Patrick Mölleken

Patrick Mölleken





Der Zielstrebige

Patrick Mölleken erinnert sich noch ganz genau an seinen ersten Bühnenauftritt. Und er erzählt gerne von jenem Moment, als er im Jahr 1999 als fünfjähriger Steppke, ohne lange zu fackeln, die Galabühne eines Kreuzfahrtschiffes erklomm, um vor einem rund 300-köpfigen Publikum eine selbsterdachte Moderation zum Besten zu geben. "Ich nehme die Dinge nun mal gerne selbst in die Hand", verkündet der selbstbewusste Schauspieler lachend im Interview. Seine erste Performance sei nicht nur ein voller Erfolg gewesen, sie habe auch schon den Grundstein für den weiteren beruflichen Werdegang gelegt. Mölleken wollte auf die Bühne und vor die Kamera, und diesen Kindheitstraum hat er sich erfüllt. In den Fernsehfilmen "Rosamunde Pilcher: Vertrauen ist gut, verlieben ist besser" (Samstag, 16. November, 20.15 Uhr, ZDF) sowie "Weihnachten für Einsteiger" (Freitag, 28. November, 20.15 Uhr, im Ersten) stellt der 21-Jährige demnächst einmal mehr sein Können unter Beweis.

Noch dürfte der Name Patrick Mölleken wohl in den wenigsten Köpfen Assoziationen in Sachen Schauspielkunst hervorrufen. Doch man kann davon ausgehen, dass sich dies sehr schnell ändern wird. Das Nachwuchstalent aus Nordrhein-Westfalen gehört schon jetzt zu den gefragtesten Schauspielern seiner Generation - und das ganz sicher nicht nur wegen eines Blicks, der die Mädchen schmachten lässt, oder weil er die Stirn so schön in Falten legen und mit Lederjacke, Jeans und cooler Tolle auf Bildern durchaus wirken kann wie ein junger James Dean.

Seinen beruflichen Aufstieg hat Mölleken vor allem seinem Fleiß und seiner Empathie zu verdanken - und einer ordentlichen Portion Ehrgeiz. Auf seine erste Rolle, 2004 in der RTL-Actionserie "Alarm für Cobra 11", die der damals zehnjährige Bub zuvor begeistert im Fernsehen verfolgt hatte, folgten bis heute über 60 weitere Auftritte, sowie zahlreiche Engagements als Hörbuch-, Hörspiel- und Synchronsprecher. Mölleken sagt, er halte stetig die Augen nach neuen Herausforderungen offen - und er greift zu, wann immer sich ihm die Möglichkeit bietet. "Den Ehrgeiz habe ich sicherlich auch von meinen Eltern, die selbst sehr zielstrebig sind und sich nie unterkriegen lassen", erklärt er. "Außerdem konnte ich, als einziger Künstler in der Familie, nie auf Vitamin B zurückgreifen und habe sehr schnell gelernt, wie wichtig Eigeninitiative als angehender Schauspieler ist."

Wie sehr sich Möllekens Engagement bisher bezahlt machte, verrät ein Blick auf die Bandbreite seiner Schauspielprojekte. Die lange Liste seiner Rollen, die von Krimiserien wie "SOKO Stuttgart" (2012) über Fernsehfilme wie "16 über Nacht!" (2013) bis hin zu Kinoproduktionen wie "WIR" (2013) reicht, vermag leicht über sein so junges Alter hinwegzutäuschen. Die Vita fand ihren bisherigen Höhepunkt in der TV-Produktion "Rommel" von 2011. An der Seite von Schauspieler Ulrich Tukur, einesm seiner größten deutschsprachigen Vorbilder, mimte Mölleken den Sohn von "Wüstenfuchs" Erwin Rommel, des wohl bekanntesten Generalfeldmarschalls aus der Zeit des Nationalsozialismus. Er sagt, er habe sich seiner komplexen Figur über zahlreiche Recherchen und mit ganz viel Respekt genähert: "Natürlich hat man immer eine Verantwortung als Schauspieler, aber gerade solche Rollen, die wahre Begebenheiten und dabei so viel Leid realisieren, erfordern einiges an Konzentration und Vorbereitung."

