Peter Maffay

Peter Maffay





"Ohne Musik ist das Leben ein Irrtum"

Peter Maffay ist gut gelaunt. Auch wenn er selbst findet, dass es noch zu früh am Tag ist. "Eine Pressekonferenz um 10 Uhr 30, das nenne ich Rock'n'Roll", meint der Rocker grinsend. Anlass für die Fragestunde in München ist sein neues Live-Album "Wenn das so ist" und die im Januar beginnende Tournee. Maffay präsentiert stolz das Modell einer 360-Grad-Bühne in Form eines Gitarrenpicks, plaudert im Gespräch mit Journalisten und einigen Fans äußerst launig über das zu erwartende Programm, die besten Sitzplätze und die Kosten der aufwändigen Produktion. Im anschließenden Einzelgespräch zeigt der Rocker dann auch seine andere Seite: Überlegt und teilweise nachdenklich spricht Maffay über seine weiche Seite, seinen übervollen Terminkalender und seinen 65. Geburtstag. Und er macht sich Gedanken, was einst von ihm bleiben soll ...

teleschau: Im Januar gehen Sie wieder auf Tournee - mit einer großen Produktion. Können Sie sich erinnern, wie das alles begann? An Ihren ersten Liveauftritt?

Peter Maffay: Ja, es gibt auch Fotos davon ... Das Ganze war elektrisierend und neu für mich. Ich war damals aber nur Gitarrist, ich hatte also keine staatstragende Rolle. Der Auftritt fand 1964 in Waldkraiburg statt, wo ich wohnte: in einem Gasthaus, das damals "Der weiße Hirsch" hieß. Der Ort war eine Siedlung, die auf Rüstungsbunkern aus dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut worden war. In einem dieser Bunker, auf dem der Gasthof stand, war unser Probenraum. Und der Wirt war ein ökonomisch denkender Mensch: Er ließ uns umsonst proben, dafür mussten wir bei ihm spielen. Aber es gab Freibier!

teleschau: Waren Sie nervös?

Maffay: Klar, ich war 14 Jahre alt, und es war natürlich total spannend, vor 400 Leuten zu spielen. Mit unserer kleinen bescheidenen Anlage, die wir hatten. Ich hab das noch gut in Erinnerung: Ich spielte auf einer Framus-Gitarre, deren Hals zwei Mal gebrochen war, die aber gar nicht mal so ungeschickt zusammengeleimt worden war. Aber ich hatte eben nicht mehr Kohle. Außerdem sah sie gut aus - was nicht ganz unentscheidend war.

teleschau: Jetzt stehen Sie über 50 Jahre später immer noch auf der Bühne. Was ist für Sie immer noch besondere Reiz an Konzerten?

Maffay: Was ist, wenn man hungrig ist, der Reiz an einem gut gemachten Wiener Schnitzel? Dass es schmeckt! Mir schmeckt diese Arbeit. Die eigentlich gar keine Arbeit ist, sondern ein Hobby. Ich mache Musik auch nur für mich. Im Grunde genommen ist aus einer Leidenschaft ein Beruf geworden. Und deswegen empfinde ich das nicht als Belastung, sondern eher als Ventil. Nietzsche sagte mal: Ohne Musik ist das Leben ein Irrtum.

teleschau: Dafür müssten Sie aber nicht mehr auf Tournee gehen ...

Maffay: Das wär ja langweilig, wenn nicht mehr ein paar hübsche Mädels in der ersten Reihe da wären, die zuhören ...

teleschau: Ist es neben den weiblichen Reizen nicht auch die Herausforderung, dass bei Live-Auftritten - im Gegensatz zur Studioarbeit - alles auf den Punkt sitzen muss?

Maffay: Klar sollte der Ablauf stimmen, sollten keine Fehler gemacht werden, zumindest keine großen. Die Bühne ist wie eine abgeschossene Kugel, die holt man nicht so ohne Weiteres zurück. Ein Bergsteiger darf sich auf dem Weg zum Gipfel auch keine Fehler erlauben, sonst stürzt er er ab. Und genau darin liegt natürlich der Kick ...

teleschau: Sie gelten als Mann mit genauen Vorstellungen, der auch von seinem Umfeld viel abverlangt. Sind Sie diesbezüglich mit den Jahren nachgiebiger gegenüber anderen geworden?

