissen und ekelhafter Uneinsichtigkeit durch den Film läuft, dass einen auch dies nicht unberührt lässt.

Zwar folgt auch Volpe dem Trend, ihren Film verfrüht an Weihnachten spielen zu lassen. Doch von Festtagsstimmung fehlt trotz schöner Aufnahmen jede Spur. Im Gegenteil, Petra Volpe jagt den Zuschauer durch tiefe Tiefen, ist oft unausrechenbar.

Wer ist diese Dame (Marisa Paredes), die Reizwäsche einkauft, ganz wunderbar würdevoll, mit diebischer Freude? Sie lädt einen Herrn zum Essen ein, sie sind beide Witwer. Und wie bitter geht diese Episode aus. Alleine sie ist es wert, den Film zu sehen. Doch "Traumland" bietet viel mehr, die Entdeckung von Luna Zimic Mijovic zum Beispiel. Sie spielt die Bulgarin Mia, die als Prostituierte arbeitet.

Volpe muss nicht zeigen, worin diese Arbeit besteht, sie erzählt alles drumherum. Wie die Nachbarn reagieren und schikanieren, wie das Privatleben aussieht, wer die Menschen sind, auf die sich Mia verlässt. Obwohl das junge Mädchen nur die Randfigur in den anderen Episoden ist, wird ihre Geschichte zwischen den Bildern erzählt. Wie sie, ein Hoch auf die Bigotterie, zerrieben wird im bürgerlichen Streben nach beruhigender Normalität. Plötzlich ist man sich einig, wer stört.

Das Konstrukt von "Traumland" wirkt stimmig, die Minidramen sind schlüssig. Auch handwerklich ist der Film wirklich gut gemacht, was auch an der Kameraarbeit der mehrfach ausgezeichneten Judith Kaufmann ("Vier Minuten", "Die Fremde") liegt. Lediglich die Musik von Sascha Ring mutet an manchen Stellen sehr aufdringlich an. Aber nur, wenn man wirklich das Haar in der Suppe sucht.

Quelle: teleschau - der mediendienst