Der Zugang zu einer Rolle führe bei ihm weniger über schauspielerische Technik als über Intuition, verrät Patrick Mölleken. Er wolle sich stets ganz den Emotionen seiner Figuren hingeben, auch wenn das ein besonderes Maß an Mut von einem Schauspieler erfordere. "Ich habe tatsächlich schon Momente erlebt, in denen sich das Einfinden in eine Rolle kurzzeitig anfühlte wie eine Art Wesensveränderung. So war es beispielsweise in 'A Good Story' erschreckend zu sehen, wie das Tragen dieser originalen Uniform aus dem Zweiten Weltkrieg auf einen selbst und andere wirkt." Gerade erst sicherte sich Martin-Christopher Bodes Kurzfilm "A Good Story", in dem Mölleken den Wehrmachtssoldaten Adam verkörpert, den ersten Platz beim 21st Raindance Film Festival in London und erhielt so eine Qualifizierung für die Oscars 2015. Welch eine Auszeichnung für den 21 Jahre jungen Schauspieler, der unlängst mit dem Ensemble der Serie "Der Lehrer" mit dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet wurde!

Doch an die Oscars und den ganz großen Ruhm denkt Patrick Mölleken noch lange nicht. Viel wichtiger als Popularität seien ihm der Spaß an der Arbeit sowie die Möglichkeit, seine Leidenschaft für das Nachempfinden fremder Schicksale ausleben zu können. Dabei sind dem ambitionierten Jungstar die Unwägbarkeiten des Schauspielberufes bewusst. So glänzte er bereits in der Schulzeit trotz größerer Fehlzeiten zugunsten des Drehens mit Bestleistungen bis hin zum Abitur. Mölleken betont, er plane auch weiterhin, auf ein zweites Standbein, etwa ein filmtechnisch relevantes Studium, zu setzen, wenn es die Zeit erlaubt. Vorrangig allerdings werde er sich um möglichst viele anspruchsvolle Rollen und gute Projekte bemühen.

In der ARD-Komödie "Weihnachten für Einsteiger" von Sven Bohse spielt Mölleken den lässigen Schwerenöter Kalle, der sich auf den zweiten Blick als unerwartet tiefgründig entpuppt - eine Rolle, mit der sich Mölleken durchaus identifizieren kann. Wobei: "Ich, ein Ladykiller? Na gut, vielleicht ein bisschen", kokettiert der 1,89 Meter große Schauspieler. "Kalle übertreibt es natürlich ziemlich, aber allzu schüchtern sollte man gegenüber dem anderen Geschlecht auch nicht sein." Auf Fragen zu seinem eigenen Privatleben reagiert der Jungstar eher vorsichtig. Familienplanung, so versichert er im Gespräch, sei jedenfalls noch kein Thema. "Das wird frühestens in zehn Jahren aktuell", lacht Mölleken. Bis dahin konzentriere er sich lieber auf seine Freunde, die ihn übrigens seit der Schulzeit bei seinen schauspielerischen Ambitionen unterstützten.

Derzeit steht Patrick Mölleken gemeinsam mit Cordula Stratmann und Simon Böer für die neue ARD-Comedy-Serie "Die Kuhflüsterin" in einer Hauptrolle vor der Kamera.

Ob sich Patrick Mölleken, der den großen Marlon Brando zu seinen Vorbildern zählt, zukünftig noch bis zu seiner Traumrolle, der Schlüsselfigur in einem Mafiastreifen à la "Der Pate", hochkämpfen kann, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch: Dem ehrgeizigen Nachwuchstalent ist vieles zuzutrauen.

Quelle: teleschau - der mediendienst