Quatsch und die Nasenbärbande

Quatsch und die Nasenbärbande





100 Prozent Durchschnitt

Anarchische Kinderfilme- und Kinderbücher ohne bemüht pädagogischen Anspruch sind etwas Wünschenswertes und durchaus Seltenes. Haben doch alle Geschichten für Kinder den Haken, dass sie von Erwachsenen produziert werden. "Quatsch und die Nasenbärbande" ist ein redlicher Versuch, die olle Vernunft an den Nagel zu hängen. Im Sinn hatten die Macher offenbar einen lustig-anarchischen Film für die Allerkleinsten, die gerade dem Topf entwachsen sind und endlich ins Kino dürfen. Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Veit Helmer ("Baikonur") scheut sich nicht - ebenso wenig wie die Kinder der Nasenbärenbande - für einen hehren Zweck zu stibitzen. Während die Kinder Schlaftabletten, Brötchen, Loks, Boote, Kräne und allerlei mehr mopsen oder kurz mal "ausleihen", bedient sich Helmer bei zahlreichen kreativen Vorbildern der Kinderunterhaltung.

Von Michael Ende kupfert er eine fliegende Lok und die "grauen Herren" ab, hier sind Letztere allerdings Mitglieder der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Diese wollen im statistisch betrachtet hochinteressanten, da sehr durchschnittlichen Bollersdorf den Otto Normalverbrauchern gewissermaßen ebenfalls die Zeit stehlen, indem sie sie pausenlos neue Produkte testen lassen, die die Welt nicht braucht.

Doch die Herren in den silbergrauen Anzügen haben nicht mit den Kindern Rieke (Nora Börner), Max (Justin Wilke), Ben (Mattis Mio Weise), Suse (Henriette Kratochwil), Lene (Charlotte Röbig), und Paul (Pieter Dejan Budak) gerechnet, der titelgebenden Nasenbärbande, die nicht von ungefähr an "Die kleinen Strolche" erinnert, nur dass der Kindertrupp hier deutlich weniger individuell daherkommt.

Gemeinsam mit dem Nasenbären Quatsch, der an die Meerkatze Herr Nilsson aus den "Pippi Langstrumpf"-Büchern und -Filmen denken lässt, schmiedet die kurzbeinige Gang kurzweilige Pläne, wie sie die GfK wieder aus ihrem Dorf vertreiben und ihre durch die Bank altersverwirrten, aber rüstigen Großeltern wieder aus dem Seniorenheim rausholen kann. Dahin wurden diese nämlich gesteckt, da sie mit ihrem verrückten Treiben und ihren lästigen Erfindungen das Durchschnitts-Image des Dorfes zunichtemachten.

Die Erwachsenen der Elterngeneration kommen bei Helmer dagegen weitaus schlechter weg als in anderen anarchischen Kinderfilmkrachern. Gab es bei "Pippi Langstrumpf" außer der Prusseliese wenigstens noch den zur See fahrenden Papa und bei Momo den weisen Beppo Straßenkehrer, sind in diesem knallbunten Filmtrip alle Erwachsenen streng, doof, langweilig und unterbelichtet. Man ist froh, dass diese dämlichen Rollen wenigstens mit guten, überdreht-vergnügt aufspielenden Schauspielern wie Fritzi Haberlandt und Benno Fürmann besetzt sind. Selbst der comebackfreudige Rolf Zacher gibt sich größte Mühe, seiner Rolle als Weltrekordsschiedsrichter etwas abzuringen.

Einen solchen Rekord wollen die Kinder nämlich aufstellen, um Bollersdorf aus seiner Mittelmäßigkeit zu reißen und somit für die Konsumentenforscher uninteressant zu machen. Kurzerhand fesseln die hyperaktiven Kinder, die die kleinen und großen Zuschauer nur bei ihren gewöhnungsbedürftigen Gesangseinlagen ein wenig zur Ruhe kommen lassen, wieder die prusseliesige Dorfkindergärtnerin. Erstaunlich ist es schon, dass die FBW weder darin noch in dem Lieblingsversteck der Kinder - einem hohen Kran, den sie ständig erklimmen, - noch in den zahlreichen Fahrzeugen, die die Kinder eigenhändig steuern und zu Bruch fahren, einen Hinderungsgrund sah, dem Film das Prädikat "besonders wertvoll" zu verpassen.

Die offensichtliche Botschaft des visuell recht ansprechenden, aber auch ein wenig hektischen Films: Seid eigenständig und originell, folgt euren Träumen, seid bloß nicht 100 Prozent Durchschnitt! Schade, dass die Filmemacher selbst von diesem Geist nicht wirklich beseelt waren.

Quelle: teleschau - der mediendienst