Heike Makatsch

Heike Makatsch





Die Sache mit den Gefühlen

"Alles ist Liebe" (Start: 4. Dezember) bringt ein modernes Weihnachtsmärchen ins Kino. Das vor Stars strotzende Mainstream-Werk besetzt die Planstelle der großen romantischen Komödie zum Fest 2014. Das Besondere am Ensemble-Stück von Markus Goller ("Friendship!") ist, dass ein solcher Film aus Deutschland kommt und trotzdem gelungen ist. Heike Makatsch, Nora Tschirner, Fahri Yardim, Christian Ulmen, Wotan Wilke Möhring, Katharina Schüttler und Tom Beck spielen die Hauptrollen. Im Interview spricht Heike Makatsch (43) über die Probleme des deutschen Kinos mit großen Gefühlen und was man mit fortschreitendem Lebensalter über das Wesen der Liebe lernen kann.

teleschau: Ist Liebe ein unberechenbares Geheimnis oder eine Kunst, die man lernen kann?

Heike Makatsch: Sie ist eher ein wildes Tier, das man durch Rationalität zu zähmen versucht (lacht). Ich finde, die Kunst, das Lieben zu lernen, besteht darin, im Laufe des Lebens die eigenen Gefühle besser begreifen zu lernen. Natürlich entmystifiziert man Liebe dadurch auch ein bisschen. Sie wird zu einem Gefühl, das mit der anderen Person manchmal gar nicht mehr so viel zu tun hat. Trotzdem merkt man, je älter man wird, dass es da eben tatsächlich bedingungslose Gefühle für Menschen gibt, die einen dann vielleicht auch ein Leben lang begleiten.

teleschau: Wahre Liebe ist also nicht unbedingt die romantische Liebe?

Makatsch: Romantische Liebe ist so etwas wie die verrückte Schwester der Liebe. Wenn sie einen erwischt, versucht man sie zu entschlüsseln, damit man ihr, vor allem, wenn sie einen im erwachsenen Zustand trifft, ein Schnippchen schlagen kann. Leider ist sie jedoch meistens noch ein bisschen cleverer als man selbst (lacht).

teleschau: Ihr Film "Alles ist Liebe" erinnert an den modernen britischen Weihnachtsklassiker "Tatsächlich ... Liebe". Geht es Ihnen auch so?

Makatsch: Na klar. Im Prinzip ist es ja auch dasselbe Konstrukt, nur mit anderen Geschichten. Man betrachtet eine Reihe Liebesgeschichten in unterschiedlichen Stadien. Manche von ihnen sind miteinander verknüpft. Und alles wird dadurch erhöht, dass gerade Weihnachten ist.

teleschau: In "Tatsächlich ... Liebe" haben Sie ebenfalls mitgespielt ...

Makatsch: Ja, das ist natürlich witzig, und ich habe darüber nachgedacht, ob ich tatsächlich zehn Jahre später in einem sehr ähnlichen Film auftauchen sollte. Aber das Buch hat mir sehr gefallen. Und natürlich die Tatsache, dass ich damals in "Tatsächlich ... Liebe" die Verführerin eines Mannes war und diesmal die betrogene Ehefrau. So ändern sich die Zeiten (lacht) ...

teleschau: Beide Drehbücher haben eine gewaltige Fallhöhe in Sachen Kitsch. Was gab Ihnen die Zuversicht, dass trotzdem gute Filme daraus entstehen?

Makatsch: Ein solcher Stoff lebt von den Darstellern und einer Regie, die das richtige Maß findet. Ich fand trotzdem, dass die Charaktere schon auf Papier auf sympathische Art lebendig wurden. Als ich dann noch hörte, dass Markus Goller die Regie macht, hatte ich ein gutes Gefühl.

teleschau: Die Deutschen haben oft kein gutes Händchen für Stoffe "mit viel Herz". Oft geraten solche Filme wahnsinnig kitschig. Was muss man machen, damit dies nicht geschieht?

Makatsch: Es ist tatsächlich eine Frage der Regie. Ähnlich wie bei Richard Curtis, der "Tatsächlich ... Liebe" machte, transportiert auch Markus Goller eine wahre Begeisterung für die im Film dargestellten Gefühle. Man muss diese kleinen Schlenker lieben, diese Missgeschicke, die Menschen, die sich lieben, passieren. Nur, wenn man ein wahres Herz für diese Dinge mitbringt, kann man einen solchen Film drehen. Paradoxerweise vermeidet man so den Kitsch - obwohl das Ganze natürlich schrecklich kitschig ist.

teleschau: "Alles ist Liebe" hat eine sehr prominente Besetzung. Ist der Film dadurch nicht ein Selbstläufer?

Makatsch: Es gibt keine Selbstläufer-Filme. Weder im kreativen Sinne und schon gar nicht an der Kinokasse. Es kann sein, dass der Film vielleicht aus ganz anderen Gründen erfolgreich sein wird, als es damals "Tatsächlich ... Liebe" war - obwohl er dieselben Zutaten verwendet. Vielleicht wollen ihn die Leute sehen, weil Fahri Yardim so wahnsinnig lustig darin ist oder weil Nora Tschirner eben Nora Tschirner ist. Oder auch, weil Tom Beck so großartig toll albern aussieht in seinen Kostümen. Glauben Sie mir, man weiß vorher nie, ob etwas gut wird. Egal, wie hoch die Prominentendichte bei der Besetzung ist.

teleschau: Tun sich andere Länder leichter, an sich kitschige Stoffe auf leichte Art mit gutem Humor zu erzählen?

