Den Himmel gibt's echt

Den Himmel gibt's echt





Die goldene Oblate

Neun von zehn US-Amerikanern hegen laut einer neueren Studie tatsächlich Zweifel an der Evolutionstheorie. 50 Prozent aller amerikanischer Evangelikalen glauben an den Kreationismus - also an die Lehre, dass allein Gott die Erde in sechs Tagen erschaffen hat. Kein Wunder, dass angesichts solcher Zahlen und der beeindruckenden Kassenerfolge von bibeltreuen Filmen wie "Die Passion Christi" die Kinobosse händeringend Stoffe für die fromme Zielgruppe suchen. Im Fall von "Den Himmel gibt's echt " reichte ein Blick auf die Sachbuch-Bestsellerliste der New York Times im Jahre 2010. In dem gleichnamigen Buch erzählt Todd Burpo gemeinsam mit Sarah-Palin-Co-Biografin Lynn Vincent die "wahre" Geschichte, wie sein vierjähriger Sohn, als sein Leben einmal am seidenen Faden hing, dem echten Himmel einen Besuch abstattete - und auf die Erde wiederkehrte.

Regisseur Randall Wallace ("Wir waren Helden") macht aus diesem Stoff, von dem man halten kann, was immer man mag, einen fundamentalistisch-christlichen Werbefilm in Heiligenbildästhetik, von dem selbst Scientology sicher noch etwas lernen könnte.

Die Geschichte nimmt ihren Anfang im Mittleren Westen der USA, wo Kameramann Dean Semler den Zuschauer mit göttlich gelben Sonneblumenfeldern und ähnlich idyllischen Landschaften nicht etwa auf eine Frühstücksmargarinenwerbung, sondern auf ein über jeden Zweifel erhabenes Erweckungserlebnis einstimmt. Dort lebt in einem bescheidenen Haus, das schätzungsweise mindestens 18 Zimmer hat, die Familie Burpo. Vater Todd Burpo - gespielt vom oscarnominierten Greg Kinnear ("Besser geht's nicht") - versucht, die Familie mit seinem Handwerksbetrieb über Wasser zu halten. Der fromme Mann lässt sich von zahlungsschwachen Kunden auch schon mal mit einem Teppich bezahlen.

Zusätzlich arbeitet der vorbildliche Vater des vierjährigen Colton (Connor Corum) und der etwas älteren Tochter Cassie (Lane Styles) als Sonntagsprediger, ehrenamtlicher Jugend-Sporttrainer und freiwilliger Feuerwehrmann. Soweit so gerade noch erträglich trotz höllisch schlechtem Filmscore von Nick Glennie-Smith und der kaum auszuhaltenden Nettigkeit und teilweise unterirdisch-schlechten schauspielerischen Performance der übrigen Gemeindemitglieder.

Doch als der kleine Colton plötzlich schwer erkrankt und bei einer Not-OP seinen Körper verlässt und dem Himmel einen Besuch abstattet, kommt es zu unfreiwillig komischen Szenen. Dort oben trifft der kleine Colton nämlich strahlende Engel, die sich kichernd weigern, für ihn "We Will Rock You" zu singen, außerdem Jesus persönlich, der übrigens keine braunen, sondern blaugrüne Augen und ein hübsches Pferd hat. Auch ein paar junggebliebene Verwandte trifft der selige Junge im himmlischen Paradies.

Nach seiner Rückkehr stürzt der niedlich-bodenständige Colton den Vater mit seinen Erzählungen - zu denen auch Informationen über verstorbene Verwandte gehören, die er eigentlich nicht kennen kann - in eine tiefe Glaubenskrise. Die soll aber nicht einmal der geneigte Zuschauer mit ihm teilen, denn er hat ja bereits mit den Augen des Jungen gesehen, was Fakt ist im Himmel. Dennoch hat der Film mit Todds Zweifeln an den Schilderungen des Jungen Konfliktstoff zur Verfügung: Todds Job als Sonntagsprediger ist kurzzeitig in Gefahr! Letztlich wird aber natürlich alles gut, auch die Ehefrau muss nicht wie kurzzeitig angedroht wieder arbeiten gehen.

In den USA spielte der Film bereits über 90 Millionen Dollar ein. Gäbe es als Äquivalent zu der Goldenen Himbeere für den schlechtesten Film des Jahres die Goldene Oblate für den peinlichsten Kirchenpropagandafilm - dieser Film hätte sie wirklich verdient. Den gesunden Menschenverstand gibt's nämlich auch echt.

Quelle: teleschau - der mediendienst