Maffay: Im Gegenteil! Wir trainieren uns Dinge an und üben sie. Nicht um die Konturen aufzuweichen, sondern um sie zu verdeutlichen. Um noch mehr an den Ursprung zu kommen. An den Ursprung dessen, was man will. Es ist nicht Nachgiebigkeit, die sich einstellt. Aber mit der Erfahrung kommt auch eine gewisse wohltuende Routine, eine aus der Sicherheit geborene Souveränität.

teleschau: Die beruflichen Konturen sind sicher eine Seite, in der ARD-Doku "Auf dem Weg zu mir" sagte Ihre Frau Tania allerdings, dass Ihr Sohn Yaris Sie "weich gemacht" habe ...

Maffay: Zugegeben: Das ist sicher die erstrebenswertere Bewusstseinsform. Hart zu sein, ist ziemlich easy. Sonnenbrille aufsetzen, grimmiges Gesicht dazu - schon gilt man für viele als harter Macker. Und es ist viel schwieriger, weich zu sein. Die besten Kampfsportler beherrschen das weiche Tai Chi: flüssige Bewegungen, harmonische Abläufe. Keine Hektik, abwarten können, analysieren. Das sind die Kriterien, die viel mehr zählen. Und ein Kind sensibilisiert einen in dieser Richtung.

teleschau: Ein Kind erfordert ja auch Aufmerksamkeit, 2013 waren sie allerdings angeblich 285 Tage unterwegs. Gab's nicht Momente, in denen Sie lieber zu Hause gewesen wären?

Maffay: Absolut! Jeden Morgen, wenn ich mit ihm telefoniere und weiß, dass er tausend Kilometer von mir entfernt aufwacht. Natürlich würde ich in solchen Momenten gerne in seiner Nähe sein, den Tag mit ihm beginnen, gemeinsam frühstücken. Wenn ich zwei, drei Wochen nicht zu Hause gewesen bin, dann gibt es da ein Defizit. Aber ich entschied mich für ein Leben, das anders läuft, dafür, ein paar anderen Menschen - so weit ich das kann - zu helfen. Meine Familie und sogar mein kleiner Sohn versteht, dass wir für andere Kinder etwas tun müssen. Es ist eine Verpflichtung, die ich verspüre, die sich auch aus den Chancen ergibt, die sich mir im Leben boten. Ich will das jetzt nicht dicker machen, als es ist, aber es ist so. Und mein Beruf gibt mir eben diese Möglichkeiten.

teleschau: Sie besitzen sogar drei Berufe: Sie sind Rockmusiker, kümmern sich mit Ihrer Stiftung um traumatisierte Kinder und arbeiten auf Ihrer Finca in Mallorca als Bio-Bauer. Können Sie all diesen Aufgaben eigentlich gerecht werden?

Maffay: Die Wahrheit ist, das ich das nicht tue. Ich wäre als Bio-Bauer sicher weiter, wenn ich mehr Zeit hätte, mich damit zu beschäftigen. Ich wäre sicher ein besserer Gitarrist, wenn ich nicht gleichzeitig darauf aufpassen wollte, dass die Zwiebeln rechtzeitig gepflanzt werden. Ich wäre in beidem besser, wenn ich nicht in zwei Dritteln meiner Zeit für die Stiftung arbeiten würde. Aber: Es ist, wie es ist. Ich bin nicht undankbar. Diese drei Elemente gestalten meine Arbeit abwechslungsreich. Und das Gute ist: Meine Musik wird befeuert von Impulsen aus der Stiftung - und auch von den Zwiebeln, die da wachsen.

teleschau: Wann kamen Sie eigentlich auf Idee, die Zwiebeln und andere Produkte auch zu verkaufen?

