Henny Reents

Henny Reents





Am Set ein kleines Trüffelschwein

Eigentlich hat sie ja das Weite gesucht. Oder besser gesagt das Laute. Nach dem Abitur zog die Ostfriesin Henny Reents erst nach Leipzig, später nach Amsterdam, dann nach Hamburg, bis sie in der Hauptstadt ankam. Für die Dreharbeiten zur neuen Krimireihe "Nord bei Nordwest" (Donnerstag, 6.11. 20.15 Uhr) ist die Schauspielerin wieder an die Küste zurückgekehrt. In einem beschaulichen Ort an der Ostsee sorgt sie als Kommissarin Lona Vogt für Recht und Ordnung. Meist sind es Jungenstreiche, die den weiblichen Dorf-Sheriff auf Trab halten, doch als der Tierarzt und Ex-Polizist Hauke Jacobs (Hinnerk Schönemann) mit seinem Boot am örtlichen Hafen anlegt, überschlagen sich die Ereignisse. Im Interview spricht die 39-jährige Mutter eines dreijährigen Sohnes, die in Nebenrollen im "Tatort" oder "Polizeiruf 110" sowie an der Seite von Ken Duken und Heinz Hoenig im Film "Banklady" zu sehen war, über ihre Heimat, die rote Haarpracht als Markenzeichen und wovon sie als Jugendliche geträumt hat.

teleschau: Die Reihe "Nord bei Nordwest" spielt an der Ostsee - das trifft sich gut, schließlich sind Sie in einem ostfriesischen Dorf am Wasser aufgewachsen. Sind Küstenbewohner ein besonderer Menschenschlag?

Henny Reents: Ich glaube schon. Ich denke, das hat vor allem mit der abgeschiedenen Lebensweise zu tun. Hektik ist ein Fremdwort. Die Uhren ticken langsamer, alles ist überschaubar, man kennt sich. Das führt dazu, dass man keine voreiligen Entscheidungen trifft, sich nicht kopflos in irgendwelche Dinge hineinstürzt. Die Menschen dort sind bodenständig.

teleschau: Heute leben Sie in Berlin - was vermissen Sie von zu Hause?

Reents: Ich mag die Abwechslung. Ich brauche die Stadt, dann auch wieder die Ruhe. Um nach all der Reizüberflutung wieder einen klaren Kopf zu bekommen, fahre ich gerne in die Heimat.

teleschau: Gibt es Heimkehr-Rituale?

Reents: Ankommen und Tee trinken. Das läuft immer gleich ab. Es gibt nichts, was man dort sonst Spannendes machen könnte, und das ist das schöne daran.

teleschau: Ihre Rolle der Kommissarin Lona Vogt sorgt für Recht und Ordnung. Sie sind mit vier Geschwistern aufgewachsen, haben Sie da auch manchmal den Sheriff gespielt?

Reents: Wir waren ein bunter Haufen. Es ging immer ganz gut zur Sache. Aber ich hatte nicht unbedingt die Rolle der Ruhestifterin. Wenn mich mein großer Bruder mal wieder geärgert hat, habe ich einfach seine Schallplatten vom Balkon geschmissen. So war ich ihn ganz schnell los.

teleschau: Wie haben Sie sich auf Ihren Part in "Nord bei Nordwest" vorbereitet?

Reents: Ich gehe immer ähnlich heran. Ich lese ein Buch und habe meist recht schnell ein Gefühl für die Figur, wie sie geht, spricht und wie sie aussieht. Für die Figur Lona war mir wichtig, dass ich gut mit einer Waffe umgehen kann, dafür habe ich Schießtraining bekommen. Und dann nutze ich einfach die Situation am Set. Bin hellwach und liege auf der Lauer, was man wo herausarbeiten kann. Wie ein kleines Trüffelschwein. Die Hauptarbeit passiert intuitiv. Vor Ort und spontan. Das ist das, was mir am meisten Spaß macht.

teleschau: Wie sind Sie überhaupt zur Schauspielerei gekommen?

Reents: Übers Tanzen. Schon als Kind habe ich jede freie Minute beim Sport und Kunstturnen verbracht. Beim Ballett war ich aber eine Spätzünderin. Die Schule in meinem Dorf hat mich gar nicht mehr genommen, mit 16 war ich schlichtweg zu alt. Schließlich habe ich im 25 Kilometer entfernten Nachbarort dann doch noch begonnen - und habe es von der ersten Sekunde an geliebt.

teleschau: Sie haben das sehr intensiv betrieben...

Reents: Ja. Ich habe nach dem Abitur Tanz- und Tanzpädagogik in Leipzig studiert. Und mich danach an der Theaterhochschule in Amsterdam auf Modern Jazz Dance spezialisiert.

teleschau: Und hier gab's dann die wirkliche berufliche Offenbarung?

Reents: Genau. Zu einem gewissen Zeitpunkt war mir einfach klar, dass mir das Tanzen als Ausdrucksform nicht mehr reicht. Ich stand zum ersten Mal schauspielernd auf der Bühne und wusste sofort: Das ist es. Endlich auch sprechen zu können, empfand ich als Befreiung. Also bewarb ich mich an der Schauspielschule in Hamburg und wurde Schauspielerin.

teleschau: Ihre roten Haare stechen ins Auge und bleiben im Gedächtnis - ist das ein Pluspunkt in Ihrem Beruf?

Reents: Ich denke schon. Wobei mir das gar nicht so außergewöhnlich vorkommt. Alle Frauen in meiner Familie sind rothaarig.

teleschau: Sind Sie als Kind dafür gehänselt worden?

Reents: Nicht wirklich. Ein einziges Mal hat ein Junge etwas Negatives darüber gesagt. Es war die Generation meiner Mutter, die mit Vorurteilen zu kämpfen hatte. Jetzt ist es eher so, dass die Leute das gut finden. Was ich aber definitiv als Teenager nicht an mir mochte, war meine weiße Haut. Jahrelang habe ich von einer Mallorca-Bräune geträumt. Inzwischen kann ich mit meinem hellen Teint aber sehr gut leben.

Quelle: teleschau - der mediendienst