Christian Kohlund

Christian Kohlund





Der mit der tiefen, ruhigen Stimme

Zehn Jahre und 20 Filme lang hat Christian Kohlund im Degeto-"Traumhotel" den umsichtigen Hotelketten-Manager Markus Winter gespielt - mit breiter Brust und tiefer Stimme. Ein Herr in allen Lebenslagen, der sich mal um die eigenen Häuser, mal ums Wohl der Gäste sorgt. Kohlund war der ruhende Pol in der Reihe, in der es stets um schöne Reiseziele und schicke Destinationen ging. Doch nun ist Schluss mit der Fernwehversorgung am Kamin. Das ARD-Degeto-Format muss weniger seichten Stoffen weichen, der Film "Das Traumhotel: Marokko" (Freitag, 31. Oktober, 20.15 Uhr) ist der letzte. Kohlund wusste es seit 2013. Eher dankbar blickt der mittlerweile 64-jährige gebürtige Schweizer und Spross einer bekannten Schauspieler-Dynastie auf die Unterhaltungreihe zurück und macht sich auch gleich auf zu neuen Ufern.

Kohlund ist schon seiner ruhigen Stimme wegen, die auch mal Pausen zulässt, ein begnadeter Plauderer. Man muss aufpassen im Gespräch, dass einem die Zeit nicht davon läuft, bevor man zu den ach so "wichtigen" Fragen kommt. Gerne erzählt er von der Familie in der Schweiz, vom Vater, der gleichfalls Schauspieler und Theaterregisseur war.

Kohlunds ältere Schwester Franziska, Schauspielerin und Theaterleiterin, ist vor wenigen Tagen in der Nähe von Zürich gestorben. Es scheint, als mische sich deshalb etwas Trauer in die Stimme. Ein schwarzer Filzhut wiederum, den er auf dem Kopf trägt, gibt Kohlund etwas Almödhaftes, ein gewisser Schalk sitzt ihm im Nacken.

Ob es der Hut von Max Frisch ist, den er bei dessen Besuchen im Elternhaus früher manchmal trug, wagt man jetzt nicht zu erfragen. Stattdessen kommt wegen des Vaters, der auf der Barocktreppe in Einsiedeln bei Zürich mehrfach Calderons "Großes Welttheater" als Freilichtaufführung inszenierte, das Gespräch auf die dortige Klosterschule: "Benediktiner, schwarze Madonna", sagt Kohlund, "und eine ganz tolle Schule." Und er fügt hinzu: "Allerdings habe ich sie nicht zu Ende gemacht. Aber es gab tolle Kollegen dort, wie etwa den Schriftsteller Thomas Hürlimann, der Sohn des früheren Schweizer Bundesrats und -präsidenten."

Auch Kohlund hat seine Karriere gemacht, spielte an großen und wichtigen Bühnen, bevor dann in den 80-ern die Rademannsche "Schwarzwaldklinik" kam, ein verblüffender Publikumserfolg, in dem Kohlund an der Seite von Professor Brinkmann ordinierte. "Der mit den Löckchen" wurde er genannt und in die bekannte Unterhaltungsschublade gesteckt, erinnert er sich schmunzelnd.

Mit dem Hoteldirektor im "Traumhotel" sei das ähnlich gewesen. Man dürfe aber nicht vergessen, dass ihm diese Rollen zu großer Popularität verholfen hätten. Wenn er etwa sein selbst inszeniertes Lieblingsstück "Im Zweifel für den Angeklagten" spiele, ein Stück über Menschenrechte, seine "ganze Passion", dann kämen eben auch Leute, "die wollen den aus der 'Schwarzwaldklinik' und aus dem 'Traumhotel' sehen und lassen sich dann bei diesem Zwei-Stunden-Monolog ganz auf die Geschichte ein".

"Dankbar" ist er darüber, dass er mit dem "Traumhotel" die Welt sehen durfte: "Ich bin an Orte gekommen, die ich sonst nicht gesehen hätte - auch mit einem Teil meiner Familie." Vielleicht hätte man vieles besser oder realistischer machen können, "aber der Auftrag war eben die leichte Unterhaltung". Die Zusammenarbeit mit der ARD gehe ohnehin für ihn weiter. "Wenn wir in Zukunft die Möglichkeit haben, tolle Filme zu machen, können wir uns freuen." Im November dreht er für das Erste den Film "Borcherts Fall" (Regie: Matthias Steurer), wo Kohlund einen Rechtsanwalt spielt. Wenn alles gut geht, wird es der Auftakt zu einer neuen Reihe.

Kohlund, der seit 30 Jahren glücklich verheiratet ist und mit seiner Frau Elke zwei erwachsene Kinder hat, lebt zurückgezogen in Bayern. Für eine gute Ehe, so sagt er, gebe es "kein Rezept". "Die Elke und ich, wir haben ein tiefes Einverständnis miteinander. Aber so eine Beziehung ist eben auch Arbeit. Wir sind ja beide sture Hunde, beide Feuerzeichen - ich bin Löwe, sie Schütze. Da muss man auch mal streiten können und das dann wieder austarieren. Das Wichtigste ist der Respekt vor dem anderen."

Wie steht der Schauspieler, der vor allem in Deutschland Karriere machte, zu seinem Heimatland, der Schweiz? - "Ich stehe der Schweiz genauso kritisch gegenüber wie jedem anderen Land. Es gibt viele Dinge in der Schweiz, mit denen ich nicht einverstanden bin, gerade wenn man ein Land so liebt wie ich. Aber man kann nicht auf der einen Seite die Weltbank spielen und alles globalisieren, und dann nichts zu tun haben wollen mit den Ausländern. Etwa nach dem Motto von Goethes Zauberlehrling: 'Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los'!' So einfach geht das nicht."

Quelle: teleschau - der mediendienst