Altmodisch und stolz darauf

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Graham Annable und Anthony Stacchi brachten "Die Boxtrolls" (Start: 23.10.) in Bewegung

Boxtrolls klauen Käse und kleine Kinder - und fressen beides auf! Da sind sich die Einwohner von Cheesebridge sicher. Und deshalb machen sie gnadenlos Jagd auf die Pappschachtelmonster, allen voran der dubiose Snatcher und seine fiesen Helfer. Dabei sind "Die Boxtrolls" (Start: 23.10.), die in der Kanalisation der Stadt hausen, liebenswerte Geschöpfe und grandiose Erfinder - und sie sind die Zieheltern von Eggs. Den Menschenjungen haben sie als Baby gefunden und aufgezogen. Und nun hält sich Eggs selbst für einen Boxtroll - bis er das Menschenmädchen Winnie trifft. Für "ParaNorman" und "Coraline" hat das kleine Animationsstudio Laika bereits Oscarnominierungen eingefahren. Vielleicht gelingt ihnen mit der Kinderbuchverfilmung über die Boxtrolls das Nominierungs-Triple. Im Interview sprechen die beiden Regisseure Graham Annable und Anthony Stacchi über Pantomime, King Kong und Hörspiele.

teleschau: Seit wann spuken die Boxtrolls Ihnen denn schon im Kopf herum?

Anthony Stacchi: Seit sieben Jahren. Wir haben uns damals bei Freunden in der Nähe von San Francisco kennen gelernt und mochten beide die Bücher von Alan Snow, von dem ja die literarische Vorlage stammt. Die waren damals kurz zuvor in den USA herausgekommen.

Graham Annable: Unser Produktiosstudio Laika war dann aber zuerst mit der Produktion von "Paranorman" beschäftigt.

teleschau: "Here Be Monsters!" von Alan Snow enthält ja noch deutlich mehr erzählerische Elemente ...

Stacchi: ... aber wir haben sofort entschieden, uns auf die Geschichte von Eggs und den Boxtrolls zu konzentrieren. Damit war auch sehr schnell klar, dass die Boxtrolls nicht sprechen, sondern pantomimisch kommunizieren würden. Denn Graham verfasst ja auch selbst Comics, und die Figuren darin agieren ebenfalls immer pantomimisch. Nachdem Laika "Paranorman" fertig hatte, haben wir dann unverzüglich mit den "Boxtrolls" begonnen.

teleschau: Wie lange dauert denn die Produktion eines klassischen Stop-Motion-Films, in dem Einzelbilder von Puppen und Sets zu Bewegtaufnahmen zusammengefügt werden?

Annable: Anderthalb Jahre - wenn die Storyboards fertig sind und die Sets stehen (lacht). Aber dann arbeiten wir nicht nur "normale Büroschichten". In Spitzenzeiten waren 25 Trickfilmer mit den Boxtrolls beschäftigt, die maximal 35 bis 45 Einzelbilder pro Tag fertigstellen konnten. Nach einer Woche haben sie auf diese Weise drei bis vier Filmsekunden fertig. Die ganze Firma produziert auf diese Weise in einer Arbeitswoche ja nur ein paar Minuten Film. 18 Monate später müssen aber 90 zusammenhängende Minuten fertig sein. Das ist auch logistisch eine Herausforderung.

teleschau: Inwiefern?

Stacchi: Nehmen wir zum Beispiel die Figur Eggs. Den guten Eggs gab es über 30 Mal, jede Puppe mit abnehmbarem Gesicht, handgenähter Kleidung und voll beweglich. Das Produktionsteam hatte eine riesige Tafel, auf der vermerkt war, welche Puppe für welchen Zeitraum zu welchem Künstler an welches Set wanderte.

teleschau: Und wie viel davon wurde umsonst gedreht, weil es im Schnitt wieder wegfiel?

Annable: Nicht mehr als zehn Einzelbilder! Bei Animationsfilmen entwickelt man den "Film vor dem Film" in der Storyboardphase. Im echten Schnitt haben wir höchstens zehn Einzelbilder doch nicht benötigt. Das ist anders als beim Realfilm, wo es nicht so schlimm ist, wenn ein Darsteller mal eine Szene umsonst gespielt hat. Bei uns ist das so teuer, dass es richtig weh tut, und man vermeidet es deshalb tunlichst.

teleschau: In der Originalversion spricht Sir Ben Kingsley den Bösewicht Snatcher. Kennt der Sprecher vor den Aufnahmen die Bilder zu den Szenen?

Stacchi: Er kennt die Storyboards, die Dialoge der Figuren werden dann komplett vor dem eigentlichen Dreh aufgenommen, wie eine Art Hörspiel. Der Trickfilmer hört sich für die jeweilige Szene, die er umsetzen soll, wieder und wieder diese Dialoge an und versucht dann die richtigen Bewegungen und Mimik der Puppen dafür zu finden.

teleschau: Kontrollieren Sie eigentlich die Synchronfassungen Ihrer Filme?

Stacchi: Das spricht in der jeweiligen Sprache eben der Schauspieler, der in diesem Land regelmäßig die Filme von Ben Kingsley synchronisiert. Auch historisch ist eine solche Kontrolle bei Animationsfilmen nicht üblich. Und wir sind ja ohnehin, trotz aller Computer, ein sehr altmodisches Gewerbe, besonders die Stop-Motion-Animation. Hey, immerhin wurden schon "King Kong und die weiße Frau" 1933 auf dieselbe Weise animiert wie unsere Boxtrolls.

Quelle: teleschau - der mediendienst