Pioneer

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Ein Mann gegen den Rest der Welt

Wes Bentley, bekannt aus "American Beauty" und "Die Tribute von Panem", ist ein gutaussehender Amerikaner. Ein Mann, der optisch immer heraussticht, selbst wenn er keine wirklich wichtige Rolle spielt. Wie in der norwegischen Produktion "Pioneer": Dort gehört er zu einem Team aus Experimentierfreudigen, als 1975 in der Nordsee große Menge an Öl und Gas entdeckt wurden.

Norwegen war entzückt und brütete bis in die 80er-Jahre über der Frage: Wie rankommen? Es mussten Tauchgänge in tiefere Tiefen durchgeführt werden als es bisher geschah, wenn dort unten Öl in Pipelines fließen soll. Mit dabei die beiden Brüder Petter (Aksel Hennie) und Knut (André Eriksen).

Als Knut, der Familienmensch, bei einem Tauchgang ums Leben kommt, lässt sein Bruder sich nicht hinhalten: Er entdeckt seltsame Zufälle und hört Ausflüchte, die ihm unglaubwürdig erscheinen. Petter versucht sich mit anderen Betroffenen zu verbünden und später auf eigene Faust die Wahrheit herauszufinden, begibt sich heroisch in Gefahr.

Diese furchtlose "David macht Goliath alle"-Variante steht diametral zur Information, dass dieser Film auf Tatsachen beruht. Tatsachen, die implizieren, dass ein Geschwisterteil traurig ist über den Verlust des anderen. Es bräuchte also nicht ganz so viel Kaltschnäuzigkeit, um zu begründen, dass man verbotene Dinge tut, sich mit der eigenen Regierung und den amerikanischen Projektleitern anlegt. Mit anderen Worten: Es menschelt wenig in dieser norwegischen Produktion und das tut dieser Geschichte nicht gut.

Aksel Hennie wirkt cool, fast unbeteiligt, läuft lässig durchs Bild und verbotene Räume, gefällt sich in dieser leicht gelangweilten Attitüde, die an Westernhagen in "Theo gegen den Rest der Welt" denken lässt. Dennoch hat auch dieser Film, wie schon Erik Skjoldbjaergs Debüt "Insomnia" gute Chancen, ein Remake zu erhalten.

Nachdem Christopher Nolan jenen Thriller 2002 mit Robin Williams und Al Pacino für das englischsprachige Publikum nachdrehte, soll sich Gerüchten zufolge George Clooney jüngst die Rechte an "Pioneer" gesichert haben. Ein Thriller, der durchaus Brisanz besitzt, erst letzten Winter erhielten die Angehörigen der gestorbenen Taucher Recht. Der Europäische Gerichtshof bestätigte, dass die Sicherheitsvorkehrungen bei den Tauchgängen mangelhaft waren.

Schade, dass der Film selbst so viel vergibt, obwohl er aus der Perspektive seiner Hauptfigur erzählt und schon dadurch auch emotional berühren sollte. Weder kann man von klaustrophobischen Momenten berichten, noch beeindruckt die Musik von Air sonderlich nachhaltig. Dieser Stoff hätte mehr Potenzial gehabt, doch "Pioneer" ist nicht mehr als ein seltsam unspannendes Unterfangen eines Mannes, der sich zwar gegen den Rest der Welt stemmt, dabei aber kein Mitgefühl weckt. So muss man in die Waagschale werfen, dass jeder Film ein bisschen besser wird, wenn man weiß, dass er auf einer wahren Begebenheit beruht. Und Wes Bentley darin durchs Bild läuft.

Quelle: teleschau - der mediendienst