Maffay: In dem Augenblick, in dem wir sie pflanzten. Es gibt ein Buch von John Seymour: "Leben auf dem Lande". Ein Hektar Grund - und wie man damit überleben kann. Das war für mich ein Impulsgeber. Diese Unabhängigkeit, eine Insel zu sein mit seinem Stück Land und aus ihm heraus die ganze Kraft abzuleiten, die man zum Leben braucht, das erschien mir extrem reizvoll. Deswegen fing ich an zu lesen, wie man Beete anlegt, ackert. Das war natürlich schon eine sehr romantische Vorstellung, die dann aber immer konkreter wurde. Auch weil das Ganze natürlich auch mit der Stiftung zu tun hat. Die Kinder sollen ja auf diese Weise den Kreislauf der Natur kennenlernen, das hat auch einen therapeutischen Hintergrund.

teleschau: Probieren Sie eigentlich alle Ihre Produkte selbst?

Maffay: Ja, das ist das erklärte Ziel. Das hat auch einen Hintergrund: Die Mengen, die wir verkaufen, können wir selbst gar nicht erzeugen. Deswegen kaufen wir teilweise Produkte hinzu, die wir aber branden. Dafür halten wir dann die Birne hin und sagen, dass wir wissen, wo die Sachen herkommen, wie sie hergestellt worden sind. Der Verkauf kommt dann auch der Stiftung zugute. Denn das ist die Übung: Wenn wir die Stiftung unabhängig machen wollen von mir, müssen wir solche Modelle kreieren. Wir wollen ja auch noch in 20 Jahren die Kinder da haben, auch wenn ich vielleicht keine Musik mehr mache oder gar nicht mehr existiere.

teleschau: Ende August feierten Sie Ihren 65. Geburtstag: War das ein rauschendes Fest oder eine kleine Familienfeier?

Maffay: Es war eine rauschende Feier im kleinen Rahmen, in völliger Abgeschiedenheit. Wir lachten viel, machten schräge Musik - und schauten dabei auf den Atlantik.

teleschau: Mit 65 in Rente zu gehen ist ja für Sie kein Thema, aber Sie machen sich hörbar Gedanken, was nach der Musik kommt ...

Maffay: Wenn es um meine Familie und die Stiftung geht, muss ich das und will ich das. Diese beiden Faktoren - wenn ich das so sagen darf - machen solche Überlegungen zwingend notwendig. Ich will niemand ins offene Messer laufen lassen, mit einer Situation konfrontiert sehen, die ich provoziert habe, ohne zu wissen, wie man damit umgeht. Insofern muss ich über diese Phase meines Lebens Gedanken machen. Ich will meiner Frau, meinem Sohn nicht etwas hinterlassen, was weitgehend ungeklärt ist. Und das kann ich versuchen, jetzt schon zu regeln.

teleschau: Und was würden Sie sich wünschen, was von Ihnen bleibt?

Maffay: Ein guter Eindruck! (lacht)

Peter Maffay auf Deutschland-Tournee:

15.01.2015, Hamburg, o2 World

16.01.2015, Dortmund, Westfalenhalle

17.01.2015, Köln, Lanxess Arena

20.01.2015, Frankfurt, Festhalle

21.01.2015, Frankfurt, Festhalle

23.01.2015, Mannheim, SAP Arena

24.01.2015, Stuttgart, Schleyer-Halle

25.01.2015, Trier, Arena Trier

28.01.2015, Leipzig, Arena Leipzig

30.01.2015, München, Olympiahalle

02.02.2015, Kempten, bigBOX Allgäu

03.02.2015, Nürnberg, Arena Nürnberger Versicherung

05.02.2015, Erfurt, Messe Erfurt

06.02.2015, Riesa, Erdgas Arena

07.02.2015, Berlin, o2 World

08.02.2015, Rostock, Stadthalle

10.02.2015, Hannover, TUI Arena

12.02.2015, Halle, Gerry Weber Stadion

13.02.2015, Bremen, ÖVB Arena

Quelle: teleschau - der mediendienst