Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss

Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss





Ein seltsamer Fall

"Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss" ist eine Koproduktion mit dem "Kleinen Fernsehspiel" des ZDF in Zusammenarbeit mit ARTE. Und diesen TV-Hintergrund merkt man dem verschrobenen Genre-Bastard zu jeder Zeit an. Der Film von Florian Mischa Böder ist eigentlich nicht in der Lage, eine Kinoleinwand zu füllen. Und auch seine hoch gesteckten Ziele erreicht er nicht ganz.

Es ist in diesem Zusammenhang die Frage zu stellen, ob es dem Film gut tut, dass seine beiden Hauptdarsteller Mavie Hörbiger und Benno Fürmann lange Zeit nicht wirklich zu greifen sind. Der ehrgeizige Auftragskiller Koralnik ist schwer einzuschätzen: Ist er ein neurotischer Idiot, den nicht mal die Vorzimmerdame seines Chefs ernst nimmt, oder litt sein Selbstbewusstsein nur etwas, weil er seit acht Jahren abgeschottet von der Welt in seinem Alltag hockt und auf seinen ersten Auftrag wartet?

Er wurde für ein ganz geheimes EU-Projekt ausgebildet, seine Tarnung hält er bis zu dem Tag aufrecht, an dem auf einem menschenleeren Parkplatz eine junge Frau mit Gretelzopf (Hörbiger) auf sein Auto auffährt. Da sie kein Mensch der großen Drucksereien ist, lädt sich jene Rosa zum Essen bei Koralnik ein, um zu klären, was nach einem Blechschaden zu klären ist.

Ab diesem Moment sind die beiden schicksalhaft miteinander verbunden. Eine Verkettung dummer Zufälle sorgt dafür, dass nicht nur dieses Date schiefgeht, sondern Koralnik plötzlich zusammen mit Rosa im Auto sitzt, er mehr auf sie angewiesen als umgekehrt. Man misstraut beiden. Denn beide benehmen sich merkwürdig. Er, der tragische Antiheld, der immer von Kontrolle spricht, sie jedoch ständig verliert. Sie, die abgebrüht wirkt und ja ebenfalls Agentin sein könnte - so kennt man das aus diesem Genre.

Statt cooler Klischees will Kinoneuling Florian Mischa Böder seinem Killer zutiefst menschliche Gefühle verleihen. Sein Koralnik, der Mann ohne Vornamen, der stets bereit ist, Befehle zu empfangen, hat Angst, ist ungeschickt, nervös. Wenn der Killer zurückfällt in seine üblicherweise überhebliche Position und die Welt keineswegs spurt, keineswegs den Weg frei macht, sondern Dienst nach Vorschrift tut, ist das durchaus witzig.

Gelungen ist das Drehbuch von Böder und Clemente Fernandez-Gil auch in den Momenten, wo es menschelt. Wo zwischen an- beziehungsweise abgeschossenen Zehen zwei Menschen normal miteinander sprechen oder sich der Killer im Auto wie verrückt über seinen Auftrag freut, bevor ihm ein eklatantes Missgeschick auffällt. Doch über weite Strecken ist "Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss" dann doch wieder nur ein derbes Roadmovie, das seine Protagonisten durch heftige Probleme schleift, die es eben doch nur im Kino gibt. Kann man machen, wirkt aber im Kontext unentschlossen. Der ganz große Wurf gelingt Böder mit diesem Film nicht. Dafür ist die Wandlung des Koralnik dann auch zu hölzern.

Quelle: teleschau - der mediendienst