Keine gute Tat

Keine gute Tat





Der vorhersehbare Feind im Haus

"The Wire"-Star Idris Elba hat ihn einfach. Diesen Blick, irgendwo zwischen desinteressierter Berechnung und schlummerndem Wahnsinn. Eigentlich eigenartig also, dass sein neuer Film "Keine gute Tat" der erste ist, in dem er einen Psychopathen erster Güte verkörpert. Doch nicht nur Elba ist es zu verdanken, dass der Thriller des britischen Regisseurs Sam Miller, der gemeinsam mit dem 42-jährigen Londoner auch schon einige Folgen der Serie "Luther" drehte, gerade so die Kurve kriegt. Auch die oscarnominierte Taraji P. Henson ("Der seltsame Fall des Benjamin Button") brilliert als wehrhafte Mutter, die sich nicht so leicht zum Opfer machen lässt und in der pseudodüsteren, vorhersehbaren Psychostudie dem Terror die Stirn bietet.

Als gut situierte Hausfrau, die sich der Familie wegen gegen eine Karriere als Juristin entschieden hat, bedient Terry (Taraji P. Henson) die klassische Ehefrauenrolle und kümmert sich vor allem um ihre zwei Kinder. Während ihr Mann (Henry Simmons) andauernd unterwegs ist, übermannt die fürsorgliche Mutter ein Gefühl der Einsamkeit, dem sie sich durch dröge "Girls Nights" mit Freundinnen aus der wohlhabenden Vorortsnachbarschaft zu entziehen versucht. Was ein Glück, dass eines Abends, als ihr Gatte "seinen Vater" besucht, der attraktive und auf Terry anziehend wirkende Colin (Idris Elba) durchnässt im Regen vor ihrer Tür steht, weil er in der Nähe einen Unfall hatte.

Was Terry nicht weiß: Colin ist ein veritabler Sozio- und Psychopath, der eigentlich im Knast sitzt und gerade erst auf dem Weg von der gescheiterten Verhandlung über seine vorzeitige Entlassung die Wachleute des Transporters umgelegt hat und geflohen ist. Als Zuschauer ist man in "Keine gute Tat" vollständig im Bilde über die verzwickte Situation: gestörter Mörder trifft auf ehemalige Justizangestellte, die sich auf gestörte Mörder spezialisiert hat, das Ganze passiert in ihrem Haus, Kinder sind im Spiel, es regnet und es ist dunkelste Nacht. So bleibt nicht viel übrig, als auf die Eskalation zu warten und dieses Warten gestaltet sich dann trotz Überraschungsarmut doch recht aufregend.

Das liegt jedoch weniger am Versuch Millers, seinem Thriller den Anstrich eines klassischen Film Noir zu verleihen, als an dem herrlichen Kammertheater der beiden Hauptdarsteller. Elba und Henson liefern sich ein immer intensiveres Spielchen, das zu Beginn noch zwischen erotischer Anziehung und der Sehnsucht nach dem Geheimnisvollen changiert. Bis diese Ideal-Konstellation der Spannungsfilmgeschichte schließlich, was man nicht nur geahnt, sondern eigentlich von Beginn an gewusst hat, zum klassischen Psychoterror à la "Shining" gerät. Dabei verharrt Henson alias Terry jedoch nicht in der Rolle des rehäugigen weiblichen Opfers, sondern weiß sich unter Zuhilfenahme diverser Gerätschaften effektiv zu wehren. Dass sie das nicht als Frau, sondern angesichts der Gefahr für ihre Kinder natürlich als übermenschlich starkes Muttertier vollbringt: geschenkt.

Doch leider zieht der Thriller das unrealistische Vabanquespiel der sorgenden Hausfrau arg in die Länge und verbrät Elbas wie Hensons enormes Talent dafür, Mängel im Drehbuch und die langweilige Standardthrillerkost zu übertünchen. So überzeugend die beiden aufspielen, so offensichtlicher wird, dass das Filmkonzept ihnen nicht gewachsen ist. Immerhin: Am Ende wartet noch ein Beziehungstwist, der die Augen kurz vom müden Starren auf die Leinwand erlöst.

Quelle: teleschau - der mediendienst