Makatsch: Der Vergleich mit den Briten ist in Sachen Humor immer ein bisschen unfair. Sie sind weltweit nicht zu schlagen in dieser Hinsicht. Trotzdem sehe ich keinen Grund, auf den deutschen Film einzuschlagen, wenn es um Komödien und leichte Stoffe geht. Sicher sind wir in diesem Genre heute eher Lernende als Leuchttürme. Trotzdem gibt es auch bei uns Einzigartiges, das auch auf internationalem Parkett schwer zu finden ist. "Oh Boy" ist zum Beispiel ein deutscher Film, der mit großer Leichtigkeit Atmosphäre, Humor und Melancholie miteinander verbindet. Es ist tatsächlich meisterhaft, so etwas zu schaffen.

teleschau: Diskutiert man bei einem Film über Liebe auch besonders viel über Liebe, wenn man ihn dreht?

Makatsch: Nein, beim Drehen beschäftigt man sich mit der Rolle. Man ist zu konzentriert und manchmal auch zu aufgedreht, um sich über die Liebe als solche Gedanken zu machen. Umso schöner, dass wir jetzt, wo wir im Ensemble Interviews zu diesem Film geben, darüber nachdenken und reden können.

teleschau: "Alles ist Liebe" ist tatsächlich ein Ensemblefilm. Fühlt sich das anders an, als eine Hauptrolle zu spielen?

Makatsch: Ja, es fühlt sich ziemlich gut an. Man ist so warm gebettet in dieser Gruppe von talentierten Kollegen. Ich habe eine Figur mit Substanz zu spielen und fühle mich trotzdem von den anderen Schauspielern mitgetragen. Gleichzeitig sind es nicht so viele Drehtage, man ist nicht gleich zwei Monate weg von Zuhause.

teleschau: Haben Sie einen Lieblingsensemblefilm?

Makatsch: Vielleicht "The Rocky Horror Picture Show". Auch "American Graffiti" von George Lucas habe ich früher sehr geliebt. Und noch ein Ensemblefilm mit jungen Leuten: "The Last Picture Show" von Peter Bogdanovic mit Jeff Bridges und Cybill Shepherd. Sicher gehören auch "Magnolia" von Paul Thomas Anderson und "Pulp Fiction" von Tarantino zu den besten Ensemblefilmen, die ich kenne. Auch "Finsterworld" war toll, übrigens ein deutscher Film.

teleschau: Sie selbst drehen jetzt auch schon 18 Jahre lang Filme ...

Makatsch: Richtig. "Männerpension" war 1996 mein erster Film.

teleschau: Gibt es rückblickend einen Film, auf den sie am meisten stolz sind?

Makatsch: Das ist schwer zu sagen. Ich gucke alle meine Filme nur einmal, meistens bei einer Premiere. Wenn man aber Filme nur einmal gesehen hat, fällt es schwer, sie mit Abstand zu bewerten.

teleschau: Sie sehen sich selbst nicht gerne in einem Film zu?

Makatsch: Nein, das ist es nicht. Ich schließe eher nach einmaligem Betrachten mit dem Film ab - ansonsten würde ich zu viel Altes mit mir rumschleppen. Es ist ja auch eine merkwürdige Erfahrung für Menschen, sich selbst in einer Rolle agieren zu sehen, wie man das eben vor fast 20 Jahren gemacht hat. Das Anfassen von alten Sachen kann gefährlich sein (lacht). Vielleicht habe ich ja eine Arbeit damals unter "großartig" abgebucht und dann muss ich feststellen, dass es mir gar nicht mehr gefällt, wie ich das damals gemacht hat. Nee, das ist nichts für mich.

teleschau: Es gibt für Sie also keine objektiven Maßstäbe, die eigene Arbeit zu bewerten?

Makatsch: Ich könnte nur nach Faktoren urteilen, die außerhalb von mir selbst liegen. Welcher Film war besonders erfolgreich oder wurde von Kritik und Publikum in diese Richtung bewertet? Aber wenn ich das jetzt noch mal nachplappere, hat ja keiner etwas davon.

teleschau: Gibt es einen Film, bei dessen Dreharbeiten Sie sich besonders bombastisch gefühlt haben - so dass er deshalb in Erinnerung geblieben ist?

Makatsch: Das wären zu viele Filme. Einfacher wäre es, wenn ich Filme aufzählen würde, bei denen ich mich überhaupt nicht gut fühlte. Das tue ich aber nicht, weil es andere Beteiligte in den falschen Hals bekommen könnten (lacht).

teleschau: Noch eine letzte Frage - seit langem wird darüber spekuliert, ob Sie die Kommissarrolle in einem "Tatort" aus Freiburg übernehmen.

Makatsch: Das Problem bei diesem Projekt ist, dass es viel zu früh publik wurde und zwar in einem so frühen Stadium, dass es so aussieht, als würde da nichts vorangehen. Ich freue mich jetzt darauf, bald das Drehbuch zu lesen. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Wir sind in der Entwicklung. Irgendetwas wird sich bald ergeben.

Quelle: teleschau - der mediendienst